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Diagnose Hautkrebs ist schwer zu verarbeiten

Das Leben steht plötzlich kopf

Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 21.000 Menschen an schwarzem Hautkrebs. Wird das maligne Melanom frühzeitig erkannt und hat sich der Krebs noch nicht im Körper ausgebreitet, liegen die Überlebenschancen bei 90 %.

Eine frühe Diagnose ist gerade deshalb besonders wichtig, da sich die Krebszellen des malignen Melanoms rasch über das Lymphgefäßsystem oder die Blutbahn im Körper ausbreiten können. Deshalb haben sich bei einigen Patienten zum Zeitpunkt der Entdeckung bereits Metastasen im Körper gebildet, was i. d. R. eine ungünstige Prognose für den Krankheitsverlauf zur Folge hat.

Im Vordergrund steht bei der Behandlung des schwarzen Hautkrebses deshalb immer die chirurgische Entfernung des Tumors. So wie bei Anne Wispler. Mit 42 wurde ihr ein Melanom entfernt und dann noch einmal rund neun Jahre später. Warum sie ihre Muttermale genauer vom Hautarzt untersuchen ließ? „Bauchgefühl“, sagt sie heute. Gerade im Falle ihres zweiten Hauttumors blieb sie hartnäckig, obwohl ihr Hautärzte bereits versichert hatten, ihr Muttermal sei unauffällig. „Ich bin dann noch einmal zu einer anderen Ärztin gegangen, die entschied, das Muttermal herauszunehmen.“ Zu Recht, wie sich herausstellte. Denn zum zweiten Mal hatte sich bereits ein Tumor auf der Haut von Anne Wispler gebildet.

Auch Annegret Meyer hat sich zur Beurteilung eines Leberflecks auf der Brust eine zweite Meinung eingeholt. „Zunächst hieß es, ich soll den Fleck beobachten. Aber bei mir haben ständig die Alarmglocken geschrillt.“ Deshalb suchte sie noch einen weiteren Mediziner auf. Der Befund: malignes Melanom. Zu diesem Zeitpunkt war sie Ende 50. „Die Diagnose erhielt ich an einem Freitagnachmittag per Telefon. Das war nicht besonders glücklich“, erinnert sie sich an diesen Moment zurück.

Auch Angehörige stehen unter Schock

Nicht nur sie selbst, sondern auch Angehörige und Freunde standen unter Schock. „Dabei war nicht einmal die Schwere der Erkrankung von Bedeutung“, sagt Annegret Meyer. Das Wort Krebs allein löste bei ihr, wie bei vielen anderen Betroffenen auch, Angst, Trauer, Wut und Ohnmacht aus. „Die Gefühle fahren Achterbahn.“

Nach der Diagnose Hautkrebs „zieht es einem den Boden unter den Füßen weg. Es ist, wie ein Schlag in die Magengrube“, erinnert sich auch Anne Wispler und rät anderen Betroffenen: „Zu einem Termin, bei dem einen die Diagnose erwartet, sollten Betroffene nicht allein hingehen. Man ist so geschockt, versteht nicht alles, was der Arzt in diesem Moment sagt“, bemerkt sie. „Wenn man in der Mitte des Lebens steht, rechnet man nicht mit so etwas, das zieht einen psychisch ziemlich nach unten“, berichtet sie von ihren Erfahrungen.

Doch Anne Wispler hatte Glück. Der Hautkrebs hatte in beiden Fällen noch nicht metastasiert. Nach dem Entfernen des Tumors war die Therapie beendet. Die Verarbeitung der Erkrankung aber noch lange nicht. „In der akuten Phase war ich erst einmal stark mit der Krankheit beschäftigt, hatte sozusagen einen Job als Patientin. Als diese Phase vorbei war, bin ich in ein Loch gefallen“, erinnert sie sich heute und weiß, dass es vielen anderen Betroffenen genauso geht.

Auch Annegret Meyer begann, sich zu verändern. „Ich reagierte ohne Grund überempfindlich oder barsch gegenüber meinen Mitmenschen, fing an zu weinen. Ich habe mich häufig isoliert gefühlt. Alles war plötzlich fremd und anders“, bis sie begann, sich aktiv mit der Krankheit auseinanderzusetzen. „Ich habe meine Lebensplanung neu sortiert, habe Ballast abgeworfen, mich z. B. von einer Freundin getrennt, die mir nicht guttat. Aber das erfordert auch Mut“, weiß Annegret Meyer. Dieser Weg ist nicht leicht zu beschreiten.

Sie umgab sich mit Menschen, die ihr guttaten, war viel in der Natur unterwegs, las Bücher und suchte sich Momente der Ruhe. Auch die Gespräche mit einem Psychoonkologen in der Reha halfen ihr, mit dem Erlebten klarzukommen. Außerdem reifte in ihr der Entschluss, anderen bei ihrem Umgang mit dem Krebs helfen zu wollen, sie gründete deshalb die Selbsthilfegruppe Hautkrebs Buxtehude.

Viel Verständnis erfahren

Auch Anne Wispler fand ein halbes Jahr nach der Diagnose den Weg in eine Selbsthilfegruppe und engagiert sich dort nunmehr seit 13 Jahren. Denn sie weiß aus Erfahrung: „Mit Nicht-Betroffenen können sich die Erkrankten meist nicht so austauschen.“ Doch ihre Motivation für ihr Engagement ist noch eine ganz andere: „Auf diese Weise konnte ich anderen etwas zurückgeben.“ Und so begleitet sie andere Patienten nun auf ihrem Weg durch die Erkrankung.

Für die Betroffenen ist es nicht immer einfach, an die richtigen Informationen zu kommen. Auch der Austausch unter Hautkrebspatienten untereinander ist deshalb wichtig. Etwa darüber, was bei der Verarbeitung der Erkrankung helfen kann, welche Tipps andere Betroffene weiter geben können oder wie sich Patienten gegenseitig unterstützen können, wenn es auch psychische Probleme gibt. Auch tauschen sich die Selbsthilfegruppen in deutschland- und europaweiten Netzwerktreffen mit anderen aus.

Doch unabhängig von der Selbsthilfe hat Anne Wispler auch ihre Familie im Umgang mit der Erkrankung viel Kraft gegeben. „Ich habe angefangen, die Dinge anders zu sehen, andere Schwerpunkte zu setzen, in meinem Leben aufzuräumen. Das kann auch guttun.“ Von anderen Patienten weiß sie, dass sich durch die Erkrankung das Leben verändert. „Die Krankheit lehrt einen, das Leben als wertvoll anzusehen“, betont sie. Fügt aber hinzu: „Jeder Patient muss selbst wissen, wie viel Raum er der Krankheit geben will, wie viel er reflektieren will.“

Hautkrebs Netzwerk Deutschland gegründet

Annegret Meyer und Anne Wispler sind im Vorstand des Hautkrebs Netzwerks Deutschland, das 2016 gegründet wurde. Das Netzwerk möchte das Bewusstsein für die Erkrankung in der Öffentlichkeit stärken, bundesweit Hautkrebs-Selbsthilfegruppen gründen, setzt sich für eine verbesserte Kooperation von Patienten mit Ärzten, Therapeuten und Kliniken ein und will helfen, die Früherkennung, Diagnostik und Behandlung von Hautkrebs zu verbessern. Denn noch immer sterben jedes Jahr knapp 3.000 Patienten daran.

Quelle: Patient und Haut 1/2017

05.07.17

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