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Eierstockkrebs – Eine Patientin erzählt ihre Geschichte

Kunsttherapie und Freunde geben Kraft im Kampf gegen Eierstockkrebs

Vor zehn Jahren machte ich, unabhängig von meiner regelmäßigen Kontrolluntersuchung, einen Termin beim Frauenarzt. Warum genau, weiß ich bis heute nicht. Mir tat nix weh, mir ging es bestens. Doch da hatten sich an beiden Eierstöcken bereits Tumoren gebildet.

Beim Ultraschall wurde zunächst eine mit undefinierbarem Inhalt gefüllte Zyste festgestellt. Da meine Mutter bereits mit 54 Jahren an Eierstockkrebs verstarb, entschloss ich mich, nicht lange zu warten und die Zyste in einer ambulanten Operation entfernen zu lassen. Während der OP wurde festgestellt, dass sich in beiden Eierstöcken verdächtiges Gewebe befand. Der histologische Befund brachte dann die Gewissheit: Es ist Eierstockkrebs in einem sehr frühen Stadium.

Der Krebs war fest begrenzt auf die Eierstöcke und – soweit man das ambulant schon sehen konnte – noch nicht in die Organe des Bauchraumes hineingewachsen. Als ich nach der Narkose erwachte und in die ernsten Augen des Operateurs blickte, spürte ich schlagartig: Es ist Krebs. Die Diagnose war ein Schock, aber ich hatte auch das Gefühl, mein Kopf wird glasklar, und ich überlegte, welche Schritte jetzt zu gehen sind.

Als Erstes habe ich direkt eine wissenschaftlich-medizinische Buchhandlung aufgesucht und habe unter Eierstockkrebs nachgelesen, welche Überlebenschancen ich habe und welche Therapiemöglichkeiten es derzeit gibt. Die vielen verwirrenden Infos im Internet wollte ich zunächst nicht lesen. Ich erfuhr, dass die Heilungschancen für Eierstockkrebs in fortgeschrittenen Stadien relativ gering sind (Stand von vor zehn Jahren), in sehr frühem, nicht metastasiertem Stadium dagegen recht gut. Diese Informationen gaben mir Sicherheit und machten Mut. Als sich später nach einer großen radikalen OP des Unterleibs bestätigte, dass keiner von den rund 70 sorgfältig entfernten Lymphknoten befallen war, machte sich in mir eine Kraft und eine innere Stimme breit: Das schaffst du. Du wirst überleben.

Und dieses Gefühl hat mich die ganze Zeit begleitet, auch in den schweren Stunden nach der achtstündigen großen OP. Gerade bei Eierstockkrebs halte ich es für ungemein wichtig, an einen erfahrenen, auf Eierstockkrebs spezialisierten Operateur zu gelangen. Deshalb rate ich jeder Frau mit Verdacht auf Ovarial-Ca, sich an ein zertifiziertes Tumorkompetenzzentrum zu wenden. Dort bestehen auch bessere Möglichkeiten, an umfassende Informationen zu gelangen und eine Behandlung mit neueren Therapien zu erhalten sowie die Chance, an Studien teilzunehmen.

Operation und Chemotherapie

Während der großen Operation wurden die Gebärmutter, die beiden Eierstöcke samt der jeweils etwa sechs Zentimeter großen Tumore sowie zahlreiche Lymphknoten aus Becken- und Bauchbereich entfernt. Es musste eine Harnleiterschiene gelegt werden, die mir noch einige Zeit Probleme bereitete. Es folgten sechs Zyklen Chemotherapie mit Carboplatin. Ich hatte in dieser Zeit starke Schwächegefühle, fror ständig, obwohl Sommer war, das Geschmacksempfinden war gestört, am meisten aber hat mich beeinträchtigt, dass ich mit 50 Jahren ad hoc in die Wechseljahre kam und extreme Hitzewallungen und kein Sexualempfinden mehr hatte. Der Verlust der Haare hat mir wenig ausgemacht.

Ich bin während der Chemozeit täglich spazieren gegangen. In der Natur habe ich mich aufgehoben gefühlt und für die Zeit nicht an den Krebs gedacht. Als die große Bauchnarbe verheilt war, bin ich auch wieder viel schwimmen gegangen. Ich erfuhr aus Studien, dass Bewegung schon in der Chemophase gegen die Erschöpfung wirkt, so habe ich mich einer Gruppe für Nordic Walking angeschlossen. Dort waren nur krebsbetroffene Menschen, und mir tat gut zu erleben, dass es Menschen mit mehrfachen, schweren Rückfällen gibt, die immer noch leben!, die ihren Krebs akzeptieren und trotzdem dem Leben gegenüber eine positive Haltung einnehmen, die für sich herausgefunden haben, was sie lassen, z. B. Stress vermeiden, und was sie stattdessen für ihr Wohlbefinden und ihre Freude am Leben tun. Auch habe ich bewusst meine Essgewohnheiten umgestellt, und es genossen, dass ich endlich wieder die Zeit und die Ruhe hatte, mir täglich frisches Gemüse und Salat zuzubereiten.

