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Experteninterview zu Vulvakrebs

Das Vulvakarzinom – eine seltene Tumorerkrankung

Prof. Dr. Martin Heubner klärt im Interview über Ursachen, Symptome und Behandlungsmethoden der Krebserkrankung der äußeren Scheide auf.

Was ist ein Vulvakarzinom und welche Symptome treten auf?

Das Vulvakarzinom gehört zu den seltenen Tumorformen und ist ein Krebs der äußeren Scheide. Die Symptome sind häufig unspezifisch, sie reichen von wiederkehrendem Juckreiz bis zu äußeren Schwellungen oder Veränderungen der Scheide. Schmerzen treten eher selten auf. Die Frühstadien, die meistens im Hautniveau liegen, sind schwer zu erkennen, sodass der Tumor manchmal erst spät entdeckt wird und in manchen Fällen zunächst als vermeintliche Infektion behandelt wird.

Wie viele Frauen sind davon betroffen?

Insgesamt erkranken zwei bis drei von insgesamt 100.000 Frauen pro Jahr. I. d. R. sind davon Frauen im Alter von 65 bis 70 Jahren betroffen. Immer wieder stellen sich jedoch auch junge Frauen mit dieser Erkrankung vor.

Was sind die Ursachen für ein Vulvakarzinom?

Die Ursachen sind vielfältig. Sowohl das Alter der Patientin als auch Rauchen gelten als Risikofaktoren. Zudem wissen wir, dass humane Papillomaviren (HPV) bei der Entstehung der Erkrankung eine entscheidende Rolle spielen. Zu 50–60 % kann in den Tumoren die DNA des Virus nachgewiesen werden. Auch die Einschränkung des Immunsystems, z. B. durch Medikamente bei stattgehabten Organtransplantationen, spielt eine Rolle.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Beim Vulvakarzinom ist die Therapie der Wahl die Entfernung des Tumors im Gesunden. Früher war das noch anders und es wurde die gesamte äußere Scheide entfernt. Dies stellte für die Frauen natürlich einen massiven Eingriff dar, der insbesondere auch das Körperbild erheblich veränderte. Dieses radikale Vorgehen verfolgt man heute nicht mehr, weil man weiß, dass es keine größere Sicherheit für die Patientinnen bringt. Nur in Ausnahmefällen, wenn der Tumor den gesamten Scheidenvorhof umfasst, ist ein solches Vorgehen gerechtfertigt. Wichtig im Zusammenhang mit der Entfernung des Tumors im Gesunden ist auch das Abklären der Leistenlymphknoten.

Wenn ein solcher Tumor streut, dann i. d. R. in die Leistenlymphknoten. Deswegen sollten diese ab einem gewissen Tumorstadium zusätzlich entfernt werden. Diese Methode ist allerdings mit Komplikationen und Nebenwirkungen verbunden. Seit einigen Jahren wird daher die Methode des Wächterlymphknotens eingesetzt. Dabei spritzt man eine schwach radioaktiv markierte Substanz um den Tumor herum, die dann über die Lymphbahnen abtransportiert wird. Während der Operation werden die Lymphknoten, die die markierte Substanz anreichern, mit einer speziellen Sonde identifiziert und entfernt. Es handelt sich dabei nur um die dem Tumor nächstliegenden Lymphknoten. Sollten diese tumorfrei sein, ist das Risiko für einen Befall der restlichen Leistenlymphknoten als äußerst gering einzuschätzen und diese können belassen werden. Diese Methode kann den Patientinnen also ggf. eine radikale Lymphknotenentfernung mit den entsprechenden Nebenwirkungen ersparen.

Finden im Anschluss an die Operation weitere Behandlungen statt? Wie Erfolg versprechend ist die Therapie?

Generell ist die Behandlung sehr erfolgreich und führt häufig auch zu einer endgültigen Heilung der Patientin. Wenn die Lymphknoten nicht befallen sind, hat die Patientin sehr gute Chancen, auch langfristig gesund zu bleiben. Sollten die Lymphknoten vom Tumor befallen sein, ist das Risiko höher, dass die Patientin erneut erkrankt. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, nach der Operation zusätzlich eine Bestrahlung durchzuführen.

Wie lange dauert die Behandlung?

Das hängt davon ab, wie groß der Tumor und damit das entsprechende Wundgebiet ist und ob die Leistenlymphknoten komplett entfernt werden müssen. Für den stationären Aufenthalt würde ich mindestens fünf Tage und höchstens zwei Wochen veranschlagen.

Welche Auswirkungen hat die Erkrankung auf Sexualität und Partnerschaft?

Es ist wichtig, dass dieses Thema bei den Frauen angesprochen wird. Nach Möglichkeit versuchen wir die Klitoris, wenn diese nicht direkt vom Tumor befallen ist, bei der Operation zu erhalten. Wir versuchen auch die äußere Scheide kosmetisch wieder so herzustellen, dass die Patientinnen nicht eingeschränkt sind. Sowohl die Kosmetik als auch die Funktion müssen hierbei berücksichtigt werden. Auch die Psychologie spielt bei der Erkrankung eine entscheidende Rolle. Daher wird den Patientinnen immer eine psychoonkologische Mitbetreuung angeboten.

Wo finden Betroffene Unterstützung?

Es gibt Selbsthilfegruppen, bei denen Frauen Unterstützung finden. Es ist sinnvoll, dass sich Betroffene dort mit anderen Betroffenen austauschen. Vor allem, weil das Vulvakarzinom, gerade weil es selten ist und eine intime Körperregion betrifft, eher eine tabuisierte Erkrankung ist.

Quelle: Leben? Leben!

21.05.14

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