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Genitalsymptome bei Psoriasis

Rote, schuppende Stellen an den Schienbeinen oder am Haaransatz – für Menschen mit Psoriasis ist der Ausschlag an diesen Stellen oft unangenehm und lästig. Treten die roten Stellen allerdings im Genitalbereich auf, leiden Betroffene oft auch psychisch darunter. Und eine Behandlung dieses Bereichs des Körpers ist nicht gerade einfach. Oberärztin Anna Nowak, Hersbruck, erklärt im Interview, welche Gefahren es gibt und was helfen kann.

Wie viele Patienten, die unter Psoriasis leiden, haben auch Symptome im Genitalbereich?

Unsere Erfahrung zeigt, dass nahezu fast jeder zweite Psoriasispatient im Laufe der Erkrankung eine genitale und/oder anale Beteiligung aufweist. Dies bestätigt auch eine anonyme Umfrage unter 5.300 Mitgliedern der niederländischen Psoriasis­Gesellschaft. Wir beobachten auch, dass diese Lokalisation öfter Männer als Frauen betrifft. Ferner ist bekannt, dass bei der genitoanalen Form Kinder wesentlich häufiger betroffen sind als Erwachsene.

Mit welchen Symptomen geht Psoriasis im Genitalbereich einher?

Schuppenflechte im Genitalbereich tritt sowohl bei Männern als auch bei Frauen auf. Häufig sind neben den Leisten und der Gesäßfalte bei Männern der Penis und die Hoden, bei Frauen der Schamhügel und die Schamlippen betroffen.

In den Hautfalten fehlt die für Psoriasisherde typische festhaftende Schuppung. Charakteristisch ist dafür eine starke, scharf begrenzte Rötung, meist nässend und stark juckend. Deswegen kommt es oft zu Kratzverletzungen und kleinen Wunden mit Infektionen (z. B. mit Bakterien oder Pilzen). Auch beim Geschlechtsverkehr kann es zur Reizung der erkrankten Areale kommen, was zu Brennen und Schmerzen führen kann.

Kommt die Schuppenflechte in intimen Körperbereichen vor, ist das häufig besonders belastend. Neben den körperlichen Symptomen wirkt sich daher die Psoriasis im Genitalbereich vor allem auch auf das seelische Gleichgewicht aus.

Um diese Auswirkungen besser bewerten zu können, setzten Forscher um Dr. Caitriona Ryan, Baylor University in Dallas, verschiedene Fragebögen ein. Dabei erreichten die Patienten, die unter Genitalpsoriasis litten, deutlich schlechtere Werte als die Vergleichsgruppe. Einen besonderen Stellenwert nahmen sexuelle Probleme sowie die Angst vor einer sexuellen Beziehung ein. Daher regten die Forscher an, das Thema Genitalsymptome bei Psoriasispatienten stärker in den Fokus zu rücken und gezielt nach Beeinträchtigungen der Lebensqualität zu fahnden.

Wie kann Psoriasis im Genitalbereich behandelt werden?

Die Behandlung dieser Psoriasismanifestationen ist stets eine große Herausforderung. Nur wenige topische (lokale) Medikamente sind für den Genitalbereich geeignet. Wir bevorzugten die lokale kortisonfreie Therapie in Kombination mit einer Lichttherapie.

Die topische Behandlung kann auch kurzzeitig mit einem schwachen Kortikosteroid oder mit geeigneten, neueren Vitamin-D-Derivaten durchgeführt werden. Gute Erfolge erzielt auch ein Gerbstoff, welcher über eine längere Zeit angewendet werden kann. Eine Anwendung von Antimykotika, also Mitteln gegen Pilzbefall, ist vorübergehend zu empfehlen, da die Plaques in den Hautfalten gern von Hefepilzen besiedelt werden. Zur Pflege eignen sich Lotionen und Feuchtigkeitscremes ohne Duftstoffe.

Was sind Schwierigkeiten bei der Behandlung?

Probleme bereitet die besondere Empfindlichkeit der Haut sowie das feucht­warme Milieu. Es ist wichtig, die Beschwerden im Intimbereich beim Hautarzt anzusprechen – auch wenn es Überwindung kostet. Denn das ist die Voraussetzung dafür, eine wirksame Behandlung zu finden.

Auch in der genannten Studie stellte sich die Bekämpfung genitaler Symptome der Psoriasis als besonders schwierig heraus. So halfen Medikamente den Betroffenen nur bedingt. Von 129 Patienten, die topische Kortikosteroide einsetzten fanden nur 46 % die Behandlung „gut“ oder „exzellent“, die anderen beurteilten sie als „mittelmäßig“ oder „völlig nutzlos“. Bei den Calcineurin­Inhibitoren fiel die Bewertung noch schlechter aus. Angesichts dieser Ergebnisse, betonten auch die Studienautoren, dass die Behandlung der genitalen Psoriasis eine Herausforderung bleibt. Bei den Kortikosteroiden sei das Problem, dass höhere Wirkstärke zu Hautatrophien und Streifenbildung führen können und topische Calcineurin­Inhibitoren häufig Hautreizungen mit sich brächten. Es sei daher nach wie vor erforderlich, nach effizienteren Behandlungsmethoden für diese Krankheitsform zu forschen.

Wie wirkt sich dies auf die Psyche der Erkrankten aus? Wie können sie damit gegenüber ihrem Partner damit umgehen?

Einige Studien zeigten, dass die Betroffenen selbst viel größere Probleme haben die Krankheit zu akzeptieren als deren Partner.

Kann es zu Problemen bei Geschlechtsverkehr kommen?

Ja, besonders in der akuten Phase der Krankheit oder im Falle von auftretenden Infektionen. Die erkrankte Haut wird verletzt, der Juckreiz verstärkt sich und auch die psychische Belastung spielt dabei generell eine große Rolle.

Was raten Sie Patienten, die bemerken, dass sie von Psoriasis auch im Genitalbereich betroffen sind?

Sich schnellstmöglich den Rat eines Dermatologen einzuholen, um zügig eine lokale Therapie sowie adäquate Pflege zu beginnen. Durch Schamgefühle oder auch Beschwerden beim Geschlechtsverkehr kann Genitalpsoriasis auch die sexuelle Gesundheit beeinträchtigen. Auch eine psychologische Behandlung kann wichtig sein. Die Gespräche mit dem Sexualpartner sind nicht außer Acht zu lassen. Man vergisst manchmal auch so banale Dinge wie z. B. das Tragen lockerer Kleidung und nicht zu enger Unterwäsche. Auch eine Slipeinlage kann u. U. die Entstehung neuer Psoriasisherde begünstigen.

Quelle: Patient und Haut 1/2016

09.06.16

Genitalsymptome
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