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Ständig müde: Fatigue, eine unangenehme Begleiterscheinung der MS

Das häufigste Symptom der MS ist dem MS-Register zufolge die sog. Fatigue. Das Wort stammt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie Müdigkeit. Hinter diesem doch recht allgemeinen Begriff verbirgt sich ein körperlicher und geistiger Erschöpfungszustand, der i. d. R. täglich für eine Dauer von sechs Stunden und länger auftritt, sich bei Belastungen verschlimmert und die Lebensqualität stark einschränken kann. Die Betroffenen sehen sich z. B. oft nicht imstande, längere Zeit am Stück zu arbeiten. Deshalb spielt die MS-bedingte Fatigue auch bei der Beantragung einer Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsrente eine große Rolle.

Die Fatigue gehört häufig zu den ersten Begleiterscheinungen der MS – in etwa 50 % der Fälle, so die Leitlinien zur MS-Therapie, tritt sie bereits im frühen Krankheitsverlauf auf. Ihre Ursachen sind noch nicht genau erforscht, doch vermutet wird, dass die MS-bedingten Entzündungsherde im Zentralnervensystem eine Rolle spielen. Wahrscheinliche weitere Ursachen sind u. a. Probleme mit der Funktionsweise des Immunsystems und Veränderungen im Hormonhaushalt. Bevor der Arzt jedoch die MS für die Fatigue verantwortlich macht, müssen andere Ursachen wie Depressionen, Schilddrüsenprobleme u. Ä. ausgeschlossen sein.

Auswirkungen der Fatigue

Fatigue greift oft in alle Lebensbereiche ein: in den Beruf, das Familienleben, die Partnerschaft, in Freizeit und Freundeskreis. Bei der Arbeit können sich viele Betroffene nicht mehr ausreichend und/oder dauerhaft konzentrieren bzw. die Leistung erbringen, die für die berufliche Tätigkeit erforderlich ist. Manche schaffen es nach der Arbeit nicht mehr, sich noch im Haushalt zu engagieren. Fatigue kann dazu führen, dass ein Mensch mit MS sich nicht mehr mit seinen Freunden trifft, weil er keine Kraft mehr dazu aufbringen kann. Probleme mit dem Arbeitgeber und den Vorgesetzten, dem Partner, der Familie und Freunden sind häufig die Folge. Da man einem Menschen die Fatigue nicht ansieht, glauben viele fälschlicherweise, der Betroffene ließe sich hängen oder sei faul. Deshalb kann es hilfreich sein, dass ein Betroffener möglichst alle Menschen, zu denen ein engerer Kontakt besteht, über Fatigue und ihre Auswirkungen aufklärt und eventuell gemeinsam mit ihnen Hilfs- und Bewältigungsstrategien entwickelt.

Diagnostik

Fatigue zu diagnostizieren ist nicht einfach. Zunächst muss der Arzt alle anderen Ursachen für anhaltende Erschöpfung und Leistungsabfall wie eine Schilddrüsenunterfunktion, Bewegungs- oder Schlafstörungen ausschließen. Das geschieht z. T. durch Laboruntersuchungen, z. T. durch ausführliche Befragung. Anschließend hat sich der Leitlinie zur MS-Behandlung zufolge die Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung (TAP) zur Diagnostik bewährt. Dabei handelt es sich um eine Reihe computergestützter psychologischer Testverfahren, die u. a. die sog. Alertness messen, d. h. den allgemeinen Wachzustand, der nötig ist, um rasch auf Anforderungen zu reagieren. Auch das Arbeitsgedächtnis und die Daueraufmerksamkeit werden überprüft.

Behandlung durch Medikamente

Die Gabe von Medikamenten steht nicht im Vordergrund der Fatigue-Behandlung. Es gibt zu wenig Studien, die die Wirksamkeit von medikamentösen Wirkstoffen bei der MS-bedingten Fatigue belegen. Nur für den Wirkstoff Amantadin konnte eine positive Auswirkung auf die MS ermittelt werden. Haupteinsatzgebiet von Amantadin sind eigentlich Viruserkrankungen, die Wirkweise auf die Fatigue ist noch unklar. Einen Versuch kann der Einsatz von Amantadin wert sein. Unruhe, Schlafstörungen, Ödeme oder Harnverhalt können Nebenwirkungen sein. Allerdings darf der Wirkstoff bei Nierenschädigungen und Herzerkrankungen nicht genommen werden. Auch in der Schwangerschaft und Stillzeit sollte auf Amantadin verzichtet werden. Die Kosten für das Medikament müssen Menschen mit MS i. d. R. selbst tragen.

