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Ergotherapie für mehr Lebensqualität

Körperliche und ggf. auch geistige Einschränkungen zu überwinden und den Alltag so selbstständig wie möglich zu bewerkstelligen, ist das Ziel der Ergotherapie. Dabei sieht diese Therapie den Multiple Sklerose-Patienten als vielschichtiges Individuum mit ganz persönlichen Bedürfnissen. Diese gilt es zu ermitteln ebenso wie Ressourcen, Ziele der Therapie und passende Maßnahmen. Im Verlauf immer wieder neu auf das aktuelle Befinden einzugehen und das Vorgehen entsprechend anzupassen, ist ein aktiver und meist gemeinsamer Lernprozess in der Ergotherapie, informiert der Deutsche Verband der Ergotherapeuten e. V. (DVE).

Zunächst analysieren Ergotherapeuten alles, was das Leben des MS-Erkrankten ausmacht. Dazu gehören ganz praktischen Aspekte wie die persönliche und häusliche Selbstversorgung oder die Frage nach der eigenen Mobilität – zuhause wie im Freien. Je nach Befund werden dann Handlungsabläufe, Bewegungsfähigkeit oder alternative Vorgehensweisen trainiert. Bei Bedarf wird auch eine Wohnraumanpassung eingeleitet.

Kann der Multiple Sklerose-Erkrankte die für ihn wichtigen Betätigungen nicht oder nur mehr teilweise selbst ausführen, schlägt der Ergotherapeut den Einsatz von Hilfsmitteln vor. Sie werden in Begleitung des Ergotherapeuten erprobt, ausgewählt und der Umgang mit ihnen erlernt. Denn oft erkennen die Erkrankten erst mit der Zeit den Wert von kräfteschonenden Alltagshilfen wie Schreibhilfen für Stifte und PC, Einhandschäler oder Gehhilfen, die sie mobiler und autarker machen.

Die Betrachtung des Menschen als Ganzes ist Grundlage der Ergotherapie. Dies führt als Konsequenz zu einer ganzheitlichen Multiple Sklerose-Therapie. Ergotherapeuten achten deshalb nicht nur auf die körperlichen und geistigen, sondern auch auf die emotionalen Auswirkungen der MS. Sie helfen ihren Patienten z. B. herauszufinden, welche Freizeitaktivitäten oder ehrenamtliche Tätigkeiten sie wahrnehmen können. Denn ein ausgefülltes und aktives Leben stärkt die Psyche und wirkt positiv auf das Allgemeinbefinden von Menschen mit MS.

Ergotherapeuten schließen auch das soziale Umfeld, Freunde und Familie mit ein. Auch sie müssen lernen, mit MS umzugehen, das richtige Maß an Unterstützung anzubieten, den Multiple Sklerose-Erkrankten immer wieder zu motivieren, zu fordern und zu fördern und vor allem, im Gespräch zu bleiben. Nur so lässt sich die jeweilige Stimmung erspüren und ein positiver Umgang miteinander pflegen. Die Betroffenen können Pläne schmieden, sich selbst Ziele setzen und erreichen. Sie erleben Erfolgsmomente und werden von anderen gebraucht und respektiert – all das steigert das Selbstwertgefühl und den Zusammenhalt, es gibt Struktur und macht zuversichtlich.

Erfolge der Therapie verstärken

Ergotherapeuten arbeiten mit Ärzten, Physiotherapeuten und Logopäden zusammen. Diese interdisziplinären Teams stimmen ihre Maßnahmen auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten ab. Um die Erfolge der Therapie zu verstärken, überprüfen alle involvierten Spezialisten regelmäßig die Situation der an Multiple Sklerose-Erkrankten und richten gemeinsam ihre Behandlung gezielt auf die jeweils aktuellen Probleme aus.

Ergotherapie kann sowohl stationär in einer Klinik, in einem Rehabilitationszentrum, ambulant in einer Ergotherapie-Praxis oder auch im häuslichen Umfeld durchgeführt werden. Abhängig davon, welche Maßnahmen angewandt werden, dauert die Einheit bei einer Therapie zwischen 30 und 60 Minuten. Die Häufigkeit der Behandlungstermine richtet sich nach der Situation des Betroffenen.

Für Angehörige von Multiple Sklerose-Patienten, die bestmöglich mit der Krankheit und den daraus resultierenden emotionalen Belastungen umgehen wollen, bieten viele Ergotherapie-Praxen und Reha-Einrichtungen spezielle Beratung oder Workshops an. Weitere Informationen bieten z. B. die Broschüre „Ergotherapie in der Neurologie“ der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e. V. oder Deutsche Verband der Ergotherapeuten e. V.

Quelle: Ratgeber MS 2013

12.06.13

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