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Zwei Frauen mit erblichem Brustkrebs berichten

Prophylaktische Mastektomie: Pro und Kontra aus Sicht der Betroffenen

Christine S. (32 Jahre) und Petra S. (58 Jahre) haben eines gemeinsam: Sie beide tragen die BRCA-Genmutation in sich, gehören zu Hochrisikofamilien, in denen Brust- und Eierstockkrebs gehäuft vorkommen. Petra S. hat ihre Mutter und ihre beiden Schwestern durch den Brustkrebs verloren, auch ihre Cousine und ihre Tochter sind an Brustkrebs erkrankt. Christine S. hat drei Fälle von Brustkrebs in der Familie: Mutter, Großmutter und Großtante. Grund genug für die beiden Frauen, sich auf eine genetische Veränderung testen zu lassen. – Doch sie haben daraus ganz unterschiedliche Schlüsse gezogen.

Entscheidung für eine Mastektomie

„Als ich 18 Jahre alt wurde, hat mir der Arzt von der Möglichkeit berichtet, dass ich aufgrund der familiären Vorbelastung einen Gentest machen lassen kann und ab 25 die Möglichkeit besteht, in ein besonderes Früherkennungsprogramm mit aufgenommen zu werden“, erinnert sich Christine S. Ein paar Jahre sollten da noch ins Land gehen. Doch als ihre Mutter 2010 positiv auf die Genveränderung getestet wurde, stand für die damals 27-Jährige fest, dass auch sie sich testen lassen will. „Damals, bevor ich das Ergebnis kannte, habe ich strikt gesagt, dass eine prophylaktische Mastektomie für mich nicht infrage kommt“, erzählt sie. „Warum soll ich mir etwas Gesundes abnehmen lassen?“

Ihre Meinung änderte sich schnell, als sie ihre Testergebnisse erhielt. „Mir war sofort klar, ich mache die Mastektomie“, betont sie. Die Entscheidung fiel Christine S. nicht schwer. „Die schwierige Entscheidung war für mich allerdings wo und wie ich es machen lasse.“ Aus diesem Grund habe sie sich mehrere Ärzte angeschaut und mit ihnen Gespräche geführt. „Schwierig war für mich auch die Frage nach der Art und Weise des Aufbaus“, erinnert sie sich. Am Ende hat sie sich für den Aufbau mit Silikon entschieden – und hat diesen Entschluss bis heute nicht bereut. „Ich wollte lieber Silikon, weil es möglich gewesen wäre, dass durch die Entnahme von Eigengewebe aus dem Bauch später Probleme bei einer Schwangerschaft auftreten können.“ Zudem sei aus ihrer Sicht der Aufbau mit Eigenfett deutlich schwieriger und langwieriger. „Man hätte mir zudem Gewebe aus Bauch, Po und den Oberschenkeln entnehmen müssen, um meine Brustgröße zu erhalten“, erklärt sie. Der Nachteil am Silikon: „Ich habe in der Brust kein Gefühl mehr.“ Dennoch fühle diese sich nicht wie ein Fremdkörper an.

Doch das Ergebnis der Operation war zunächst offen, als Christine S. in Narkose gelegt wurde, berichtet sie heute, viereinhalb Jahre später. Bewusst habe sie sich für einen Arzt entschieden, der nicht nach Schema F arbeitet, sondern während der Operation entscheidet, wie der Aufbau der Brust am besten zu bewältigen ist. „Ich wollte eigentlich gleich nach der Mastektomie Silikon implantiert bekommen, dies ging aber nicht, da das Implantat unter den Brustmuskel gelegt werden musste, sonst hätte es durch die Haut durch gescheint“, erklärt sie die Problematik. So wurde unter den Muskel zunächst ein Expander gesetzt, der nach und nach gefüllt wurde, um den Muskel an die zunehmende Spannung zu gewöhnen. „Grundsätzlich“, sagt Christine S. heute, „bin ich gut mit der Operation und dem Aufbau zurechtgekommen.“ Zwar habe es rund zwei bis drei Monate gedauert, bis sie sich wieder richtig fit gefühlt habe, dafür habe es aber keine Komplikationen gegeben.

