
Als Eierstockkrebs werden bösartige Tumoren bezeichnet, die sich aus dem Gewebe des Eierstocks (Ovar bzw. Ovarium) gebildet haben.
Je ein Eierstock befindet sich jeweils links bzw. rechts der Gebärmutter. Die weiblichen Ovarien sind Keimdrüsen und entsprechen funktional den Hoden des männlichen Geschlechts. Neben der Produktion von Eizellen bilden die Eierstöcke die weiblichen Geschlechtshormone Gestagen und Östrogen. Das befruchtungsfähige Ei, das innerhalb des Monatszyklus im Eierstock heranreift, wird zum Zeitpunkt des Eiersprungs abgegeben und wandert über den Eileiter zur Gebärmutter.
Eierstockkrebs gehört zu den vergleichsweise seltenen Krebserkrankungen. Das Robert Koch-Institut (RKI) gibt auf Basis der Daten des Krebsregisters von 2004 an, dass jedes Jahr rund 9.660 Frauen in Deutschland an Eierstockkrebs erkranken.
Da jedoch Früherkennungsmaßnahmen für Eierstockkrebs fehlen und der Tumor sich im Frühstadium meist nicht durch Symptome äußert, wird die Diagnose Eierstockkrebs in der Regel spät gestellt und die Prognose ist daher eher ungünstig. Aus diesem Grund ist die Mortalitätsrate bei Eierstockkrebs ca. zweimal höher als bei anderen gynäkologischen Tumoren.
Die Neuerungen auf dem Gebiet der Therapie bei Eierstockkrebs haben jedoch dazu beigetragen, dass die Sterberate in den letzten 20 Jahren immer mehr zurückgegangen ist, während die Erkrankungsrate im gleichen Zeitraum nahezu konstant blieb.
Nordeuropäische Frauen sind häufiger von Eierstockkrebs betroffen.
Im durchschnitt waren die Frauen zum Zeitpunkt der Diagnose Eierstockkrebs ca. 68 Jahre alt. Damit liegt das mittlere Erkrankungsalter bei dieser Krebserkrankung ein Jahr über dem Erkrankungsalter für Krebs im Allgemeinen.
Interessant ist, dass bei Eierstockkrebs bezüglich der Erkrankungsrate ein Nord-Süd-Gefälle vorliegt. In den nördlichen europäischen Staaten erkranken deutlich mehr Frauen an dieser Krebsart als im Süden Europas. Deutschland liegt im europäischen Vergleich im Mittelfeld. Weltweit ist die Anzahl der Neuerkrankungen in europäischen und nordamerikanischen Ländern rund doppelt so hoch wie in Afrika oder Asien.
Nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation WHO werden die Formen der Ovarialtumoren nach den Zellen untergliedert, aus denen sie sich gebildet haben. Eierstocktumoren gehen in ca. 65 % der Fälle vom Epithelgewebe, d. h. von den oberen Zellschichten, aus. Die bösartigen Ovarialtumoren, die vom Epithel ausgehen, werden auch als Ovarialkarzinome bezeichnet.
Keimzelltumoren machen rund 20 bis 25 % der Neoplasien des Eierstocks aus. Sie entstehen aus unreifen Eizellen oder embryonalen Zellen. Neben diesen hauptsächlich auftretenden Formen zählen zu den Ovarialtumoren außerdem sog. Keimstrang-Stroma-Tumoren (ca. 6 %), Lipidzelltumoren (weniger als 0,1 %) sowie diverse gemischte Formen und tumorähnliche Veränderungen.
Antje Habekuß
11.11.08