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Experteninterview mit Dr. Hans-Martin Reuter

Herr Dr. Reuter, warum haben Sie sich für den Arztberuf entschieden und was hat Sie bewogen, sich auf die Diabetologie zu spezialisieren?

Mit Menschen zu kommunizieren, ihre Lebenswelten zu erfassen, Prävention und Therapie von Krankheiten – das hat mich immer fasziniert. Meine Familie hat immer wieder Ärzte, Zahn- und Tierärzte, in jeder Generation hervorgebracht. Diabetologie ist ein sehr komplexes Geschehen mit Vorbeugung, Diagnostik, Therapie, Schulung bei Menschen mit Diabetes mellitus und der Folge- und Begleiterkrankungen. Der Mensch als Ganzes wird betrachtet, in seiner Relation zwischen Physis und Psyche.

Was ist Ihnen besonders wichtig im Umgang mit Ihren Patienten?

Eine individuelle Diagnostik und Therapie, Ziele und Aufgaben konkret mit dem Patienten zu erörtern, Schulungen zu veranlassen. Es kommt mir immer sehr darauf an, den Patienten dort abzuholen, wo er steht und ihm die diagnostischen und therapeutischen Schritte zu erklären, damit er weiß, warum was wann mit ihm geschieht. Er soll in die Lage versetzt werden, seine Erkrankung zu bestimmen, nicht, dass sie ihn bestimmt!

Welche Vorsorgeuntersuchungen sollten Diabetiker regelmäßig wahrnehmen?

Alle notwendigen Formen, insbesondere Endoskopien, da Diabetiker ein höheres Risiko für bestimmte Krebsformen haben. Augenärztliche Vorsorge ist besonders wichtig, wegen des Risikos für diabetesbedingte Augenschäden. Zur Verbesserung der Diabetesprävention sind die Check-up Untersuchungen sehr wirksam.

Welchen Einfluss hat der Lebensstil auf den Diabetes?

Die Beeinflussung des Lebensstiles ist eine große Aufgabe bei allen Diabetesformen, insbesondere Typ-2; gleichzeitig eine der schwierigsten, weil Menschen Gewohnheitstiere sind. Hier sind moderne Diabetesschulungen sehr nützlich, allerdings ist der Grad der Inanspruchnahme in Deutschland noch immer zu gering.

Was sind Ihrer Ansicht nach Irrtümer im Wissen um die Erkrankung Diabetes und ihre Behandlung?

  • Dass „Alterszucker“ eine harmlose Erkrankung ist.
  • Dass Bewegung nichts bringt.
  • Dass man den Blutzucker anfangs nicht gut einstellen muss.
  • Dass Diabetes keine chronisch verschlechternde Erkrankung ist.
  • Mit Tabletten bekommt man Diabetes immer gut eingestellt.
  • Dass man schon viel weiß und Schulungen nicht viel bringen.

Welches sind Ihrer Meinung nach die erfolgversprechendsten Forschungsansätze in der Diabetestherapie und welche Erwartungen haben Sie bezüglich zukünftiger Möglichkeiten?

  • Die Closed-Loop-Systeme bei Typ-1-Diabetes
  • Diabetes und Demenz
  • Technische Möglichkeiten zur einfacheren Einstellung und Kontrolle des Diabetes
  • Biomarker
  • Genetische Vorhersagbarkeit der Entwicklung eines Diabetes bei Risikopatienten

Quelle: Ratgeber Diabetes 2014

05.06.14

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