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Experteninterview mit Dr. Kora Hahn

Frau Dr. Kora Hahn ist Fachärztin für Rheumatologie, Innere Medizin und Chirotherapie und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Ratgebers Rheuma.

Warum haben Sie sich für den Arztberuf entschieden und was hat Sie bewogen, sich auf Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises zu spezialisieren?

Es mag klischeehaft klingen, aber es war bereits ein Kindheitstraum, Ärztin zu werden, konkret Kinderärztin, später hat es mir die Kinderchirurgie angetan. Eher unfreiwillig bin ich in der Inneren Medizin gelandet und im Rahmen meiner Promotion mit der Rheumatologie konfrontiert worden.

Inzwischen bin ich 30 Jahre in der Rheumatologie tätig und habe diese Entscheidung nie bereut.

Rheuma sehen viele als eine Volkskrankheit an, die vor allem ältere Menschen betrifft. Auch heute hält sich zum Teil die Meinung, dass den Patienten kaum Hilfe angeboten werden kann. In Wahrheit sieht es jedoch so aus, dass sich gerade in der Rheumatologie wie in keinem anderen Fachgebiet Wissen angehäuft hat. Wir haben gelernt, das Immunsystem zumindest z. T. zu verstehen. Auf der Basis dieser Erkenntnisse haben sich während der letzten Jahre neue Therapien etabliert. Auch heute sind wir sicherlich weit davon entfernt, den Patienten Heilung anzubieten. Unter Einbeziehung der modernen Therapieprinzipien sind wir jedoch in der Lage, vielen Patienten ein normales Leben zu ermöglichen.

Was ist Ihnen besonders wichtig im Umgang mit Ihren Patienten?

Das Schöne an der Rheumatologie ist, dass jeder Patient als Ganzes wahrzunehmen ist. Das bedeutet eine intensive Auseinandersetzung mit den oft sehr unterschiedlichen Ausprägungen der Erkrankung. Hierfür muss oft erst Verständnis beim Patienten geweckt werden. Es ist ein sehr ausgeprägtes Miteinander zwischen Arzt und Patient, um das optimale Therapieprinzip für jeden einzelnen Patienten zu erarbeiten, denn kein Patient und keine Erkrankung gleicht sich.

Welche Behandlungsstrategien empfehlen Sie für Rheumapatienten, von welchen würden Sie eher abraten?

Hier gibt es sicherlich kein Patentrezept. Ist dem einen Patienten damit gedient, mit einer vergleichsweise milden Therapie seine Beschwerden zu behandeln, müssen bei anderen Patienten alle Register gezogen werden, um die Krankheit im Zaum zu halten. Neben der medikamentösen Therapie darf allerdings auch die funktionelle Behandlung des Patienten nicht in Vergessenheit geraten. Auch hier gilt es, ein Behandlungsprogramm zu erarbeiten. Stichwort: Interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Was können Patienten selbst unternehmen, um ihre Therapie sinnvoll zu unterstützen?

Als ganz entscheidende Grundvoraussetzung für den Therapieerfolg sehe ich, dass der Patient seine Erkrankung akzeptiert und bereit ist, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Jeder Patient muss für sich selbst Verantwortung übernehmen. Der Verlauf der Erkrankung kann durch den umfangreich informierten und engagierten Patienten positiv beeinflusst werden. Dazu gehört auch das Verständnis für die notwendige medikamentöse Therapie über einen langen Zeitraum. Aber auch hier muss wieder die nicht-medikamentöse Therapie angesprochen werden. Für manche Patienten bedeutet die Erkrankung Änderung ihrer Lebenssituation, gesunde Ernährung, Verzicht auf Rauchen, regelmäßige Übungseinheiten. Vieles in ihrem täglichen Leben können und müssen die Patienten selbst tun, Unterstützung können sie sich hier in Rat und Tat bei den Selbsthilfegruppen holen.

Sie sind nicht nur Rheumatologin, sondern auch auf Chirotherapie spezialisiert. Was genau ist Chirotherapie und wie genau kann sie bei Rheuma helfen?

Viele unserer Patienten leiden parallel zu ihrer entzündlich-rheumatischen Erkrankung auch an degenerativen Skelettveränderungen sowie muskulären Verspannungen. Um hier ein zusätzliches Instrument zur Verfügung zu haben, habe ich eine Ausbildung in Chirotherapie absolviert, zusätzlich auch mehrere Akupunkturkurse. Beides sehe ich als nützliche Ergänzung unseres sonstigen Therapierepertoires. Leider fehlt mir die Zeit, diese Behandlungsmöglichkeiten in größerem Rahmen einzusetzen.

Frau Dr. Hahn, wir danken Ihnen herzlich für dieses Gespräch.

Quelle: Ratgeber Rheuma 2013

08.01.14

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