Mit 40 will sie sich dann die Eierstöcke entfernen lassen. Verrückt macht sie sich bis dahin nicht. „Ich vertraue darauf, dass es reicht, diese OP mit 40 zu machen und mache mir eigentlich keine Gedanken darum“, erzählt Christine S., die nun Mutter von Zwillingen ist. Das hat sie mit ihrer Krankheitsgeschichte besonders gefreut. „Das ist das Beste, was mir passieren kann, zwei Jungen, denn sie haben ein geringeres Risiko zu erkranken.“ Dass sie die beiden nicht stillen konnte, war für die 32-Jährige kein Problem.

Nicht für jeden kommt eine Mastektomie infrage

Auch die Tochter von Petra S. ist jung, bereits mit 30 Jahren, an Krebs erkrankt. Wenn sie heute daran zurückdenkt, sagt sie klar: „Das war grauenvoll!“ Rund zwei Jahre ist das nun her. Damals entdeckte ihre Tochter selbst die Tumoren in beiden Brüsten, der Krebs war da bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. „Trotzdem hat sie alles gut überstanden. Operation und Bestrahlung, auch die Chemotherapie schlug gleich gut an“, erinnert sich Petra S.. Das hätte sie so zunächst nicht für möglich gehalten. Heute geht es ihrer Tochter gut, sie hat im August dieses Jahres ihre erstes Kind zur Welt gebracht – obwohl die Ärzte eine Schwangerschaft für ziemlich unwahrscheinlich hielten.

Mit der Erkrankung ihrer Tochter stand für Petra S. dann auch fest, sich auf die Genveränderung testen zu lassen. Das Ergebnis: Sie ist Trägerin des BRCA1-Gens. Trotzdem, eine prophylaktische Entfernung der Brust kommt für die 58-Jährige nicht in Betracht. „Die Operation wäre ein großer Eingriff in meinen Körper und ich bin mir sicher, dass das nicht gut für ihn wäre“, sagt sie. Nach langen Gesprächen mit den Ärzten habe sie sich entschieden, sich lieber engmaschig kontrollieren zu lassen. „Am Anfang habe ich lange überlegt, was ich tun soll. Aber ich bin auch in dieser Zeit mit meiner Tochter gewachsen“, sagt sie. Das Risiko der OP für eine prophylaktische Mastektomie sei ihr einfach zu groß.

Derzeit wird sie dreimal pro Jahr untersucht, einmal beim Frauenarzt und zweimal in der Klinik. Zwischen den einzelnen Untersuchungen denke sie nicht über das Risiko einer Erkrankung nach. „Und ich fühle auch nicht. Ich will mich einfach nicht verrückt machen“, sagt sie. Für Petra S. ist es zudem wichtig, sich nicht allein gelassen zu fühlen. Der Austausch mit anderen betroffenen Frauen bestärke sie, für sich die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Gesprächskreise und Veranstaltungen des BRCA-Netzwerkes hätten ihr außerdem geholfen und sie biete nun auch anderen Frauen an, sich bei Fragen und Unklarheiten bei ihr zu melden.

Anders als bei ihren Brüsten hat sich Petra S. allerdings schnell entschieden, sich die Eierstöcke entfernen zu lassen. „Da war mir das Risiko einer Erkrankung einfach zu groß. Da war die Operation die sichere Lösung“, betont sie. Zumal hier die Kontrolle und Vorsorge viel schwieriger sei. Nach der OP im Frühjahr 2014 hatte sie mit Wechseljahresbeschwerden, wie etwa Hitzewallungen zu tun. Doch heute geht es ihr gut. Und sie geht offen mit ihrer Erkrankung um.

Quelle: Leben? Leben! 2/2016

23.09.16

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