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„Bereits wenige Kilo Gewichtsverlust wirken sich positiv aus“

In rund 80 % der Fälle kann Diabetes Typ 2 auf Übergewicht zurückgeführt werden. Wie Betroffene gegen die Kilos kämpfen können und worauf Diabetiker besonders achten müssen, erklärt Barbara Emsenhuber vom Arbeitskreis Diabetes vom Verband der Diätologen Österreich.

Was ist der Unterschied zwischen Übergewicht und Adipositas?

Bei Übergewicht und Adipositas besteht eine zu hohe Fettmasse. Der Unterschied von Übergewicht und Adipositas liegt in der Definition des Body-Mass Index (BMI). Dieser wir aus dem Quotienten von Gewicht und Körpergröße zum Quadrat berechnet. Bei einem BMI von 25,0–29,9 besteht Übergewicht, bei einem BMI ab 30 spricht man von Adipositas. Dies wird dann noch je nach Höhe des BMI in Adipositas Grad I bis Grad III eingeteilt.

Wie kommt es zu Übergewicht und Adipositas?

Die Ursachen von Übergewicht und Adipositas sind multifaktoriell. Über- und Fehlernährung, Bewegungsmangel sowie Essstörungen gehören genauso zu den Ursachen wie Stress, depressive Erkrankungen, bestimmte Medikamente, endokrine Erkrankungen, familiäre Disposition und genetische Ursachen.

Welche Konsequenzen haben Übergewicht und Adipositas auf Betroffene?

Es besteht ein erhöhtes Risiko für bestimmte Erkrankungen, etwa für Störungen des Kohlenhydratstoffwechsels wie z. B. Diabetes mellitus, Störungen des Fettstoffwechsels, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Gicht, bestimmte Atemwegserkrankungen, gastrointestinale Erkrankungen, Rückenschmerzen etc. Neben den medizinischen und körperlichen Problemen ist auch die Lebensqualität eingeschränkt. Häufig werden übergewichtige und adipöse Personen durch das Umfeld diskriminiert. Die psychosozialen Auswirkungen von Übergewicht und Adipositas dürfen nicht unterschätzt werden.

Wie groß ist der Einfluss von Übergewicht/Adipositas auf Diabetes?

Ein erhöhter BMI stellt einen Risikofaktor für die Entstehung eines Diabetes mellitus Typ 2 dar. Mit der erhöhten Körperfettmasse geht eine Insulinresistenz einher, die die Entstehung von Diabetes Typ 2 begünstigt. Laut Leitlinie „Prävention und Therapie der Adipositas“ können rund 80 % der Diabetes Typ 2-Fälle auf Adipositas zurückgeführt werden. Untersuchungen zeigen auch, dass die Prävalenz von Adipositas zunimmt. Dadurch nimmt auch der Typ-2-Diabetes zu, da Adipositas das Risiko erhöht, daran zu erkranken.

Wie kann gegen diese Situation angekämpft werden?

Heutzutage üben viele Leute einen sitzenden Beruf aus und bewegen sich oft nicht regelmäßig. Außerdem gibt es Lebensmittel im Überfluss und Essen hat häufig nichts mit Hunger zu tun, sondern mit Gusto, Gesellschaft, Langeweile und Stress. Präventionsmaßnahmen hinsichtlich Adipositas können von jedem Einzelnen ausgehen, aber es ist hilfreich, Aktivitäten von Bildungseinrichtungen, Betrieben etc. in Anspruch zu nehmen.

Welche Angebote gibt es diesbezügliche in Österreich?

Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Therapiemöglichkeiten. Grundlage stellen Änderungen des Lebensstils, wie etwa Ernährung und Bewegung, dar. Über einen zeitlich begrenzten Zeitraum können auch Formulardiäten eingesetzt werden, diese sollten aber immer nur mit Arzt/Diätologe eingesetzt werden. Bei ausgeprägtem Übergewicht ab einem BMI von 40 kann auch ein chirurgischer Eingriff in Erwägung gezogen werden (ab BMI 35 mit Begleiterkrankungen). Es gibt auch Selbsthilfegruppen und Online-Foren dazu.

Welche dieser Möglichkeiten würden Sie als besonders empfehlenswert einstufen?

