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Gegen Osteoporose vorgehen

Osteoporose, auch als Knochenschwund bezeichnet, ist eine Krankheit, die häufig mit MS einhergeht. Bei der Osteoporose nimmt die Knochendichte ab, weil im Rahmen der ständigen Zellerneuerung mehr Knochen ab- als aufgebaut wird. Als Folge steigt das Risiko von Knochenbrüchen, etwa nach Stürzen. Auch die Gefahr von bleibenden Behinderungen erhöht sich, denn zu den Knochenbrüchen, die oft Folge einer Osteoporose sind, können etwa Einbrüche der Wirbelkörper der Wirbelsäule sowie Oberschenkelhalsbrüche gehören.

Einer der Gründe, warum die Osteoporose bei MS im Vergleich zur Restbevölkerung häufiger vorkommt, ist die Gabe hoch dosierten Kortisons während der Behandlung eines MS-Schubs. Kortison kann sich negativ auf die Knochendichte auswirken. Das Gleiche gilt für Bewegungsmangel, denn Bewegung regt die Zellen, die für den Knochenaufbau zuständig sind, zur Bildung von Knochensubstanz an. Da Menschen mit MS von Bewegungseinschränkungen betroffen sein können und sich als Folge weniger bewegen, steigt bei ihnen das Risiko für Osteoporose an.

Faktoren, die Osteoporose fördern

Eine Studie des Universitätskrankenhauses Oslo stellte 2011 fest, dass die Knochendichte bereits bei Menschen mit MS im Frühstadium geringer ist als bei Gesunden. Die Untersuchung ergab, dass von 99 Patienten mit MS im Frühstadium bzw. mit dem Klinisch Isolierten Syndrom (CIS, ersten MS-Symptomen) 50,5 % bereits von Osteoporose oder einer Vorstufe betroffen waren, während sie dies in der Gruppe der Gesunden nur bei 37,1 % der Studienteilnehmer feststellten. Die Ursache hierfür ist bislang noch unklar, die Wissenschaftler vermuteten, dass es mit einem mit MS assoziierten Vitamin-D-Mangel zusammenhängen könnte. Vitamin D, das der menschliche Körper unter dem Einfluss von Sonneneinstrahlung selbst bildet, braucht der menschliche Organismus für den Knochenaufbau und die Gesunderhaltung der Knochen. Eine Untersuchung der Universität Regensburg aus dem Jahr 2015 vermutet zudem einen Zusammenhang zwischen den Entzündungsprozessen bei MS und Osteoporose. Zudem können Antiepileptika, die u. a. bei MS zur Behandlung neurologisch bedingter Schmerzen eingesetzt werden, das Osteoporose-Risiko steigern.

Zu den weiteren Risikofaktoren für Osteoporose, die nicht MS-spezifisch sind, zählen:

  • Das Geschlecht: Frauen sind häufiger betroffen, da sie i. d. R. über eine geringere Knochensubstanz verfügen und nach den Wechseljahren ihren hormonbedingten „Knochenschutz“ verlieren. Das weibliche Sexualhormon Östrogen, das der weibliche Körper nach den Wechseljahren kaum mehr produziert, fördert den Knochenaufbau. Zwar begünstigt auch ein Mangel am männlichen Sexualhormon Testosteron Knochenschwund, doch stellt der Körper dies Hormon i. d. R. bis ins hohe Alter her.
  • Eine erbliche Veranlagung: Menschen aus Familien, in denen Knochenbrüche häufig sind, haben ein erhöhtes Osteoporose-Risiko.
  • Die Körpergröße: Kleine und dünne Menschen sind häufiger von Osteoporose betroffen als große.
  • Die Ernährung: Eine kalziumarme Ernährung begünstigt Osteoporose, denn Kalzium ist ein Mineralstoff, der für den Knochenaufbau benötigt wird.
  • Rauchen
  • Übermäßiger Konsum von Alkohol

Diagnose und medikamentöse Therapie

Bei Verdacht auf Osteoporose als Begleiterscheinung von MS sollte eine sog. Knochendichtemessung erfolgen, durch die der sog. T-Wert ermittelt wird. Ein T-Wert, der gleich oder größer -1 ist, wird gleichgesetzt mit einer normalen Knochendichte. Bei einem Wert von -1 bis -2,5 liegt eine sog. Osteopenie vor, eine Vorstufe der Osteoporose, und bei einem Wert kleiner als -2,5 sprechen Mediziner von einer Osteoporose.

