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Diagnose von Nesselsucht

Schon die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) kann Aufschluss über die Form der Nesselsucht geben. Nach der Anamnese erfasst der Arzt in einer körperlichen Untersuchung die Hautveränderungen durch die Nesselsucht, speziell das Auftreten der Quaddeln, ihre Beschaffenheit und den Ort des Auftretens (Lokalisation). Mediziner sprechen vom urtikariellen Dermographismus, wenn die Quaddeln in einem Muster auftreten, das dem Muster der (z. B. mechanischen) Einwirkung als Auslöser entspricht.

Erfassung der Krankengeschichte (Anamnese)

Sowohl eine Schilderung des Beginns der Krankheit, der Häufigkeit und Dauer der Quaddeln als auch des Verlaufs der Hautveränderungen während eines Tages gibt dem Arzt neben anderen Kriterien erste Anhaltspunkte für die Diagnose der Form der Nesselsucht. Gleichzeitiges Auftreten von Angioödemen (Schwellungen im Gesichtsbereich, an den Händen bzw. Füßen), mit den Hautveränderungen einhergehende Atemnot oder Asthma und vergesellschaftete subjektive Symptome, die für den Patienten mit der Neselsucht verbunden sind, sind für die Krankheitsgeschichte wesentlich.

Eventuelle Vorerkrankungen sollte der Patient ebenfalls unbedingt nennen. Neben der Familienanamnese sind sonstige Gewohnheiten sehr wichtig (Rauchen, Alkoholkonsum, Medikamentengebrauch, Beruf, Hobbys). Die Reaktion auf Insektenstiche ist ebenfalls zu erwähnen. Ist der Erkrankte einem besonderen Stress ausgesetzt, auch wenn er sich dabei lediglich auf sein subjektives Empfinden bezieht, ist auch dieser möglichen Ursache genau nachzugehen.

Da während der Schwangerschaft häufig eine Besserung der Symptome zu verzeichnen ist, liegt ein Zusammenhang mit Hormonen nahe. Zusätzlich bildet der Organismus während der Schwangerschaft vermehrt Kortison, was eine Reduktion der Symptome ebenfalls erklärt. Die Frage des Arztes nach dem Menstruationszyklus der Patientin ist aufgrund möglicher hormoneller Auslöser der Nesselsucht deshalb für die Erhebung der Krankengeschichte ebenfalls zu rechtfertigen.

Standarddiagnostik bei Nesselsucht

Bei einer akuten Nesselsucht, bei der es zu vorübergehenden, kurzfristigen Hautveränderungen kommt, ist eine weitere Diagnostik nicht erforderlich. Die unterschiedlichen anderen Arten der Nesselsucht erfordern verschiedene diagnostische Vorgehensweisen.

Chronische Urtikaria

Bei einer chronischen Urtikaria können Blutuntersuchungen auf spezielle IgE-Antikörper Aufschluss geben. Auch die Entzündungsparameter im Blut werden ermittelt.

Stuhl- und Urinuntersuchungen ermöglichen den Nachweis von Keimen (wie z. B. Helicobacter pylori, einem Magenbakterium), Hefen und Parasiten. So kann z. B. der Nachweis von Wurmeiern auf einen möglichen Auslöser der Nesselsucht hinweisen.

Hauttests wie Läppchentest (Epikutantest) oder der sogenannte Pricktest, bei dem die Haut unter einem Tropfen einer Lösung mit möglichen Auslösern der Nesselsucht angeritzt wird, sind ebenfalls zu nennen.

Die Bestimmung der Schilddrüsenhormone gehört ebenso zur Diagnostik der Nesselsucht wie die von Autoantikörpern (diese sind gegen körpereigene Antigene gerichtet).

Spezielle allergologische Auslass- oder Suchdiäten sowie orale Provokationstests werden bei Verdacht auf individuelle Unverträglichkeiten (Nahrungsmittel oder Zusatzstoffe) eingesetzt. Entweder ist es das Ziel, die am besten verträglichen Lebensmittel herauszufinden (Auslass- oder Suchdiäten) oder aber der Patient nimmt das Lebensmittel zu sich, das als Auslöser der Nesselsucht vermutet wird (spezielle orale Provokationstests).

