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Folgen und Nebenwirkungen der Therapie von Brustkrebs

Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

„Im Überleben allein gelassen“ thematisiert das Leben von Krebspatientinnen nach Ende der Therapie und der regulären Nachsorge von fünf Jahren. Dabei können noch Jahre nach Therapieende Spätfolgen auftreten, die die Patientinnen belasten. Ärztin Julia Quidde erklärt, worauf Patientinnen sich auch nach der Therapie einstellen müssen und wie ihnen geholfen werden kann.*

In welchem Zeitraum können Spätfolgen und Nebenwirkungen nach der Therapie auftreten?

Durch multimodale Therapiekonzepte wird einer zunehmenden Anzahl an Patientinnen die Chance auf Heilung und Überleben der Krebserkrankung eröffnet. Allerdings kann es durch diese Therapien zu Akut- als auch zu Langzeit- und Spätfolgen kommen.

Akutnebenwirkungen treten direkt unter laufender Behandlung auf. Halten die Beschwerden weit über den Abschluss der Therapie an, spricht man von Langzeitfolgen. Eine häufige Langzeitfolge ist z. B. das Fatigue-Syndrom, das bei vielen Patientinnen bereits unter der Therapie einsetzt und bei einem Großteil noch Monate bis Jahre nach der Therapie bestehen bleibt. Kommt es nach kompletter Genesung zu Beschwerden, die durch die vorangegangenen Therapien oder die Erkrankung erklärbar sind, spricht man von Spätfolgen, die auch Jahrzehnte nach Therapieabschluss auftreten können (z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach Brustbestrahlung und Chemotherapie).

Was sind die häufigsten Spätfolgen einer Krebstherapie?

Die Langzeit- und Spätfolgen einer Tumortherapie können sehr vielfältig sein und sind u. a. abhängig von der Art, Dauer und Intensität der Therapie. Neben körperlichen Spätfolgen können auch psychische Beschwerden auftreten. Mit zu den häufigsten Langzeitfolgen nach einer Operation gehören Narbenbildung sowie Taubheits- und Spannungsgefühl oder Schmerzen im ehemaligen Operationsgebiet. Bei einer Bestrahlung können Langzeit- und Spätfolgen bei allen Organen, die im Bestrahlungsfeld lagen, auftreten. Das Risiko für Folgeerkrankungen ist u. a. abhängig von der Größe des Bestrahlungsfeldes, von der Bestrahlungsdosis und ob die Bestrahlung mit einer Chemotherapie kombiniert wurde. Bei vielen Patientinnen kommt es unter der Bestrahlung zu Akutnebenwirkungen an Haut (Strahlendermatitis) und Schleimhäuten (Strahlenmukositis), welche meist folgenlos ausheilen. Dennoch ist das ehemalige Bestrahlungsgebiet auf Dauer durch Pigmentverschiebungen, dünnere Haut oder narbige Abheilung der Dermatitis (entzündliche Reaktion der Haut) markiert. Zudem ist das Hautkrebsrisiko im ehemaligen Bestrahlungsfeld etwas erhöht. Lagen hormonproduzierende Organe im Bestrahlungsfeld, ist das Risiko für hormonelle Veränderungen und den damit einhergehenden Beschwerden und Folgeerkrankungen hoch. Nach Bestrahlung der Eierstöcke ist Unfruchtbarkeit (Infertilität) kaum zu vermeiden. Außerdem kann es zu Wachstumsstörungen kommen, wenn die Bestrahlung in der Wachstumsphase stattfand oder zum vorzeitigen Einsetzen der Menopause. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für Über- oder Untergewicht sowie Diabetes mellitus.

Wie sieht es mit Folgen bei der Chemotherapie aus?

Die Langzeit- und Spätfolgen einer Chemotherapie sind von der Art des eingesetzten Medikamentes und der Intensität der Chemotherapie abhängig. Unabhängig von der eingesetzten Chemotherapie wird häufig über anhaltende Abgeschlagenheit, Konzentrationsstörungen und verminderte Belastbarkeit berichtet. Dies kann sowohl auf organische als auch auf psychische Probleme zurückzuführen sein. Häufig steckt auch das sog. Fatigue-Syndrom dahinter. Auch steigt durch den Einsatz bestimmter Chemotherapeutika das kurz- und langfristige Risiko für eine weitere Krebserkrankung (Zweitmalignom) an. Einige Langzeitfolgen treten nur nach dem Einsatz bestimmter Medikamente auf, wie z. B. die Polyneuropathie an Händen und oder Füßen (Kribbeln, Taubheitsgefühl) nach Behandlung mit einem platinhaltigen Medikament.

Welche seelischen Spätfolgen können auftreten?

Seelische und körperliche Spätfolgen treten in etwa gleich häufig auf. Zu den seelischen Langzeit- und Spätfolgen gehören u. a. Anpassungsstörungen, Angststörungen und depressive Reaktionen.

