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Disease-Management-Programme (DMP) bei Brustkrebs

Disease-Management-Programme (DMP) sollen die Versorgung von Brustkrebspatientinnen verbessern. DMP steht für ein zentral organisiertes Behandlungsprogramm, nach dem die Behandlungen in Übereinstimmung mit den evidenzbasierten Leitlinien erfolgt. Prof. Dr. Achim Wöckel, Würzburg, erläutert im Interview, wie das Disease-Management-Programm bei Brustkrebspatientinnen greift.

Was versteht man unter einem Disease-Management-Programm?

Allgemein wurden die Disease-Management-Programme für Krankheiten entworfen, die mit großer Häufigkeit auftreten. Dabei handelt es sich um strukturierte Behandlungsprogramme, d. h. die Behandlungsabläufe wurden verbessert und die Patientinnen sollen koordiniert behandelt werden, nach medizinisch aktuellem Wissen, mit dem Ziel dadurch die Qualität und die Ergebnisse der Versorgung in allen Bereichen zu verbessern. Hinter dem Disease-Management-Programm stehen also strukturelle Maßnahmen, die die Versorgungsqualität von Brustkrebspatientinnen verbessern sollen. Insbesondere die Prozessqualität (Prozesse sollen in stetig gleich guter Qualität und ohne Störungen ablaufen), im Sinne einer patientenorientierten Versorgung, die auch die psychosoziale Versorgung umfasst. Es sollen dabei alle wesentlichen Aspekte einer patientenorientierten Behandlung vereint sein.

Grundlage dieser strukturierten Behandlung sind die evidenzbasierten Leitlinien. Ein wichtiges Ziel ist es, die Prozesse, besser miteinander zu vernetzen. Das passiert, indem auch der Informationsfluss zwischen den behandelnden Ärzten vereinfacht ist. Alle für die Therapie relevanten Ärzte und Therapeuten sollen zusammenarbeiten und durch den Informationsaustausch untereinander sollen Doppeluntersuchungen oder nicht zueinander passende Behandlungsmethoden vermieden werden. Die Patientin soll in die Behandlungsentscheidungen einbezogen werden und von ihrem Arzt, der die Therapie koordiniert, jederzeit über Diagnosen und Therapieschritte informiert werden. Therapieschritte werden ausführlich dokumentiert, sodass sie für alle Therapeuten nachvollziehbar sind. Zukünftig werden speziell auch die Nachsorge und die Langzeitbetreuung nach Brustkrebs im DMP abgebildet sein.

Wie funktioniert das Programm konkret?

Dieses Disease-Management-Programm funktioniert auf Grundlage von Kooperationsverträgen. Diese Kooperationsverträge bestehen zwischen Krankenkassen und Brustzentren. Für die gesamten strukturellen Abläufe gibt es auch einen koordinieren DMP-Arzt, der von den Versicherten gewählt wird. Die Patientin wählt einen Arzt aus, der sie berät und unterstützt. Voraussetzung ist, dass der Arzt selbst am DMP teilnimmt. Über die Krankenkassen erhalten die Patientinnen Auskunft über das DMP, die Teilnahme und eine Liste mit teilnehmenden Ärzten.

Inwiefern profitieren die Patientinnen von diesem Programm?

Die Vorteile sind darin zu sehen, dass die Patientinnen die bestmögliche Versorgung erhalten, auf dem aktuellen Stand des medizinischen Wissens. Das wird dadurch gesichert, weil die Kliniken klare Qualitätskriterien erfüllen müssen, die in der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses erstellt worden sind. Die stationären und ambulanten Träger müssen sich beispielsweise verpflichten, an regelmäßigen Fortbildungen teilzunehmen. Sie sind verpflichtet, dass fallbezogene Tumorkonferenzen durchgeführt werden, dass die Dokumentation des Behandlungsverlaufs eindeutig geregelt ist und damit auch eine Überwachung der Therapieschritte stattfindet. Es gibt also eine nachvollziehbare und überprüfbare Qualität. In Studien wurde bereits der Nutzen einer Behandlung nach evidenzbasierten Leitlinien belegt. Die Behandlung nach Leitlinien führt zu einer Verbesserung des Überlebens für die Patientin. DMP verpflichten sich zu einer Durchführung und einer Einhaltung leitlinienkonformen evidenzbasierten Therapie.

Welche Rolle spielen Hausärzte in diesem Programm?

Die Hausärzte können teilweise eine Rolle spielen, weil das DMP auf mehreren Säulen, d. h. mehreren Ärzten und Therapeuten ruht. Auch in diesem Falle ist eine gute Koordination zwischen den behandelnden Ärzten wichtig. Genauso ist es entscheidend, eine gute Anbindung an den psychosozialen Bereich zu haben. Das Ziel des DMP ist es, all diese Partner innerhalb der Versorgung zu beteiligen.

Wer profitiert von dem Programm?

Das hängt ganz davon ab, welche Kasse einen Kooperationsvertrag mit einem Brustzentrum hat und ob die jeweiligen Kliniken auch Partner des Disease-Management-Programms sind. Wenn das gegeben ist, kann eine Patientin von einem solchen Programm profitieren. Das Disease-Management-Programm war ein Versuch, die Versorgung im ambulanten und stationären Bereich miteinander zu vernetzen und zu verbessern. Dadurch, dass die meisten Brustzentren heute allerdings zertifiziert sind und die Behandlung nach S3-Leitlinien der Standard ist, kann heute jede Patientin davon ausgehen, dass sie nach evidenzbasierten Leitlinien behandelt wird.

Quelle: Leben? Leben! 1/2015

07.06.17

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