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Hautpflege während der Krebstherapie

Wie sich die Krebstherapie auf die Haut auswirken kann

Die verschiedenen Therapien, die gegen Krebs eingesetzt werden, können auch unangenehme Auswirkungen auf die Haut haben. Krebspatienten sollten daher besonders auf ihre Hautpflege achten sowie einige Verhaltenstipps in Bezug auf ihre Haut berücksichtigen.

Wie die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) berichtet, können die verschiedenen Krebstherapien beispielsweise zu trockener und schuppiger Haut führen oder auch Rötungen, Flecken, allergische Reaktionen, Ausschläge, entzündliche Veränderungen und Schwellungen verursachen. Diese Auswirkungen können unangenehm sein, immerhin gehen sie jedoch i. d. R. wieder zurück, wenn die Therapie abgeschlossen ist.

Krebspatienten sollten allgemein ihre Haut während der Therapie nur mit lauwarmem Wasser reinigen – nicht zu intensiv und nicht zu häufig, so die DKG. Eingesetzte Pflegeprodukte sollten seifenfrei und mild sein. Inhaltsstoffe können z. B. Aloe Vera, Avocadoöl oder Calendula sein. Vorsicht sollten Krebspatienten zudem im Umgang mit der Sonne walten lassen – die Haut muss unbedingt vor UV-Strahlung geschützt werden. Daher sollte man eine Sonnencreme auftragen, die mindestens einen Lichtschutzfaktor von 15 enthält und die direkte Sonne am besten ganz meiden.

Auswirkungen der Chemotherapie auf die Haut

„Krebsmedikamente haben die Aufgabe, schnell wachsende Zellen von Krebsgeschwüren entweder zu zerstören oder zumindest in ihrem Wachstum und ihrer Verbreitung zu hemmen. Klassische Chemotherapeutika tun dies meist relativ unspezifisch, indem sie z. B. Zellteilungsmechanismen hemmen. Dies betrifft dann aber leider nicht nur die bösartigen Zellen, sondern ebenso andere schnell teilende Zellen wie etwa im Darm oder in der Haut“, erklärt Prof. Dr. Hjalmar Kurzen, Freising.

Wie die Uniklinik Münster berichtet, können u. a. allergische Reaktionen mit Rötungen und Flecken, Juckreiz und Schwellungen auftreten, darüber hinaus kann es zu einer Dunkelfärbung der Haut (Hyperpigmentation) und einer Empfindlichkeit gegenüber Sonneneinstrahlung (Photosensibilisierung), sowie zu Rötungen, Bildung von Bläschen und Hautabschuppungen (Aufflammphänomen) oder zu einer schmerzhaften Rötung der Hand- und Fußsohlen (Hand-Fuß-Syndrom) kommen. Besonders der Einsatz der modernen EGFR-Inhibitoren (sog. zielgerichtete Therapien) kann zu Nebenwirkungen an der Haut führen, berichtet die Bayerische Krebsgesellschaft in ihrem Ratgeber Nebenwirkungen der Tumortherapie.

Veränderungen an den Nägeln

Ähnliches gilt für die Nägel, die ebenfalls anfällig für die Wirkstoffe der Krebstherapie sind: Hier kann es nach Angaben der Uniklinik Münster zu Wachstumsstörungen kommen – dadurch werden die Nägel brüchiger. Bedingt durch das gestörte Nagelwachstum treten Quer- oder Längsfurchen sowie Verfärbungen auf, im schlimmsten Fall löst sich der Nagel ab.

Was können Krebspatienten tun?

Wichtig ist es zum einen, die Haut genau zu beobachten und sich bei Veränderungen Rat und Hilfe bei Ärzten und Pflegepersonal einzuholen. Zum anderen sollte man gewisse Grundregeln bei der Hautpflege einhalten. Dazu gehören zunächst Hygienemaßnahmen wie das Verwenden von Einmalhandtüchern bzw. das häufige Wechseln von Handtüchern und Waschlappen. Rückfettende Cremes sollten zur Hautpflege verwendet werden – in Absprache mit dem behandelnden Arzt. Diese sollte keine Parfümstoffe enthalten und pH-neutral sein, rät die Uniklinik Münster. Auch die Kleidung sollte die Haut nicht reizen, sondern bequem und am besten aus natürlichen Materialien sein wie Baumwolle, Leinen oder Seide. „Trockene, juckende Haut sollte mit urea-, glycerol- oder panthenolhaltigen Cremes gepflegt, heiße Bäder oder Duschen dagegen vermieden werden.“ Sofern rote Flecken am ganzen Körper auftreten (Exanthem), sei es wichtig, einen Hautarzt hinzuzuziehen.

Die Nägel können laut Bayerischer Krebsgesellschaft schon bei der Gabe der Chemotherapie geschützt werden, indem man möglichst eisgekühlte Handschuhe und Socken trägt. Durch die dadurch herabgesetzte Blutzirkulation kann das Medikament dann nicht zu den Wurzeln der Nägel gelangen. Auch Silikonnagellack kann die Nägel stärken und schützen, wenn er einmal pro Woche am Vorabend der Chemotherapie aufgetragen wird. Allerdings sollte man darauf achten, zum Entfernen keine alkohol- oder azetonhaltigen Nagellackentferner zu benutzen. Ebenfalls sinnvoll sind Baumwoll-Handschuhe – sowohl zur Vorbeugung von Einrissen als auch, wenn schon Nagelschäden aufgetreten sind.

