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Wie gestaltet sich die Ernährung bei COPD

Diplom-Ernährungswissenschaftlerin Isabel Althön erklärt, warum die Ernährung gerade für COPD-Patienten wichtig ist und auf welche Lebensmittel sie lieber verzichten sollten.

Ernährungszustand des COPD-Patienten

Der COPD-Patient leidet häufig unter einer Mangelernährung, insbesondere an Energie, Eiweißen sowie Vitaminen und Mineralien. Auch wenn es paradox klingen mag: Betroffen von der Mangelernährung sind sowohl untergewichtige COPD-Patienten mit einem Body-Mass-Index (BMI) von unter 21 kg/(m)2, aber auch normal- (BMI zwischen 21 und 25 kg/(m)2) und übergewichtige (BMI von über 25 kg/(m)2) COPD-Patienten. Der Body-Mass-Index gilt als Maß für den Ernährungszustand und errechnet sich aus dem Körpergewicht [kg], das durch das Quadrat der Körpergröße [m] dividiert wird.

Gründe für diese Mangelernährung sind vielfältig

Einerseits ist der Energieverbrauch bedeutend erhöht durch die erschwerte Atemarbeit, die chronischen Entzündungsprozesse sowie die Bronchien erweiternden Medikamente. Andererseits kommt es zu einer verminderten Nahrungszufuhr, da COPD-Patienten häufig unter Appetitlosigkeit, früherer Sättigung und Atemnot leiden. Auch Müdigkeit sowie fehlende Motivation zum Einkaufen, zur Essenszubereitung sowie zum Essen führen dazu, dass Betroffene weniger Nahrung zu sich nehmen. In Studien wurde das Vorliegen einer Mangelernährung bei 20 % der COPD-Patienten nachgewiesen, bei schwerer COPD wiesen sogar bis zu 50 % der Patienten eine Unterversorgung auf. Besonders gefährdet sind ältere Patienten.

Untergewicht geht bei COPD häufig mit einer verminderten Belastbarkeit und einer erhöhten Sterblichkeit einher. Beim Übergewichtigen kommt es zu einer gesteigerten Atemarbeit. Da beides die Symptomatik beeinflusst und negative Auswirkungen auf Krankheitsverlauf und Lebensqualität hat, sollten sowohl Über- als auch Untergewicht vermieden werden. Daher sollte ein Normalgewicht mit einem BMI zwischen 24 und 25 kg/(m)2 angestrebt werden. Mithilfe von regelmäßiger Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung versucht man, fettfreie Muskelmasse aufzubauen. Die richtige Ernährung ist somit ein wichtiger Baustein bei der Behandlung der COPD.

Ernährungsempfehlungen allgemein

Ernährungsexperten empfehlen bei COPD eine leichte Vollkost mit mindestens 400 g vitamin- und mineralstoffreichem Obst und Gemüse. Zur Abwechslung eignen sich z. B. selbst hergestellte Milchshakes, Joghurts oder Quarkspeisen mit Früchten als Dessert oder Zwischenmahlzeit.

Viele COPD-Patienten haben aufgrund der verminderten Muskelmasse einen höheren Bedarf an Eiweißen als Nicht-Betroffene. Die Zufuhr kann durch den Verzehr von ungepökeltem Fleisch, Milchprodukten bzw. Käse, Thunfisch, Makrele, Heilbutt sowie Nüssen und Getreideprodukten sichergestellt werden. Günstig wirken sich Eiweißkombinationen mit hoher biologischer Wertigkeit aus, z. B. Getreide mit Ei (Pfannkuchen, Bratlinge), Kartoffeln mit Ei oder Milchprodukten (Kartoffelpüree mit Rührei oder Pellkartoffeln mit Quark).

Durch die Behandlung mit Kortikosteroiden ist der COPD-Patient besonders gefährdet, an Osteoporose zu erkranken. Aus diesem Grund ist bei der Ernährung auf eine ausreichende Kalziumzufuhr zu achten. Hier kommen kalziumreiche Milchprodukte ins Spiel.

