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Bericht vom Eltern-Kind-Seminar des Bundesverbands für die Rehabilitation der Aphasiker e. V.

Unterscheidung der Aphasie bei Kindern und Jugendlichen

Da bei Jugendlichen Aphasien erst nach erfolgtem Spracherwerb auftreten und somit in einigen Aspekten den Aphasien bei Erwachsenen ähnlich sind, werden sie in Forschung, Diagnostik und Therapie von Aphasien im Kindesalter unterschieden. Im Bereich der Selbsthilfe werden Kinder und Jugendliche hingegen vorwiegend gemeinsam betrachtet. Dies begründet sich in ähnlichen lebensweltlichen Bedingungen, wie familiäres Leben und schulische Bildung, an denen die Hilfen und Angebote der Selbsthilfe anknüpfen. Gerade im psychosozialen Bereich hat die Aphasie große Auswirkungen auf das Kind bzw. den Jugendlichen und dessen Angehörigen. Die Sprache versagt ihren Dienst, Freunde ziehen sich zurück, die/der Betroffene wird häufig aggressiv oder depressiv. Eltern und Angehörige sind oftmals hilflos. Daher ist es besonders wichtig, dass Familien über Aphasie und ihre Folgen aufgeklärt sind, damit sie unnötige Schwierigkeiten und Wege vermeiden können. Die Aufklärung von Familien ist auch insofern wichtig, da sie oftmals als „Experten in eigener Sache“ gefragt sind. Denn viele Fachleute kennen bis heute das Phänomen „Aphasie bei Kindern und Jugendlichen“ nicht. Das liegt vor allem daran, dass man lange Zeit per Definition festgelegt hat, dass eine Aphasie erst auftreten kann, wenn die Sprache vollständig erworben ist und sich die Kinder nicht mehr in der (Sprach-)Entwicklung befinden. Das entspricht aber nicht der Wirklichkeit.

Ziele waren erneut die Aufklärung über den Umgang mit der veränderten Lebenssituation und der Erfahrungsaustausch zwischen den Familien. Hinzu kam die fachlich kompetente Beratung durch ein bewährtes Team: Als Fachreferenten standen Simon Friede (Logopäde) und Barbara Benz, (Neuropsychologin) den Eltern Rede und Antwort. Beide haben Seminarleiterin Melanie Kubandt während des Fachprogramms der Eltern fachlich unterstützt. Simon Friede zeigte, dass eine Begleitung der Kinder und Jugendlichen mit Aphasie bis in das Erwachsenenalter notwendig ist. Nur durch regelmäßige Diagnostik und Erhebung des aktuellen Leistungsstandes kann gewährleistet werden, dass adäquate therapeutische Maßnahmen rechtzeitig eingeleitet und die betroffenen Kinder in ihrer weiteren Entwicklung optimal gefördert werden können.

Besonderheiten

Einen Aspekt der Aphasie bei Kindern und Jugendlichen, der in der Praxis und Forschung vielfach unberücksichtigt bleibt, bilden aphasische Symptome, die teils erst lange nach dem Akutereignis auftreten und die dann häufig nicht als solche erkannt werden. Dies kann eine Ursache dafür sein, dass viele Aphasien im Kindesalter unerkannt bleiben. Laut Barbara Benz trifft die früher tradierte Annahme nicht zu, dass die Langzeitprognose nach Schädel-Hirn-Trauma aufgrund der gegebenen Plastizität des Gehirns umso günstiger sei, je jünger das Kind bei Erleiden eines Unfalls ist. Melanie Kubandt sprach davon, dass Kinder sozusagen in ihr endgültiges Defizit hineinwachsen („growing into the deficit“). Daher sind wiederholte Begutachtungen erforderlich, die die Entwicklung des Kindes bzw. Jugendlichen nach Unfall oder Erkrankung begleiten. Denn mittlerweile weiß man, dass die Langzeitprognose bei Aphasie im Kindes- und Jugendalter eher ungünstig ausfällt, wenn nicht frühzeitig, langfristig und umfassend rehabilitiert wird.

Freizeitprogramm

Für die Kinder und Jugendlichen wurde wieder ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm – wie z. B. der Besuch der Kinder-Akademie in Fulda – gestaltet. Saskia Reuter und Gabriele Splittgerber (beide Logopädinnen) hatten sich als Leiterinnen des Jugendprogramms viele spannende Aktionen ausgedacht. Bei schönstem Wetter und hervorragender fachlicher Betreuung waren die Kinder und Jugendlichen mit Begeisterung bei der Sache.

Rückmeldung der Eltern

Eltern müssen Wissensmacht erlangen können. Das Eltern-Kind-Seminar ist ein Weg dazu. Jedes Mal wird wieder ein neuer, gerade zum jetzigen Zeitpunkt wichtiger Themenpunkt oder Eindruck mit nach Hause genommen. Damit hat sich das Seminar für die Teilnehmer wieder überaus gelohnt. Das Rahmenprogramm für die Kinder hat wohl ebenso den Punkt getroffen. Der Blick in die freudigen Gesichter spricht für die professionelle Hand der Betreuerinnen. Dass das Seminar auch dieses Jahr wieder in einem ruhigen und sehr angenehmen Rahmen stattfand, spricht für die hohe Motivation der Organisatoren. Wir bedanken uns herzlich bei allen, die dieses Seminar ermöglicht und umgesetzt haben.

Nächstes Eltern-Kind-Seminar

Der Bundesverband für die Rehabilitation der Aphasiker e. V. beabsichtigt, das Eltern-Kind-Seminar, zu dem interessierte Familien herzlich eingeladen sind, im jährlichen Turnus anzubieten. Interessierte Eltern können sich ab sofort beim Bundesverband melden. Sobald der Termin feststeht, erhalten Sie unverbindlich eine schriftliche Einladung.

Kontakt

E-Mail: info@aphasiker.de oder über die unten angegebene Telefonnummer.

Bundesverband für die Rehabilitation der Aphasiker e. V.
Klosterstraße 14
97084 Würzburg
Tel.: 09 31/2 50 13 00
Fax: 09 31/25 01 30 39
E-Mail: info@aphasiker.de
www.aphasiker.de
www.aphasiker-kinder.de

Quelle: Ratgeber Schlaganfall und Aphasie 2012

18.01.13

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