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Experteninterview mit Prim. Univ.-Prof. Dr. Rudolf Prager

Prim. Univ.-Prof. Dr. Rudolf Prager, Facharzt für Innere Medizin, Nephrologie, Endokrinologie sowie Stoffwechsel, ist Mitglied der Österreichischen und Deutschen Diabetes Gesellschaft sowie der European Association for the Study of Diabetes (EASD), der American Diabetes Association (ADA) und der European Group of Insulin Resistance (EGIR).

Herr Univ.-Prof. Prager, warum haben Sie sich für den Arztberuf entschieden und was hat Sie bewogen, sich auf Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes zu spezialisieren?

Medizin hat mich immer interessiert, allerdings bin ich erst nach Umwegen zum Medizinstudium und Arztberuf gekommen. Während des Studiums war mein Lieblingsfach „Innere Medizin“, daher habe ich die Ausbildung zum Internisten begonnen. Am Beginn meiner Ausbildung bin ich der Stoffwechselabteilung zugeteilt worden. Dieses Metier hat mich so fasziniert, dass ich davon nicht mehr losgekommen bin.

Worauf legen Sie im Umgang mit Patienten besonders viel Wert?

Unter Berücksichtigung individueller Bedürfnisse jedes einzelnen Menschen, ist es mir wichtig, den letzten Stand der medizinischen Entwicklung umzusetzen. Gerade bei der Betreuung von chronisch kranken Patienten, wie Diabetikern, ist ein persönliches Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient sehr wichtig. Ein wesentlicher Entscheidungsgrundsatz ist immer die Frage, was der Arzt selbst tun würde, wenn er an der Stelle des Patienten wäre.

Worin liegt Ihrer Meinung nach die ständig wachsende Zahl von Diabetikern in Österreich wie auch weltweit begründet?

Die ständige Zunahme der Diabetespatienten, vor allem der Typ-2-Diabetikern, ist sicherlich im Zusammenhang mit der rasanten Zunahme des Übergewichts zu sehen. Diese gefährliche Entwicklung ist vor allem auf eine erhöhte Kalorienzufuhr und verminderte Bewegung in unserer Zeit zurückzuführen. Eine besondere Rolle in der Entwicklung von Adipositas spielen fettreiche und zuckerhaltige Nahrungsmittel. Besonders bedenklich ist die Situation bei Kindern und Jugendlichen.

Wie könnte man dieser Entwicklung Ihrer Ansicht nach entgegenwirken?

Diese Entwicklung stellt eine hohe gesellschaftspolitische Herausforderung dar, die auf medizinischer Ebene allein nicht gelöst werden kann. Diabetes mellitus wurde bereits von der WHO als gefährlichste nicht infektiöse Erkrankung bezeichnet. Ansätze gegen diese Entwicklung sind bereits im Kindes- und Jugendalter gefragt. Es muss mit einer Umstellung der bisherigen Ernährungsgewohnheiten ein völlig neues Ernährungsbewusstsein erreicht werden. Besonders kalorienhaltige bzw. zucker- und fetthaltige Nahrungsmittel sollten deutlich gekennzeichnet werden. Das Ausmaß der Bewegung im Kindes- und Jugendalter muss weiter gesteigert werden. Ebenso sind gezielte Maßnahmen im Bereich der Ernährungsindustrie gefragt.

Welche Irrtümer in Bezug auf Diabetes und seiner Behandlung sind besonders verbreitet und warum?

Der häufigste Irrtum ist die Annahme, dass Diabetes eine harmlose Erkrankung sei. Da Diabetes mellitus anfangs meist keine Symptome zeigt, wird die Erkrankung oft jahrelang vernachlässigt. Die Behandlung eines fortgeschrittenen Diabetesstadiums ist aber deutlich schwieriger und die Entwicklung von diabetesspezifischen Komplikationen kann bei fortgeschrittener Erkrankung schwerer verhindert werden.

Gibt es in Österreich Nachholbedarf im Bereich der Information über und der Therapie von Diabetes?

Der Informationsstatus der Österreicher bzw. der österreichischen Ärzte im Hinblick auf Diabetes mellitus ist relativ gut. Eine Verbesserung des Informationsstatus der Betroffenen ist natürlich immer anzustreben. Ich denke da vor allem an neue Medien, wie Onlineforen bzw. Diabetesapps, die auch schon entsprechend angeboten werden.

Gibt es derzeit aus Ihrer Sicht erfolgversprechende Forschungsansätze in der Diabetestherapie?

In den vergangenen Jahren sind eine Reihe neuer Therapieansätze in der Behandlung des Diabetes mellitus verwirklicht worden. Besonders attraktive Ansätze sind medikamentöse Therapien, die zu einer Gewichtsreduktion führen, wie GLP-1-Analoga bzw. SGLT-2 Hemmer. Auf dem Gebiet der Adipositas-Behandlung hat sich in den vergangenen Jahren aber leider wenig getan. Ein möglicher erfolgversprechender Ansatz ist die Veränderung des Genoms der Darmbakterien, wodurch die Insulinresistenz aber auch die Entwicklung von Übergewicht beeinflusst werden kann.

Quelle: Befund Diabetes Österreich 2/2014

28.01.15

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