Ebenfalls empfehlenswert ist die Verwendung von Lebensmitteln mit einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren, die vor allem in Soja-, Raps-, Walnussöl sowie fettreichem Fisch enthalten sind. Omega-3-Fettsäuren werden im Körper zu sog. Eicosanoiden umgewandelt, die sich positiv auf das Immunsystem auswirken. Verdauungsfördernde (Kümmel, Fenchel, Anis) und appetitanregende (Basilikum, Bohnenkraut, Dill, Estragon, Lorbeerblätter, Rosmarin) Kräuter sowie Gewürze peppen jede Mahlzeit auf und können nach Belieben eingesetzt werden.

Sehr wichtig ist eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit (mindestens 2 l am Tag) in Form von Wasser, Kräutertees oder verdünnten Säften. So wird der Bronchialschleim verdünnt und kann leichter abgehustet werden.

Vermieden werden sollten stark blähende Speisen, insbesondere, wenn diese nicht gut vertragen werden. Beispiele hierfür sind Zwiebeln, Knoblauch, Kohlgemüse und Sauerkraut, Hülsenfrüchte sowie kohlensäurehaltige Getränke. Auch Lebensmittel ohne wertvolle Inhaltsstoffe wie Süßigkeiten oder Limonaden sollten so selten wie möglich verzehrt werden. Der COPD-Patient sollte eine salzarme Ernährung bevorzugen, wobei hier insbesondere auf verstecktes Salz sowie Nitrite (Nitritpökelsalz) geachtet werden muss.

Wichtig ist, dass Betroffene auf ihren Körper achten und nur Lebensmittel essen, sie gut vertragen. Wichtig ist in erster Linie ein abwechslungsreicher Speiseplan.

Ernährungsberatung

Im Idealfall wird schon bald nach der COPD-Diagnose mit dem behandelnden Arzt abgeklärt, ob eine Ernährungsberatung sinnvoll ist. Durch die Beratung können die Ernährungsgewohnheiten des Patienten analysiert und optimiert werden, um sowohl für eine schmackhafte wie auch gesunde Ernährung zu sorgen. So kann einer Mangelernährung frühzeitig vorgebeugt oder einer schon bestehenden entgegengesteuert werden. Auch die Notwendigkeit einer Zusatznahrung kann mit dem Ernährungsberater abgeklärt werden.

Ernährungsempfehlungen bei speziellen Problemen (nach Donahoe):

Appetitmangel/Untergewicht

  • hochkalorische Mahlzeiten bevorzugen, eventuell auf Zusatznahrung zurückgreifen
  • Speisen mit Butter/Margarine, Öl, Nüssen anreichern
  • sechs bis acht Mahlzeiten/Snacks über den Tag verteilen
  • Lieblingsspeisen und -snacks parat haben

Frühe Sättigung

  • hochkalorische Mahlzeiten bevorzugen
  • vor und während der Mahlzeit wenig trinken
  • möglichst erst eine Stunde nach dem Essen schluckweise trinken

Überblähung

  • häufiger kleine Mahlzeiten über den Tag verteilen
  • hastiges Essen vermeiden
  • keine kohlensäurehaltigen Getränke

Verstopfung

  • ballaststoffreiche Lebensmittel bevorzugen, eventuell auf pulverförmige Ballaststoffe zurückgreifen
  • mehr trinken
  • im Rahmen der Möglichkeiten mehr bewegen
  • eventuell Abführmittel einsetzen

Müdigkeit

  • vor dem Essen ruhen
  • bei verstärkter Müdigkeit oder Verschlechterung der Krankheits griffbereite Mahlzeiten wie Fertiggerichte verwenden
  • bei geringerer Müdigkeit versuchen, größere Portionen zu verzehren

Atemnot

  • vor dem Essen ruhen
  • vor dem Essen Bronchodilatatoren verwenden, Sekret abhusten
  • langsam essen und Kutschersitz anwenden
  • Lippenbremse zwischen den einzelnen Bissen einsetzen
  • Ggf. auf Fertig-/Mikrowellengerichte zurückgreifen

Isabel Althön

Quelle: COPD und Asthma 1/2015

08.05.15

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