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Experteninterview mit ao. Univ.-Prof. Dr. med. univ. Thomas Wascher

Univ.-Prof. Thomas Wascher ist Forschungsleiter der Forschungseinheit für Stoffwechsel und Gefäßbiologie der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel an der Medizinischen Universität Graz. Außerdem ist er im Vorstand der Österreichischen Diabetes Gesellschaft sowie Präsident der Österreichischen Adipositasgesellschaft.

Warum haben Sie sich für den Arztberuf entschieden und was hat Sie bewogen, sich auf die Diabetologie zu spezialisieren?

Die Entscheidung für den Arztberuf war ganz klar durch das Interesse an Naturwissenschaften einerseits und die vielfältigen Berufsmöglichkeiten andererseits geprägt. Die Tatsache, dass die Diabetologie dann mein Spezialgebiet in der inneren Medizin wurde, ist jedoch, wie vieles im Leben, mehr dem Zufall als konkreter Planung zuzuschreiben. Allerdings muss ich diesem Zufall rückblickend dankbar sein, dass es immer noch ein spannendes und forderndes Fach ist.

Was ist Ihnen besonders wichtig im Umgang mit Ihren Patienten?

Besonders wichtig für mich ist, den Patienten, als chronisch Kranken, eine kontinuierliche Betreuung und Begleitung bieten zu können. Von großer Wichtigkeit ist auch, denke ich, sich immer zu vergegenwärtigen, wie hoch die Anforderungen im täglichen Leben sind, die die Diagnose Diabetes an die Patienten stellt, und deshalb zu verstehen, dass Patienten oft im Laufe ihrer „Diabeteskarriere“ mit Überforderung konfrontiert sind.

Worin sehen Sie das größte Problem bezüglich der wachsenden Anzahl von Betroffenen?

Hier stellen ganz klar die nicht ausreichenden Ressourcen in unserem auf technische Leistungen ausgelegten Medizinsystem das größte Problem dar.

Welche sind die wichtigsten Faktoren, die Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben?

Ich glaube, dass die Fähigkeit des Patienten, einen „gesunden Lebensstil“ wiederzufinden und einzuhalten, einen prognostischen Faktor von sehr hohem Stellenwert darstellt. Leider aber scheint das häufig nicht erreichbar zu sein.

Was sind Ihrer Ansicht nach Irrtümer in Bezug auf Diabetes und seine Behandlung?

Im Bereich der Lebensstilmedizin ist das wahrscheinlich die Überbetonung der Ernährung im Vergleich zu Sport und Bewegung. Medizinisch-therapeutisch mussten wir in den letzten Jahren lernen, dass absolut rigorose Blutzuckerkontrolle für viele Patienten keinen direkten Nutzen bringt.

Welches sind aus Ihrer Sicht die am meisten Erfolg versprechenden Forschungsansätze in der Diabetestherapie?

Hier würde ich sicherlich die Anstrengungen im Bereich der Prävention bzw. Heilung von Typ-1-Diabetes einerseits nennen wollen. Andererseits sind das sicherlich auch neue Strategien zur Behandlung der Arteriosklerose, die ja für die Mehrzahl der Spätkomplikationen der Patienten verantwortlich ist.

Welche Rolle spielen Patientenmagazine, z. B. Befund Diabetes, bei der Aufklärung und Deckung des Informationsbedarfs der Betroffenen?

Eine wichtige Rolle. Je mehr an unterschiedlichster Information für Betroffene angeboten wird, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten ein für sie individuell passendes Informationsangebot finden.

Herr Univ.-Prof. Thomas Wascher, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Quelle: BDÖ 2/12

21.01.13

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