Hand-Fuß-Syndrom

Bei manchen Chemotherapien tritt zudem das Hand-Fuß-Syndrom auf. „Dies kann bei Chemotherapien der Fall sein, bei denen die Wirksubstanzen auch über die Schweißdrüsen der Haut ausgeschieden werden. An der Hautoberfläche kommt es dann im Schweiß zu chemischen Reaktionen, die zu Entzündungen und Reizungen führen. „Dies äußert sich in Rötung, Kribbeln, Brennen und Beißen bis hin zu Blasenbildung“, klärt Prof. Kurzen auf. Es gebe hier verschiedene antioxidativ wirkende Cremes, die die beschriebene chemische Reaktion im Zaum halten. „Es hilft außerdem auch, die Haut zu kühlen“, betont Prof. Kurzen.

Prurigo simplex

Darüber hinaus kann im Rahmen der Therapie auch ein sog. Prurigo simplex auftreten. „Generell wird Juckreiz (Pruritus) dann als Prurigo bezeichnet, wenn er mit Knötchenbildung und sichtbaren Kratzspuren einhergeht“, erläutert er. Je nach verabreichten Krebsmedikamenten würden sich unterschiedliche Maßnahmen zur Bekämpfung des Juckreizes eignen. „Generell hilft eine Lichttherapie sehr gut gegen Juckreiz, darf jedoch nicht verwendet werden bei manchen Chemotherapeutika, die den Körper lichtempfindlich machen“, bemerkt er. Auf alle Fälle ist es wichtig, die Haut bestmöglich zu pflegen und mit harnstoff- oder glycerolhaltigen Lotionen und Cremes zu behandeln. „Häufig wird Juckreiz stillenden Rezepturen auch Polidocanol (ein Lokalanästhetikum), Kampher, Cromoglicinsäure (ein Mastzellstabilisator) oder Menthol zugegeben“, klärt Prof. Kurzen über die Inhaltsstoffe auf.

Hautprobleme während der Strahlentherapie

Auch die Bestrahlung während einer Krebstherapie kann der Haut zusetzen. „Die verwendeten Strahlen sollen im Tumor bzw. der Metastase ihre maximale Wirkung aufbauen und die Tumorzellen zerstören“, erklärt Prof. Kurzen. Durch moderne Planung könne dies fast so exakt geschehen wie mit dem Messer („Einzeitkonvergenzbestrahlung“). „Manchmal müssen jedoch größere Flächen, z. B. das Abflussgebiet eines Tumors in Richtung der nächsten Lymphknotenstation bestrahlt werden, um bekannte der vermuteten Tumorzellen zu zerstören“, macht der Experte deutlich. Hierbei lasse es sich nicht vermeiden, dass die darüber liegende Haut in Mitleidenschaft gezogen werde. Es komme auch in der Haut zu Zelluntergang und damit verbunden zu Entzündungen. Rötung, Schmerzen und Juckreiz sind die Folge. „Die Haut wird trocken und spröde“, berichtet Prof. Kurzen.

Worauf sollte man bei der Pflege der Haut achten?

„Während früher die Empfehlung galt, eine Strahlendermatitis nur trocken zu behandeln und den Wasserkontakt zu minimieren, wird dies heute etwas pragmatischer gesehen“, erklärt er. Die Haut könne mit schonenden pH-Werten neutralen Syndets gewaschen werden.“ Bei Rötung und Spannungsgefühl würden sich Panthenol- oder Aloe vera-haltige Cremes und Gele eignen.

Patienten, die mit Strahlentherapie behandelt werden, sollten außerdem auf die bestrahlte Körperregion achtgeben und in diesem Bereich beispielsweise auf Schmuck und enge Kleidung verzichten. Zudem sollten sie Vorsicht walten lassen bei dem Gebrauch von Seife, Deos, alkoholhaltigen Lösungen oder Cremes an der Strahlenein- und austrittsstelle, so der Krebsinformationsdienst. Der Arzt oder das Pflegepersonal kann Hinweise geben, wie die Haut gepflegt werden sollte. Wichtig ist, dass die Haut beim Waschen nicht aufweicht. Auch mit Temperaturreizen sollten man unter Strahlentherapie vorsichtig sein, heißt es weiter. Föhnen, Eispackungen oder Wärmflasche können dann eher unangenehm sein.

Wenn die Haut trotz guter Pflege dennoch insgesamt schmerzt, können ggf. zusätzlich Entspannungsübungen wie Yoga oder autogenes Training helfen. „Manchmal reicht aber auch ein bisschen Abwechslung, die den Kopf auf andere Gedanken bringt“, lautet der Tipp des Experten.

Bei Hautproblemen während einer Krebstherapie sollten sich Betroffene an einen Hautarzt wenden, idealerweise einen Hautarzt, der selbst Erfahrung mit Krebstherapien hat.

Zielgerichtete Therapien: Patienten besonders gefährdet für Hautprobleme

Besonders bei den sog. zielgerichteten Therapien, die seit einigen Jahren bei verschiedenen Krebsarten eingesetzt werden, kann es zu Problemen mit der Haut kommen. Bei einigen dieser Medikamente wie den sog. EGFR-Hemmern ist diese Nebenwirkung sogar häufig, so der Krebsinformationsdienst. Eine Studie zeigte nach Angaben der DKG, dass eine rückfettende Hautcreme als vorbeugende Maßnahme verwendet werden sollte, wenn eine Therapie mit zielgerichteten Medikamente geplant ist. Ansonsten können auf diese Weise behandelte Patienten neben den bereits angesprochenen allgemeinen Hinweisen zur Reinigung und Hautpflege besonders darauf achten, hohe Raumtemperaturen zu vermeiden und für eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit zu sorgen. Zudem sollten sie Reibung und Druck durch Kleidung oder Schmuck vermeiden. Bei der Auswahl von Cremes und Lotionen sollte man vorab Rücksprache mit dem Arzt halten, welche Produkte sinnvoll sind. Oft kann dieser Empfehlungen aussprechen.

Quelle: Leben? Leben! 3/2015

14.10.15

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