Auch der Einsatz des Wirkstoffes Modafinil, sonst zur Behandlung von Narkolepsie (umgangssprachlich als Schlafkrankheit bezeichnet) verwendet, kann einen Versuch wert sein. Manche Betroffenen berichten von einer Verbesserung ihrer Fatigue-Symptome. Kontraindiziert ist Modafinil bei Leber- und Nierenfunktionsstörungen, Bluthochdruck, Angstzuständen, Herzerkrankungen sowie bei Alkohol- und Drogenabhängigkeit. Die Kosten für dieses Medikament übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen bei Fatigue ebenfalls i. d. R. nicht. Weiterhin stehen Aminopyridine zur Fatigue-Behandlung zur Verfügung. Fampridin z. B. trägt manchmal zudem dazu bei, die Gehfähigkeit bei MS zu verbessern. Auch Mittel gegen Depressionen, die den Antrieb steigern, werden hin und wieder bei Fatigue verordnet.

Was kann ich selbst tun?

Wichtig sind bei Fatigue auch andere Maßnahmen. So hat sich Ausdauertraining im aeroben Bereich, also Laufen (oder Fahrradfahren, Schwimmen, Walken) ohne zu Schnaufen, im Kampf gegen Fatigue bewährt. Viele Betroffene berichten, dass ihnen der Sport bei der Bewältigung von Erschöpfungszuständen hilft. Für Menschen mit MS, bei denen sich die Fatigue unter Wärmeeinfluss verstärkt (sog. Uhthoff-Syndrom), können Maßnahmen zur Abkühlung des Körpers sinnvoll sein, z. B. das Tragen von Kühlwesten oder anderen Kühlelementen am Körper, bei starker Sonneneinstrahlung längere Aufenthalte im Schatten oder kühle Waschungen.

Auch ein sog. Energie-Management-Programm kann sinnvoll sein. Hinter dieser Bezeichnung verbergen sich Maßnahmen wie das häufigere Einplanen und Einlegen von Ruhepausen und die Durchstrukturierung des Tages, wobei sich z. B. anstrengende mit weniger anstrengenden Tätigkeiten abwechseln sollten. Auch sollten von Fatigue Betroffene sich genau überlegen, welche Tätigkeiten sie am jeweiligen Tag unbedingt durchführen müssen und welche weniger wichtig sind und daher u. U. auf einen anderen Tag verschoben werden können. Eventuell gibt es im Beruf die Möglichkeit der Arbeitszeitverkürzung oder Versetzung auf einen anderen, weniger anstrengenden Arbeitsplatz. Im Privatleben sollten sich Betroffene mit Fatigue Hilfe suchen. So können sie z. B. ihren Partner oder andere Familienmitglieder bitten, Tätigkeiten zu erledigen, die sie selbst nur unter großen Mühen schaffen. Einkäufe können sie z. T. übers Internet bestellen und sich ins Haus liefern lassen. Und auch Freunde sind bei Bedarf sicher bereit, die ein oder andere Tätigkeit für Fatigue-Betroffene zu übernommen.

Daneben führen Wissenschaftler immer wieder Studien durch, mit denen sie herausfinden wollen, welche weiteren Therapiemöglichkeiten es für Menschen mit MS und Fatigue gibt. Die Berliner Charité Universitätsmedizin z. B. sucht nach Teilnehmern für eine Studie mit Akupunktur und Achtsamkeitstraining im Einsatz gegen Fatigue. Die Teilnehmer müssen bereit sein, sich einer von drei Gruppen zuteilen zu lassen, von denen die eine Akupunktur, die andere ein Achtsamkeitstraining erhält und die dritte eine Kontrollgruppe darstellt, deren Teilnehmer zunächst nicht behandelt werden.

Diese dürfen sich nach Abschluss der Studie jedoch eine der zwei anderen Therapieformen aussuchen, die sie anwenden möchten. Achtsamkeitstraining bedeutet in diesem Fall, dass die Teilnehmer u. a. in Meditation und in einem besseren Umgang mit Stress im Alltag geschult werden. Weitere Informationen zu der Studie zu Fatigue, Akupunktur und Achtsamkeit sowie die Teilnahmebedingungen erhalten Interessierte unter der Mailadresse ms-fatigue-studie@charite.de oder telefonisch beim Neuro Cure – Clinical Research Center unter der Nummer 030/4 50 53 90 40.

Quelle: Befund MS 03/2013

14.02.14

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