Wie können Spätfolgen erkannt werden?

Bei jeder Tumornachsorgeuntersuchung muss neben dem Screening nach einem Rezidiv oder Zweittumor auch nach Langzeit- und Spätfolgen geschaut werden. In Adaptation an das Risikoprofil für Nebenwirkungen sollten zusätzliche Untersuchungen, die über die eigentliche Tumornachsorge hinausgehen, erfolgen. Beispielsweise ist das Risiko für kardiale Erkrankungen (z. B. Herzinsuffizienz) bei Patientinnen mit anthrazyklinhaltiger Chemotherapie und Thoraxbestrahlung (Bestrahlung im Bereich des Brustkorbs) erhöht, sodass diesen Patientinnen eine zusätzliche Untersuchung des Herzens (EKG, Herzultraschall) empfohlen wird. Generell ist es schwierig, gerade bei älteren Patientinnen, Spätfolgen von „normalen“ altersbedingten Erkrankungen zu unterscheiden.

Von Betroffenen ist immer wieder zu hören, dass sie sich in der Nachsorge schlecht betreut und allein gelassen fühlen. Welche Bestrebungen gibt es hier, dies zu verbessern?

Es ist anzustreben, dass jede Patientin nach abgeschlossener Tumortherapie einen Nachsorgeplan erhält, in dem sie nachlesen kann, wann welche Untersuchungen nötig sind. Darüber hinaus muss jede Patientin erneut über potenzielle Langzeit- und Spätfolgen der Erkrankung und Therapie aufgeklärt werden, damit sie weiß, was eventuell auf sie zukommen kann. Auch sollte die Patientin informiert werden welche Lebensstilveränderungen sich günstig auf das Risiko auswirken. Einige Tumorzentren in Deutschland richten Cancer-Survivorship-Sprechstunden und -programme ein.

Wie sollte eine ideale Nachsorge aussehen und wie lange sollte sie dauern, vor allem bei Langzeitüberlebenden?

Eine ideale Nachsorge sollte über die eigentliche Tumornachsorge, die zumeist auf fünf Jahre nach Therapieabschluss begrenzt ist, hinausgehen und in enger Kooperation mit entsprechenden Spezialisten (z. B. Kardiologen, Endokrinologen, Psychologen, Sozial-, Sport- und Ernährungswissenschaftler) erfolgen. Da die Nachsorge nicht immer vom ehemaligen Behandler durchgeführt wird, ist ein leitlinienbasierter, individualisierter Nachsorgeplan wichtig. Zudem sollte jede Patientin über die potenziellen Langzeitfolgen aufgeklärt werden und Empfehlungen bezüglich des Lebensstils an die Hand bekommen (Sport, Ernährung, Verzicht auf Alkohol und Zigaretten etc.).

Wo können sich Patientinnen hinwenden, wenn sie vermuten, unter Spätfolgen zu leiden?

Wenn Patientinnen unter zunehmenden Problemen leiden, sollten sie sich nicht scheuen, dies bei ihrem Hausarzt oder betreuendem Onkologen anzusprechen. In einigen Städten gibt es auch Spezialsprechstunden für Krebsüberlebende.

Das Forschungsprogramm Cancer Survivorship wurde 2012 am Universitären Cancer Center Hamburg etabliert und besteht aus zwei Spezialsprechstunden für Patientinnen und Patientinnen, die eine Krebserkrankung überlebt haben:

  • Die AYA-Sprechstunde (AYA für Adolescents and young Adults) richtet sich an Patientinnen und Patientinnen bis 39 Jahren, welche eine Krebserkrankung im Kindes-, Jugend- oder jungen Erwachsenenalter hatten.
  • Die L.O.T.S.E. Sprechstunde (L.O.T.S.E. steht für Leben ohne Tumor, Strategie und Edukation) richtet sich an alle Krebsüberlebenden.

Alle sich vorstellenden Patientinnen bekommen ein ausführliches Arztgespräch, in dem eventuelle Langzeit- oder Spätfolgen erfasst werden. Zudem werden Belastung und Bedürfnisse der Patientinnen erfasst. Bei Bedarf werden entsprechende Interventionen wie Sozialberatung, Psychologische Vorstellung, Ernährungsberatung, Vorstellung bei Sportwissenschaftler oder ärztlichen Spezialisten (Kardiologe, Endokrinologe) organisiert. Alle Patientinnen bekommen einen leitlinienbasierten Nachsorgeplan, Vorsorgeplan und Empfehlungen zum Lebensstil, welche als Orientierung für die weitere Nachsorgezeit dienen sollen. Neben der Patientinnenversorgung werden im Rahmen des Survivorship-Programmes Projekte zur Erforschung und Verbesserung von Langzeitfolgen erstellt und durchgeführt.

* Die Antworten erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit

Quelle: Leben? Leben! 1/2016

11.05.16

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