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Gentests bei erblich bedingtem Brustkrebs

Die Entscheidung der Schauspielerin Angelina Jolie, sich prophylaktisch die Brüste entfernen zu lassen, sorgte für Aufsehen und verschaffte dem Thema erblich bedingter Brustkrebs große Aufmerksamkeit. Prof. Dr. C. R. Bartram, Universitätsklinikum Heidelberg, erläutert im Interview, wer als Hochrisikopatientin gilt und wie ein Gentest für Sicherheit sorgen kann.

Was genau bedeutet erblich bedingter Brustkrebs?

Die meisten Brustkrebserkrankungen sind sporadisch, also wesentlich durch Umweltfaktoren ausgelöst. Und es gibt eine kleine Gruppe von Brustkrebs, die dadurch ausgezeichnet ist, dass es eine Erbanlage gibt, die für diese Brustkrebserkrankung disponiert. Das betrifft ungefähr 5–7 % aller Frauen mit Brustkrebs. Insgesamt sind es mehrere Tausend Frauen pro Jahr, die davon betroffen sind.

Wann liegt ein Risiko für erblich bedingten Brustkrebs vor?

Ein erhöhtes Risiko liegt vor, wenn bei den Frauen in den Erbanlagen die Risikogene BRCA1 und BRCA2 nachgewiesen werden. Bei Frauen, die davon betroffen sind, ist in der Familie bereits bei anderen Familienmitgliedern Brust- oder Eierstockkrebs diagnostiziert worden.

Bedeutet die Diagnose tatsächlich, dass die Frau an Brustkrebs erkrankt?

Nein, das bedeutet es nicht. Die Durchschlagskraft einer solchen genetischen Veränderung beträgt bis zu 80 %. D. h., Frauen mit solch einer erblichen Disposition werden nicht zu 100 % erkranken, aber das Risiko dafür liegt bei bis zu 80 %. Das Basisrisiko an Brustkrebs zu erkranken liegt bei jeder Frau bei 10 %. Die Veränderungen in den BRCA1 und BRCA2-Genen sind so zahlreich, dass man nicht für jede Mutation weiß, wie hoch das Risiko tatsächlich ist.

Wie sinnvoll ist ein Gentest?

Mithilfe eines Gentests kann das Risiko an Brustkrebs zu erkranken errechnet werden. Nicht der Gentest macht ängstlich, sondern die Lebensumstände. Wenn die Frauen in ihrer nahen Verwandtschaft sehen, dass Angehörige an Brustkrebs erkranken, dann tauchen Ängste auf. In solchen Fällen ist es durchaus sinnvoll, das Risiko mithilfe eines solchen Tests ermitteln zu lassen. Zudem ergeben sich Möglichkeiten einer spezifischen Vorsorge.

Welche Möglichkeiten bieten sich den Frauen, wenn der Gentest positiv ist?

Es gibt dann unterschiedliche Strategien, die umfassend mit den Patientinnen besprochen werden, weil es eine sehr individuelle Entscheidung ist. Eine Möglichkeit besteht darin, den Krebs zwar nicht zu vermeiden, aber ihn so früh wie möglich zu erkennen, damit er, falls er auftritt, noch gut behandeln werden kann. Das würde bedeuten, dass die Frau sich alle sechs Monate vom Frauenarzt untersuchen lässt. Ultraschalluntersuchungen der Brust und alle Jahre Mammografie- und vor allem auch Kernspintomografieuntersuchungen. Die zweite und noch sichere Methode ist die Entfernung des betroffenen Gewebes, also Brust und Eierstöcke. Das ist natürlich eine sehr radikale Methode, die sich die Frau gut überlegen muss, weil mit diesem Eingriff Risiken und Nebenwirkungen verbunden sind. Das Risiko an Brustkrebs zu erkranken ist damit zwar nicht ganz verschwunden, aber erheblich reduziert. In Deutschland entscheiden sich derzeit für diese Methode ungefähr 20 % mit zunehmender Tendenz.

Werden die Kosten für einen Gentest von der Krankenkasse übernommen?

Für Hochrisikopatientinnen werden i. d. R. die Kosten übernommen. Frauen, die familiär kein erhöhtes Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken, ist von solch einem Test auch abzuraten, weil kein Grund dafür besteht.

Wie ist Ihre Meinung zu Angelina Jolies Schritt, sich die Brüste entfernen zu lassen und darüber offen zu sprechen?

Dies ist zunächst eine sehr persönliche Entscheidung von ihr. Ich finde positiv, dass das Thema erblich bedingter Brustkrebs damit verstärkt in die Öffentlichkeit gekommen ist und die Tabuisierung aufgehoben wird. Natürlich führt es auch zu zusätzlichen Ängsten, bei Menschen, die eigentlich keinen Grund dazu haben, aber das kann mit ausführlicher Information und in Aufklärungsgesprächen relativiert werden.

Quelle: Leben? Leben! 3/2014

12.06.17

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