Die medizinischen Leitlinien zu Osteoporose empfehlen eine medikamentöse Behandlung abhängig von Alter und Geschlecht ab unterschiedlichen T-Werten (bei Frauen zwischen 60 und 65 etwa bei einem T-Wert kleiner als -3,5). Bei einem T-Wert unter -1 bzw. -1,5 sehen sie eine solche Therapie bereits vor, wenn der Betroffene über einen länger andauernden Zeitraum Kortison erhält. Auch die Einnahme von Antiepileptika oder ein gesteigertes Sturzrisiko erhöht den T-Wert, ab dem eine medikamentöse Behandlung als sinnvoll angesehen wird.

Zur Stärkung der Knochen wird Menschen, die von Osteoporose betroffen sind, empfohlen, mit der Nahrung täglich zwischen 1.000 und 2.000 mg Kalzium aufzunehmen. Gute Kalziumquellen sind dabei Milch und Milchprodukte – ein Liter Milch enthält 1.000 mg Kalzium. Von MS Betroffene mit erhöhtem Osteoporose-Risiko sollten zudem darüber nachdenken, den Vitamin-D-Wert in ihrem Blut bestimmen lassen. Denn ohne ausreichende Vitamin-D-Versorgung kann der Körper das mit der Nahrung aufgenommen Kalzium nicht in die Knochen einbauen. Bei einem Vitamin-D-Mangel ist daher u. U. die Gabe von Vitamin D angezeigt.

Zu den Wirkstoffen, die zur Behandlung einer Osteoporose eingesetzt werden, gehören vor allem Bisphosphonate. Welches Medikament zum Einsatz kommt, hängt u. a. vom Geschlecht und davon ab, welche Knochen (Wirbelkörper, Oberschenkelhals) eine geringe Knochendichte aufweisen. Bei Frauen nach den Wechseljahren kommen u. U. auch Östrogene zum Einsatz.

Selbsthilfe

Menschen mit MS, die bereits von Osteoporose betroffen bzw. osteoporosegefährdet sind, können gezielt ihre Knochen stärken und auf diese Weise dafür sorgen, dass der Knochenabbau weniger stark voranschreitet oder u. U. sogar stoppt. Neben einer kalziumreichen Ernährung, die die Knochen stärkt, helfen Aufenthalte im Freien, die Vitamin-D-Speicher aufzufüllen, damit der Körper das Nahrungskalzium in die Knochen einbauen kann. Es ist dafür nicht nötig, sich der direkten Sonneneinstrahlung auszusetzen. Schon Aufenthalte im Schatten und täglich ein kurzer Spaziergang (auch im Winter) tragen dazu bei, dass der Körper Vitamin D herstellt.

Bewegung ist günstig, denn sie stärkt die Knochen. Besonders positiv wirkt sich Krafttraining auf die Knochengesundheit aus, aber auch Ausdauersportarten wie Walking oder Radfahren belasten die Knochen, die so angeregt werden, mehr Knochenmasse aufzubauen. Rollstuhlfahrer und andere MS-Patienten mit Bewegungseinschränkungen sollten ebenfalls regelmäßige Bewegungsübungen, z. B. im Rahmen Physiotherapie, vornehmen (lassen). Menschen, die wegen ihrer Bewegungseinschränkungen sturzgefährdet sind, sollten sich zudem Übungen zur Sturzprophylaxe zeigen lassen. Daneben sollten sie bei Bedarf auf Gehhilfen (Gehstöcke, Rollatoren) zurückgreifen, die Stürze vermeiden helfen. Wichtige Bausteine der Osteoporose-Prophylaxe sind zudem ein Rauchstopp und ein nur mäßiger Alkoholkonsum.

Quelle: Befund MS 3/2016

02.02.17

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