In der Leitlinie für Diagnostik und Therapie der Urticaria wird empfohlen, die erforderlichen Provokationstests unbedingt stationär, d. h., während eines Klinikaufenthalts, durchzuführen. Es dauert nämlich mehr als sechs Stunden, bis es von der Aufnahme des Allergens zu pseudoallergischen Reaktionen kommt. Außerdem kann die Reaktion der Patienten bis zum anaphylaktischen Schock reichen und teilweise sofortige Maßnahmen erfordern. Der anaphylaktische Schock tritt bei überempfindlichen Menschen Sekunden nach Kontakt mit dem Allergen auf und kann sich in einer totalen Kreislaufregulationsstörung äußern.

Physikalische Urtikaria

Die physikalische Testung der Haut durch spezielle Reize wie Wärme- oder Kälteanwendungen, Druck oder spezielles UV-Licht unterschiedlicher Wellenlänge soll helfen, zu diagnostizieren, ob physikalische Reize die Nesselsucht hervorrufen.

Die Urticaria factitia wird diagnostiziert, indem ein Dermographismus ausgelöst wird – damit ist gemeint, dass der Arzt die nach mechanischer Reizung (z. B. mit einem Holzspatel) auftretende sichtbare Hautreaktion analysiert.

Cholinergische Urtikaria

Hier wird der Patient gebeten, sich kurzzeitig anzustrengen, z. B. mit Hilfe des Fahrradergometers, oder ein heißes Bad zu nehmen. Natürlich ist die Patientenanamnese dabei unbedingt zu beachten. Der Temperaturanstieg muss kontrolliert und langsam erfolgen.

Prick-Test zur Diagnose einer Nesselsucht

Um den bzw. die Auslöser einer Allergie zu ermitteln (Antigen), kann der Prick-Test äußerst hilfreich sein. Er wird folgendermaßen durchgeführt: Verschiedene Stoffe, die zu allergischen Reaktionen führen können, werden auf die Haut aufgetragen. Die entsprechenden Stoffe befinden sich meist in einer Lösung. Damit das mögliche Allergen in die Haut gelangen kann, wird die Haut unter dem Tropfen angeritzt. Innerhalb von Minuten erfolgt bei einer allergischen Reaktion eine rote Schwellung.

Häufige Mehrfachallergie

Häufig ist der Betroffene gegen mehrere Stoffe allergisch. Nur selten ist ein einziger Auslöser für die Nesselsucht verantwortlich. Nahrungsmittelfarb- und konservierungsstoffe führen bei Nesselsucht oft zu den typischen Quaddeln. Es gestaltet sich häufig sehr schwierig, die auslösenden Stoffe zu meiden, wenn der Auslöser auf den Nahrungsmittelverpackungen nicht genannt wird.

Patiententagebuch zur Feststellung des Schweregrades der Nesselsucht

Um den Schweregrad einer Nesselsucht trotz großer tageszeitlicher Schwankungen in der Intensität der Erkrankung besser einschätzen zu können, bittet der Arzt häufig den Betroffenen, ein Patiententagebuch zu führen. Hier soll der Patient rückblickend alle 24 Stunden seine Bewertung über den Schweregrad anhand des Urtikaria-Aktivitätsscores (UAS) eintragen:

0 Punkte – keine Quaddeln – kein Juckreiz

1 Punkt – wenige Quaddeln (<20 Quaddeln/24h) – wenig Juckreiz

2 Punkte – mäßige Quaddeln (21-50 Quaddeln/24h) – mäßiger Juckreiz

3 Punkte – viele Quaddeln (>50 Quaddeln/24h) – starker Juckreiz

Besondere Verläufe, z. B. eine Kehlkopfschwellung (der Arzt spricht von einem Larynxödem) oder auch subjektiv empfundenen Stress bzw. hohen Leidensdruck, gilt es gesondert zu erfassen.

Birgit Lindner

12.12.14

Diagnose
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