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Experteninterview mit Prof. Dr. med. Volker Diehl

Im Rahmen unserer Interviewreihe setzen wir Herrn Prof. Dr. med. Volker Diehl, Leiter der Deutschen Hodgkin-Studiengruppe, vor.

Herr Prof. Dr. Diehl, zuerst möchten wir Ihnen gerne einige persönliche Fragen stellen. Warum haben Sie sich für den Arztberuf entschieden und was hat Sie bewogen, sich auf die Onkologie zu spezialisieren?

Prof. Diehl: Es gibt einige Gründe:
1. War meine Großmutter die OP-Schwester von Prof. Bier an der Charité in Berlin im Jahre 1898, ohne sie operierte er nie. Sie gründete eine Mediziner- Dynastie: alle meine Onkel, mein Vater, meine Brüder und etwa 20 Cousins und Cousinen sind Ärzte oder Schwestern.
2. Hatte ich von klein auf ein großes Interesse an der Biologie und interessierte mich für die Vorgänge im und am Körper, „heilte“ schon früh meine sieben Geschwister und war immer der „Medizinmann“ in meiner Schulzeit.
3. Habe ich ein „karitatives“ Gen in mir, nicht als „hilfloser Helfer“, eher als Samariter.
4. War ich sehr neugierig, was hinter den merkwürdigen, physiologischen oder auch pathologischen Vorgängen in der Natur oder im menschlichen Organismus steckt und was sie funktionieren oder abstürzen ließ! Daher auch meine Neigung zur Wissenschaft.

Was ist Ihnen besonders wichtig im Umgang mit Ihren Patienten?

Prof. Diehl:
1. Den Patienten als Menschen zu sehen, der existenziell verunsichert ist und der Hilfe sucht und braucht!
2. Zuhören, den Patienten „lesen“ in seiner Geschichte, Verunsicherung, Entwurzelung.
3. Dem Gegenüber zeigen, dass ich ein „homo copatiens“ bin, der in der Solidargemeinschaft der Leidenden mitfühlt und morgen selbst „Patient“ sein kann, der verstehen, hören und helfen will, zumindest lindern, wenn möglich heilen, d. h. auch, vielleicht einen neuen existenziellen Weg aufzeigen, wenn sich das Leben „verknotet“ hat!
4. Nicht der arrogante „Gott in Weiß“ zu sein, sondern in dem Patienten seinen „eigenen Arzt“ in aller Bescheidenheit, aber mit hoher Kompetenz zu erkennen.

Haben Sie neben Ihrem Beruf andere Betätigungsfelder oder Interessen, die Ihnen als „Kraftquellen“ dienen?

Prof. Diehl: Ja, viele:
1. meine Frau, meine Familie, die Musik (spiele Geige, singe), liebe klassische Musik und lebe aus ihr!
2. Der Sport: Tennis, Skifahren (Helikopter-Tiefschneefahren in Kanada), Golf, Wandern
3. Das Gespräch mit vielen guten Freunden: aus der Studentenzeit, aus der Wissenschaft; Leben in einer christlichen Gemeinschaft, Seelsorge und Beichte.
4. Literatur, Lesen, Schreiben
5. Die Wissenschaft: Ich werde in der Welt „Mr. Hodgkins Disease“ genannt, weil ich eine Krankheit, nämlich den Morbus Hodgkin, erforscht habe (die ersten Zellen in vitro gezüchtet, die Moleküle isoliert) und die Heilung von 45 % auf 90% innerhalb der Deutschen Hodgkin Studiengruppe, die ich gegründet habe und die ich seit 1978 leite, gebracht habe.

Patienten und ihre Angehörigen sind häufig unsicher und überfordert mit der Entscheidung, welche der möglichen Therapieoptionen die beste für sie ist. Welche Behandlungstrategien empfehlen Sie bei Krebserkrankungen, von welchen würden Sie eher abraten?

Prof. Diehl: Die Strategien, die objektiv helfen und möglichst die Krankheit heilen, Scharlatanerie lehne ich ab, wenn „Heiler“ nur ihren eigenen Vorteil sehen, dem Patienten schaden, kurative Möglichkeiten verhindern und Versprechungen machen, die sie nie bewiesen haben und die sie nicht halten können. Wichtig ist aber auch, der Patientin eine subjektive Stütze zur eigenen Mitarbeit, inneren Stärke, Bereitschaft zur Kooperation und den Glauben an ihre „Gesundung“, was nicht unbedingt „Heilung“ bedeutet, zu erhalten oder sogar neu zu schaffen!

Was sind Ihrer Ansicht nach Irrtümer im Wissen um die Erkrankung Krebs und ihre Behandlung?

Prof. Diehl: Quacksalberei: Scharlatane und Gesundheitsapostel, die vorgeben, Krebs heilen zu können, dies aber nie nachweislich erprobt oder getestet haben in kontrollierten klinischen Versuchen (wie wir es seit 30 Jahren in der Hodgkin Studie tun) und die Patienten mit ihren religiös- fanatischen Gesundheits-Heilungstheorien betrügen und ausnehmen!

Wie schätzen Sie den Einfluss psychologischer Faktoren auf die Krebsentstehung und den Krankheitsverlauf ein und auf welche Weise sollten sie bei der Therapieplanung berücksichtigt werden?

Prof. Diehl: Sehr hoch: Die Seele hat soviel für die Krebsentstehung als auch für die Heilung eine sehr hohe Bedeutung! Eine ausbalancierte Seele in einem zentrierten Menschen (ein Mensch, der aus einer Mitte lebt, der in sich ruht und nicht „existenziell eiert“) ist eine große Hilfe für den Patienten und den Arzt/Pfleger/Seelsorger etc. Deshalb habe ich das Haus „LebenWert“ gegründet!

Welches sind Ihrer Meinung nach die erfolgversprechendsten Forschungsansätze in der Krebstherapie und welche Erwartungen haben Sie bezüglich zukünftiger Möglichkeiten?

Prof. Diehl: Individualisierte Therapie mit spezifischen Krebsangriffspunkten: Antikörper, molekulare Ziele, Methoden, die die Zelle in ihrer genetischen Fehlregulation treffen und den malignen Transformationsvorgang wieder rückgängig machen können. Der „mündige Patient“ möchte heute stärker als früher üblich selbst mitentscheiden, welcher Therapie er sich unterzieht. Dies eröffnet für die Medien, die zum Thema Gesundheit inzwischen eine Fülle von Informationen anbieten,
ein breites Betätigungsfeld.

Welche Rolle spielen Patientenmagazine bei der Deckung des Informationsbedarfs der Betroffenen? Welche Art von Informationen sollten solche Magazine liefern?

Prof. Diehl: Eine große. Es sollten nur Informationen gegeben werden, die richtig und fundiert sind und die dem Patienten helfen, seinen „inneren, individuellen Arzt“ in sich selbst zu finden und fortzubilden!

Inwieweit trägt Leben? Leben! aus Ihrer Sicht zur Aufklärung und Deckung des Informationsbedarfs bei?

Prof. Diehl: In hohem Maße.

Herr Prof. Dr. Diehl, wir danken Ihnen sehr herzlich für Ihre Ausführungen.

Quelle: Leben? Leben! 1/2007

04.01.08

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