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Experteninterview mit Prof. Dr. Thomas Henze

Herr Prof. Dr. Henze, zuerst möchten wir Ihnen gerne einige persönliche Fragen stellen. Warum haben Sie sich für den Arztberuf entschieden und was hat Sie bewogen, sich auf die Neurologie zu spezialisieren?

Mein Vater war Hausarzt, sodass ich schon sehr früh verschiedene Aspekte des Arztberufs kennenlernte, zunächst allerdings erst einige eher problematische, insbesondere die langen Arbeitszeiten. Es kamen dann aber schnell viele positive Seiten hinzu, sodass meine Entscheidung lange vor dem Abitur feststand.

Die Neurologie habe ich gewählt, weil ich zum einen in Prof. Helmut Bauer und Prof. Hilmar Prange zwei hervorragende Lehrer während meines Studiums in Göttingen hatte und ich die Neurologie als ein Fachgebiet ansah (und noch heute ansehe), in dem aufgrund der vielen chronischen Krankheiten auch eine langjährige Patienten-Arzt-Beziehung möglich ist. Darüber hinaus war mir bald klar, dass es sich um ein Fachgebiet „im Aufbruch“, d. h., mit sehr vielen und interessanten Entwicklungsmöglichkeiten handelt, ein Eindruck, der sich in den letzten drei Jahrzehnten ja auch rundum bestätigt hat.

Was ist Ihnen besonders wichtig im Umgang mit Ihren Patienten?

Eine möglichst offene und vertrauensvolle Patienten-Arzt-Beziehung, in der die Patienten möglichst gut informiert sind, sodass sie an allen Entscheidungen bezüglich ihrer Erkrankung verantwortlich mitwirken können. Patienten, die viel nachfragen, sind mir lieber als solche, die jeden Vorschlag oder jede Entscheidung meinerseits einfach nur „abnicken“.

Welche Betätigungsfelder oder Interessen dienen Ihnen als „Kraftquellen“?

Meine Hobbys sind die Musik und das Radl Fahren (wie man hier in Bayern sagt). Die Umgebung Regensburgs bietet hierfür mannigfaltige Möglichkeiten.

Patienten und ihre Angehörigen sind häufig unsicher und überfordert mit der Entscheidung, welche der möglichen Therapieoptionen die beste für sie ist. Welche Behandlungsstrategien empfehlen Sie für MS-Patienten?

Eine generelle Empfehlung zu geben ist bei der MS bekanntlich nicht sinnvoll. Die Behandlungsstrategien sind immer vom individuellen Krankheitsverlauf und den aktuellen Symptomen und Beeinträchtigungen abhängig. Diese Dinge bespreche ich in einem oder mehreren ausführlichen Gesprächen mit den Betroffenen und ihren Angehörigen, sodass diese dann nicht nur möglichst gut informiert sind, sondern die notwendigen Entscheidungen auch überzeugt mittragen können.

Wann empfiehlt sich eine Rehabilitation und was kann sie leisten?

Eine Rehabilitation – ganz gleich, ob ambulant oder stationär durchgeführt – empfiehlt sich immer dann, wenn schwerwiegende Beeinträchtigungen im täglichen Leben bestehen und diese nicht durch ambulante Krankengymnastik oder Ergotherapie allein verringert oder behoben werden können. Rehabilitation ist immer multimodal, d. h., es kommen verschiedene Therapeuten zum Einsatz, die ein umfassendes und an den individuellen Beeinträchtigungen ausgerichtetes Therapieprogramm durchführen. Hierzu gehören übrigens nicht nur die Physiotherapie, die Sporttherapie, die Ergotherapie, die Sprach- und Schlucktherapie und die Neuropsychologie, sondern auch Therapeuten, die sich mit psychischen Problemen der Betroffenen, mit der Organisation erforderlicher Hilfsmittel und gesetzlich vorgesehener finanzieller oder personeller Hilfe beschäftigen. Weitere wichtige Aspekte während einer Rehabilitation sind die Ernährungsberatung und die – oftmals nicht ausreichend vorhandene – Information über die Erkrankung MS selbst.

Welches sind Ihrer Meinung nach die erfolgversprechendsten Forschungsansätze in der MS-Therapie und welche Erwartungen haben Sie bezüglich zukünftiger Möglichkeiten?

Derzeit gibt es ja wieder einige interessante neuroimmunologische Projekte und weitere Medikamente, die zur Verbesserung der gegenwärtigen Immuntherapien entwickelt werden. Wir können davon ausgehen, dass die positive Beeinflussung der entzündlichen Veränderungen bei MS in den kommenden Jahren immer wirksamer wird und auch immer häufiger Tabletten statt Spritzentherapien zum Einsatz kommen werden. Ein weiteres großes Schwergewicht wird künftig auf den Ursachen und den Möglichkeiten der Beeinflussung der chronisch progredienten MS liegen. Hierzu wurde vor ca. einem Jahr ein internationaler Forschungsverbund gegründet und auch einige Pharmafirmen engagieren sich in diesem Sinne.

Quelle: Ratgeber MS 2014

26.06.14

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