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Experteninterview mit Prof. Dr. med. Christian Jackisch

Im Rahmen unserer Interviewreihe setzen wir die Vorstellung der Mitglieder unseres wissenschaftlichen Beirats fort. In dieser Ausgabe möchten wir Ihnen Herrn Prof. Dr. med. Christian Jackisch, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe in Offenbach vorstellen.

Herr Prof. Jackisch, warum haben Sie sich für den Arztberuf entschieden und was hat Sie bewogen, sich auf die Onkologie zu spezialisieren?

Prof. Jackisch: Der Gedanke, sich der Medizin zu verschreiben, ist schon sehr früh während meiner Schulzeit entstanden und hat mich dann später nie mehr losgelassen. Vielleicht war und ist es das Verlangen, sich auf einem Feld zu engagieren, das mit unserer Gesundheit verbunden ist, die auch in der heutigen Zeit zu den wenigen Gütern zählt, die nicht käuflich sind. Die Entscheidung, sich mit der gynäkologischen Onkologie zu beschäftigen, habe ich bereits während meiner Assistenzarztzeit an der Universitätsklinik Münster getroffen. Mich haben damals die klinischen Studien fasziniert. Hier konnte ich mich sehr früh mit neuen Therapieformen beschäftigen und mit dieser Arbeit dazu beitragen, klinisches Wissen durch die Teilnahme an klinischen Studien zu optimieren. Mein Forschungsaufenthalt in den USA hat mich dann letztlich überzeugt, diesen Weg weiterzuverfolgen. Die Faszination, neue Technologien im operativen und systemtherapeutischen Handeln einzusetzen und damit in meinem eigenen Wirkungskreis die Behandlung der einzelnen Patientin zu optimieren, wird mein tägliches Handeln auch weiterhin bestimmen.

Was ist Ihnen besonders wichtig im Umgang mit Ihren Patient?

Prof. Jackisch: Eine hoffentlich objektive Beratung der mir anvertrauten Patientinnen und deren Familien. Im Laufe der Jahre lernt man gerade in der Onkologie, dieses entgegengebrachte Vertrauen nicht zu missbrauchen, sondern damit besonders verantwortungsvoll umzugehen.

Haben Sie neben Ihrem Beruf andere Betätigungsfelder oder Interessen, die Ihnen als „Kraftquellen“ dienen?

Prof. Jackisch: Ohne jedes Zögern meine Familie und meine kleine Tochter. Daneben sind es vor allem die Freunde, die man im Laufe der Jahre viel zu selten sieht.

Welche Behandlungstrategien empfehlen Sie bei Krebserkrankungen, von welchen würden Sie eher abraten?

Prof. Jackisch: In jeder Situation ist es wichtig, die Sinnhaftigkeit des Machbaren zu prüfen. Unsere Patientinnen müssen darauf vertrauen können. In Situationen, in denen es mehr als eine Lösung gibt, und das ist nicht selten, muss das den Patientinnen fair und erklärend dargestellt werden. Ich würde mich zunächst immer mit etablierten Behandlungsmethoden beschäftigen. Dabei ist es für mich unerheblich, ob ich diese in meinem Wirkungsfeld anbieten kann oder nicht. Wichtig ist, was das Beste ist. Alternative Methoden sollten als solche erkannt, aber nicht durch meine persönliche Einschätzung subjektiv gewertet werden.

Wie schätzen Sie den Einfluss psychologischer Faktoren auf die Krebsentstehung und den Krankheitsverlauf ein und auf welche Weise sollten sie bei der Therapieplanung berücksichtigt werden?

Prof. Jackisch: Ein wichtiges Feld, das wir leider viel zu stiefmütterlich behandeln. Ich bin davon überzeugt, dass neben der somatischen Medizin gerade eine kompetente psychoonkologische Betreuung auch über das akute Krankheitsstadium hinaus ein wichtiger Baustein der Therapie ist. Gerade hier habe ich die Stärke der Selbsthilfegruppen kennen und schätzen gelernt.

Welches sind Ihrer Meinung nach die erfolgsversprechendsten Forschungsansätze in der Krebstherapie?

Prof. Jackisch: Der richtige Einsatz von Vorsorgeprogrammen und deren weite Verbreitung und eine gute Information. Ich denke, dass die maßgeschneiderte Medizin heute mehr und mehr gefordert werden muss. Im Bereich der medikamentösen Therapie verspreche ich mir heute einen großen Wissensgewinn durch die rasche Erforschung der zielgerichteten Therapie. Hier müssen wir, Patientinnenvertretungen und Ärzteschaft, in Deutschland weiter gemeinsam an der Therapie im Rahmen von klinischen Studien arbeiten.

Welche Rolle spielen Patientenmagazine bei der Deckung des Informationsbedarfs der Betroffenen?

Prof. Jackisch: Jede sachliche Information ist wichtig und sollte die Leser dort abholen, wo sie bereit sind, sich abholen zu lassen. Wir alle haben gelernt, dass Wissen eine Macht ist, auf die man nur ungern verzichtet. Das gilt in besonderem Maße für unsere Gesundheit und deren Erhalt.

Inwieweit trägt Leben? Leben! aus Ihrer Sicht zur Aufklärung und Deckung des Informationsbedarfs bei?

Prof. Jackisch: Ich bin überzeugt, dass dieses Magazin genau die richtige Mischung ist, die wir heute benötigen. Das war auch der Grund, mich an der Gestaltung des Magazins zu beteiligen und ich tue es immer wieder gerne und freue mich über positive und negative Kritik zu meinen Beiträgen.

Vielen Dank, Herr Prof. Jackisch.

Quelle: Leben? Leben! 4/2006

04.01.08

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