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Diagnose Brustkrebs: Interview mit Heide Simonis

2002 wurde bei der damaligen Ministerpräsidentin Schleswig-Holsteins Heide Simonis die Diagnose Brustkrebs gestellt. Doch die Diagnose behielt die Politikerin im Hinblick auf den nahestehenden Wahlkampf für sich. Heute setzt sie sich für verschiedene soziale Projekte ein und gilt als geheilt.

Frau Simonis, wie haben Sie von Ihrer Erkrankung erfahren?

Ich hatte Schmerzen in der Brust, bin dann zum Arzt gegangen, wie ich das eigentlich jedes Jahr mache, zur Mammografie. Dort konnte man bereits mit relativ großer Sicherheit sagen, da ist etwas nicht in Ordnung. Die weiteren Untersuchungen haben das dann bestätigt. Das war so ungefähr vor zehn Jahren.

Wie sind Sie mit der Diagnose umgegangen?

Ach Du dicke Sch … Aber ich wusste gleich, dass es das war! Der Arzt sagte noch: Muss ja nicht, aber für mich war es klar. Dann habe ich sofort angefangen, meine Sachen so zu sortieren, dass ich ins Krankenhaus konnte, mein Büro zu ordnen, sodass man auch ohne mich würde weiterarbeiten können. Bei mir fing sofort der Verstand zu funktionieren an, wie ich das immer mache, wenn ich Katastrophenmeldungen bekomme.

Wie hat Ihr Umfeld reagiert?

Mein Mann war damals im Urlaub, im Skiurlaub, und ich wollte ihn auch nicht zurückholen, bevor nicht wirklich alles feststand. Also habe ich zunächst gar nichts gesagt. Ich habe erst angerufen, nachdem der Arzt sagte, da war etwas, es musste etwas entfernt werden. Dann habe ich es auch meiner restlichen Familie gesagt, meine Schwester hat mich sofort getröstet.

Wie sah Ihr Weg durch die Therapie aus?

Es konnte brusterhaltend operiert werden und nachdem ich einen hormonell bedingten Krebs hatte, habe ich die entsprechenden Tabletten bekommen. Keine Chemotherapie, aber Bestrahlung. Die Strahlentherapie habe ich als schrecklich empfunden, aber was macht man? Man macht, was gemacht werden muss, und jammert nicht.

Was hat Ihnen am meisten geholfen, die schwere Zeit durchzustehen?

Auf der einen Seite natürlich schon die Familie, aber auf der anderen Seite, dass ich einfach weitergemacht habe. Ich kann diesen Rat keiner anderen Frau geben, das ist meine Art, damit umzugehen. Sich zu sagen, jetzt muss das durchgehalten werden und das mache ich, ich arbeite weiter, ich mache das, was ich immer gemacht habe. Ich lege mich auf keinen Fall zu Hause ins Bett und fange an zu grübeln. Und das hilft dann, finde ich, mir persönlich hilft die Disziplin.

Wie hat sich Ihr Leben durch Ihre Erkrankung geändert?

Ja, man fängt schon mal an zu überlegen, aber man sollte möglichst wenig überlegen, denn je mehr man sich hineinbeißt, desto weniger bleibt Raum zu sagen: Das schaffst Du! Ich bin so ein Mensch, der sich immer sagt: Das schaffst du, das schaffst du!

Wie geht es Ihnen heute?

Mir geht es eigentlich gut. Ich habe alle möglichen kleinen Wehwehchen, mal hier mal da, das sind so Alltagssachen. Der Krebs ist mehr oder weniger vergessen. Aber ich hab’s ja auch gut gehabt, es ist ja toi-toi-toi alles gutgegangen. Ich weiß nicht, wie es wäre, wenn es eben nicht gutgegangen wäre.

Welchen Rat geben Sie anderen Betroffenen?

Ich kann nur allen Frauen den Rat geben, a) man muss tun, was der Arzt sagt. Und b) man muss tun, was einem selbst am besten bekommt. Also ich zum Beispiel habe Rotwein weitergetrunken, andere Sachen nicht, ich habe dies und jenes gemacht, ich habe einfach das gemacht, was mir guttat, was ich persönlich für mich als wohltuend empfunden habe. Man darf ja nicht anfangen, in das tiefe Loch zu fallen. Denn da hilft einem keiner so schnell wieder heraus. Ich habe mir selbst immer gut zugeredet.

Quelle: Leben? Leben! 2/2012

26.11.12

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