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Experteninterview: Mikronährstoffe und Diabetes

Diätologin Manuela Melchart, BSc, Wien, erklärt im Gespräch die Rolle und Wichtigkeit der Mikronährstoffe für Diabetiker und worauf Betroffene in ihrer täglichen Ernährung achten sollten.

Bei Diabetikern spricht man in Hinblick auf den Stoffwechsel oft von einer Störung des Kohlenhydrat- und Lipidstoffwechsels durch eine permanente oxidative Belastung. Das klingt für Laien relativ kompliziert. Was genau heißt das in der Praxis, für den Betroffenen?

Da bestimmte Stoffwechselmechanismen des Diabetikers mit einem erhöhten oxidativen Stress (Zustand zu vieler reaktiver Sauerstoffverbindungen) verbunden sind, muss man hier besonders auf eine ausreichende Zufuhr an Antioxidantien achten. (Antioxidantien sind chemische Verbindungen, die eine unerwünschte Oxidation anderer Substanzen gezielt verhindern.) Bei bestimmten Stoffwechselprozessen in unserem Körper entstehen freie Radikale (ungebundene Molekülteile), welche oxidativen Stress verursachen und dadurch Krebs oder andere Erkrankungen auslösen. Antioxidantien wie die Vitamine A, C und E, Beta-Carotine sowie Selen, Zink, Kupfer und Eisen können diesen Prozessen entgegenwirken bzw. die Produktion von freien Radikalen verhindern.

Man spricht in diesem Zusammenhang oft von einer wichtigen Rolle der Mikronährstoffe. Warum haben Diabetiker hier u. U. einen erhöhten Bedarf? Wie können diese einem Diabetiker helfen?

Manche Spurenelemente haben spezielle Funktionen, welche körperliche Prozesse des Diabetikers positiv beeinflussen können. Zink z. B. kann die Wundheilung begünstigen, ist für das Zellwachstum verantwortlich und reduziert die Infektanfälligkeit. Die Absorption von Zink funktioniert jedoch über tierische Lebensmittel besser, deshalb haben Vegetarier oft einen Zinkmangel. Weiteres Beispiel: Chrom. Eine zu geringe Chrom-Zufuhr wird mit einer gestörten Glukosetoleranz in Verbindung gebracht. In Studien konnte sogar ein günstiger Effekt auf den Blutzuckerspiegel und den HbA1c-Wert gezeigt werden. Ein Defizit an Magnesium im Blut und in den Zellen kann zu Entzündungen, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck und Thrombosen führen. Und Kalzium ist vor allem für den Knochenaufbau notwendig. Im Alter nimmt die Knochendichte schnell ab, besonders bei Diabetikern mit niedrigem Körpergewicht wurde eine höhere Inzidenz für Schenkenhalsfrakturen gefunden. Für eine optimale Kalziumaufnahme ist jedoch eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung notwendig. Nachdem Sonnenstrahlen die Aufnahme von Vitamin D begünstigen, sollte jede Möglichkeit, an die frische Luft zu gehen, genutzt und am besten gleich mit Bewegung verbunden werden.

Mit welchen ernährungstechnischen Herausforderungen kommen Diabetiker (und vielleicht ja sogar auch Angehörige) zu Ernährungsexperten?

Häufige Frage ist, ob Süßstoff gesundheitsgefährdend bzw. krebserregend ist. Hier gilt es, den täglichen „ADI“-Wert (die maximale Menge), der je nach Süßstoff variiert, nicht zu überschreiten. Ein Beispiel: Die maximale Menge wäre z. B. 1 Liter Light-Limonade oder 10 Süßstofftabletten. Oft gefragt wird auch, ob die typischen Diabetikerprodukte obsolet (nicht mehr gebräuchlich) seien, und hier muss man bejahen, weil sie oft einen hohen Fruchtzucker- und Fettgehalt haben. Viele Diabetiker sind sich auch nicht sicher, wie viele Mahlzeiten am Tag sie essen sollen. Die Antwort ist: Das ist individuell unterschiedlich und hängt von der Diabetestherapie und auch von den persönlichen Vorlieben ab.

Welche neueren Erkenntnisse kann man aus ernährungstechnischer Sicht Diabetikern generell mit auf den Weg geben?

Die Empfehlungen der Hauptnährstoffe (Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette) werden nicht mehr in genauen Prozentangaben berechnet, sondern individuell je nach Ernährungsanamnese geplant. Fest steht: Eine sog. „Diabetikerdiät“ gibt es nicht. Vielmehr sollte jeder seine Lebensmittelauswahl als ausgewogene Mischkost, nach den Richtlinien der gesunden Ernährung treffen. Und: Ich rate zu Vorsicht vor einer zu großen Menge an Zimt, denn dieser kann toxisch wirken und zu Schleimhautreizungen bzw. zu Problemen mit den Atemwegen führen.

Mikronährstoffe: Wo steckt was drin?

  • Vitamin A (Retinol): Lebertran, Kalbsleber, Camembert, Emmentaler, Eidotter
  • Vitamin C (Ascorbinsäure): Paprika, Kohl, Ribisel, Kiwi, Sauerkraut, Sanddornsaft, Orangen, Brokkoli
  • Vitamin E (Tocopherol): Getreideöle, Nüsse, Keimlinge, Paprika, Fenchel, Fisch, Leber, Himbeeren, Mandeln, Haselnüsse
  • Beta-Carotine (Farbstoffe): Karotten, Marillen, Orange, Spinat, Tomaten, Petersilie, Vogerlsalat
  • Selen: Getreide, Fleisch, Fisch
  • Zink: Fleisch, Leber, Fisch, Sardinen, Eier, Vollkornprodukte, Nüsse, Pilze, Spinat, Mineralwasser
  • Kupfer: Getreideprodukte, Leber, Fisch, Schalentiere, Nüsse, Kakao, Schokolade, Kaffee, Tee
  • Eisen: Fleisch, Leber, Haferflocken, Walnüsse, Eier, Sojabohnen, Vollkornbrot, Blattgemüse
  • Chrom: Fisch, Leber, Haferflocken, Tomaten, Kakao, Pilze, Vollkornprodukte, Bierhefe
  • Magnesium: Schokolade, Sojabohnen, Getreide, Nüsse, Bananen, grünes Blattgemüse, Mineralwasser
  • Kalzium: Kuhmilch, Sojamilch, Käse, Kohl, Brokkoli, Porree, Mandeln, Haselnüsse, Mineralwasser
  • Vitamin D (Calciferol): Fettfische, Steinpilze, Champignons, Eierschwammerln, Eidotter, Schmelzkäse

Quelle: Befund Diabetes Österreich 2/2015

12.11.15

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