Nur ein Jahr nach der Diagnose Ovarial-Ca wurden bei mir zwei Knoten in der linken Brust festgestellt. Es folgten noch einmal OP, Chemotherapie und Bestrahlung. In dieser Zeit bin ich allein durch die Mühlen dieser Behandlungen gegangen ist, hatte aber telefonisch sehr viel Unterstützung von den teils weit entfernt lebenden Freunden und Verwandten. Es ist wichtig, offenzubleiben, sich nicht zu verkriechen, und über den Krebs zu sprechen. In all den Monaten habe ich jede Woche Briefe und Päckchen erhalten, viele liebenswerte Dinge, die Platz in meinem Tagebuch gefunden haben. Dadurch habe ich großen Halt, Zuversicht und Kraft erfahren. Darüber freue ich mich noch heute. Es hilft außerdem, Aktivitäten für sich zu finden, die gut tun. Das kann Bewegung sein, tanzen, wandern, singen im Chor, ein Instrument lernen oder spielen, malen, sich ein Haustier zulegen, Freunde treffen, genussvoll kochen.

Gentest

Da meine Mutter vor 44 Jahren an Brust- und Eierstockkrebs starb und auch meine Schwester erkrankt ist, habe ich mich einem Gentest bei einem familiären Brust-und Eierstock-Krebs-Zentrum an einer Uniklinik unterzogen. Es bestätigte sich, dass ich ein erblich bedingtes Gen, das sog. BRCA1-Gen, in mir trage. So fand ich dann auch den Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe des BRCA-Netzwerkes. Dort kann ich mich ebenfalls mit betroffenen Frauen über besondere Fragen und persönliche Belastungen austauschen. Etwa: Soll ich mir vorsorglich die noch gesunde Brust entfernen lassen, wo gibt es erfahrene Operateure, welche OP-Techniken und welche Art von Brustaufbau gibt es, welche Erfahrungen machen die Gruppenmitglieder mit den vorsorglichen OPs? Der Anschluss an die Gruppe war und ist für mich äußerst hilfreich und hat mir Sicherheit gegeben, kompetente Ansprechpartnerinnen zu haben. Ich kann Frauen mit familiärem Brust- und Eierstockkrebs nur empfehlen, sich in einer solchen Gruppe des BRCA-Netzwerkes Unterstützung zu holen.

Für die Bewältigung der Krebserkrankung haben mir außerdem Gespräche zunächst bei einer Psychoonkologin, und anschließend eine mehrjährige Psychotherapie geholfen. Und besonders auch die Kunsttherapie. In der Kunsttherapie habe ich zum einen viel Freude am kreativen Ausdruck gefunden, zum anderen biografischen Lebensereignissen und traumatischen Erlebnissen einen non-verbalen, bildnerischen Ausdruck geben können und dadurch vieles verarbeiten und abgespaltene Gefühle integrieren können.

Die Kunsttherapie half

Als ich nach der zweiten Krebsdiagnose berentet wurde, habe ich über sechs Jahre eine Ausbildung in psychoonkologischer und analytisch-ästhetischer Kunsttherapie gemacht. Mein Lehrtherapeut hatte einen Ausbildungsschwerpunkt u. a. in der pränatalen Psychologie. Das beinhaltet z. B., dass prä-, peri- oder postnatale Erfahrungen des Säuglings mitunter auch traumatisch erlebt und verarbeitet werden. Diese Erfahrungen aus sehr früher Lebenszeit haben einen sehr erheblichen Einfluss auf das Bindungsverhalten und auch auf das Stresserleben des Kindes und das Stresserleben im Erwachsenenalter. Dies kann etwa der Fall sein, wenn, wie in meinem Fall, die Mutter selbst durch ein schwerwiegendes vorhergehendes Trauma während der Schwangerschaft innerlich absorbiert ist.

Über das Medium Kunsttherapie können gemalte Bilder als Ausdruck der vorgeburtlichen Erfahrungen das frühe Trauma ins Bewusstsein holen. So besteht die Möglichkeit, einer therapeutischen Bearbeitung und abgespaltene Gefühle wie tiefen Schmerz oder Wut erfahrbar zu machen und zu integrieren. Ich weiß von mir selbst und auch anderen krebsbetroffenen Frauen aus meiner Ausbildungsgruppe, dass mir die Arbeit an diesen prae-, peri und postnatalen Erfahrungen mithilfe der Bilder existenziell und nachhaltig geholfen und mein Überleben neben der medizinischen Behandlung in besonderem Maße unterstützt hat.

Heute, zehn Jahre nach der ersten Krebsdiagnose, geht es mir gut. Der Eierstockkrebs bereitet mir keine Ängste mehr. Meine gesunde Brust indes beobachte ich genau. Ich bin am familiären Zentrum für Brust- und Eierstockkrebs der Uniklinik eng in die Vorsorge eingebunden. Dort wurde ich nach dem Gentest über die prozentualen Risiken einer Neuerkrankung der gesunden Brust im höheren Lebensalter beim BRCA1-Gen aufgeklärt. Derzeit weiß ich noch nicht, ob ich mich vorsorglich operieren lassen will. Die Ärzte am familiären Brust- und Eierstockkrebs-Zentrum stehen immer wieder geduldig und einfühlsam zu ausführlichen Beratungen und der Abwägung des individuellen Restrisikos zur Verfügung. Solche anstehenden Entscheidungen sind ein häufiges Thema in der BRCA-Selbsthilfegruppe. Auch wenn fast alle Frauen hier bereits vorsorglich die Brüste haben abnehmen lassen, manch eine hat auch Jahre für den Schritt gebraucht. Druck macht hier niemand, und zu erleben, welche Erfahrungen die anderen damit machen, gibt Sicherheit und Mut.

Stefanie Wilhelm (Name von der Redaktion geändert)

Quelle: Leben? Leben! 1/2016

04.05.16

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