Besonders empfehlenswert ist die Kombination aus Ernährungsumstellung, vermehrter Bewegung und Verhaltenstherapie. Außerdem kann eine Gewichtsreduktion nur erfolgreich sein, wenn die Beratung patientenzentriert erfolgt. Das berufliche und persönliche Umfeld soll in die Beratung einfließen und berücksichtigt werden. Laut Studien sind Gruppenberatungen sogar ein wenig erfolgreicher als Einzelberatungen. Ich empfehle auch unbedingt Beratung und Betreuung von Fachpersonal in Anspruch zu nehmen, wie etwa von Diätologen, Ärzten, Physiotherapeuten und Psychologen.

Was können Betroffene persönlich tun, um Übergewicht zu reduzieren?

Es wird empfohlen, sich bedarfsgerecht zu ernähren, regelmäßig körperlich zu bewegen und das Gewicht zu kontrollieren. Lebensmittel mit hoher Energiedichte wie etwa fettreiche Produkte und Süßigkeiten sollen reduziert, Lebensmittel mit niedriger Energiedichte wie Gemüse, Salat, Obst, Vollkornprodukte sollten hingegen vermehrt aufgenommen werden. Eine bewusste Auswahl von geeigneten Getränken spart auch unnötige Energie ein, wie etwa Leitungs- oder Mineralwasser, ungezuckerter/ungesüßter Tee oder Soda-Zitron. Der Verzehr von Fast Food soll auch vermieden werden, da auch hier eine hohe Energiedichte besteht. Durch das Führen eines Ernährungsprotokolls ist es auch möglich, individuell auf jede Einzelperson genau einzugehen, und Ziele in der Kostumstellung gemeinsam festzulegen.

Worauf müssen Diabetiker mit Übergewicht/Adipositas besonders achten?

Dem Übergewicht soll unbedingt entgegengewirkt werden. Denn bereits wenige Kilogramm Gewichtsverlust wirken sich positiv auf die Stoffwechseleinstellung aus. Hier ist es auch wichtig, die Patienten immer wieder zu motivieren.

Müssen sich Diabetiker mit Übergewicht an spezielle Diäten halten?

Nein. Basis ist auch bei Diabetikern eine gesunde und ausgewogene Kost, die in Hinblick auf die Mahlzeiten- und Kohlenhydratverteilung individuell an die medizinische Therapie angepasst wird, damit eine optimale Blutzuckereinstellung erreicht werden kann.

Gibt es spezielle Behandlungen für Diabetiker mit Übergewicht und/oder Adipositas?

Grundlegend gelten die gleichen Therapiemöglichkeiten wie bei Personen ohne Diabetes mellitus. Zusätzlich gibt es aber bestimmte Medikamente bei Diabetes mellitus, die sich positiv auf das Körpergewicht auswirken. Dies liegt aber in der Entscheidung des behandelnden Arztes.

Was ist Ihrer Meinung nach der am weitesten verbreitetste Irrglaube in Bezug auf Übergewicht und Adipositas?

Es gibt sehr viele unterschiedliche Meinungen und im Internet findet man diverse Mythen. Mir fällt in den Beratungen immer wieder auf, dass Patienten glauben, Kohlenhydrate machen dick. Kohlenhydrate liefern ca. 4 kcal/g, Fett hingegen ca. 9 kcal/g. Kohlenhydrate können, wenn sie im Übermaße genossen werden und nicht auf die richtige Auswahl geachtet wird, ebenso zu Übergewicht beitragen. Werden mehr Kohlenhydrate zugeführt als verbraucht werden können, wandelt die Leber die Kohlenhydrate in Fett um. Um ein Energiedefizit zu erreichen, kann die Kohlenhydrat- oder die Fettmenge oder beides reduziert werden. Statt Erdäpfel mit Butter kann man auf Erdäpfel mit magerem Topfenkäse umsteigen, oder Spaghetti mit einer Tomaten-Gemüsesauce anstatt Spaghetti mit einer Schinken-Obers-Sauce. Diesen Mythen entgegenwirken kann man mit Beratungen durch Fachpersonal, und man sollte nur Empfehlungen folgen, die wissenschaftlich begründet sind.

Quelle: Befund Diabetes Österreich 2/2014

02.02.15

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