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Hilfsmittel in der COPD-Therapie

Menschen, die unter COPD leiden und in der gesetzlichen Krankenkasse versichert sind, haben einen Anspruch auf Versorgung mit Hilfsmitteln. Geregelt wird dies im § 33 des fünften Sozialgesetzbuches. Dort heißt es, dass Versicherte „Anspruch auf Versorgung mit Hörhilfen, Körperersatzstücken, orthopädischen und anderen Hilfsmitteln, die im Einzelfall erforderlich sind, [haben,] um den Erfolg der Krankenbehandlung zu sichern, einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder eine Behinderung auszugleichen[…].“ Keine Hilfsmittel sind allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens, die auch von Nicht-COPD-Betroffenen benutzt werden. Beispielsweise zählt eine Bandscheibenmatratze zu den Gebrauchsgegenständen des täglichen Lebens. Eine Anti-Dekubitus-Matratze dagegen ist ein Hilfsmittel. Denn diese wird speziell für die Bedürfnisse kranker Menschen produziert und ausschließlich von diesen benutzt. Hilfsmittel in der COPD-Therapie sind ausschließlich bewegliche Gegenstände, die von Betroffenen getragen oder mitgenommen werden können. Das bedeutet, dass weder Umbauten von Immobilien, Dienstleistungen noch fest eingebaute Inventarbestandteile Hilfsmittel sind. Ein behindertengerechter Fahrstuhl z. B. wird nicht von der Krankenkasse übernommen, Deckenlifte dagegen zählen laut O2-Report der Deutschen Sauerstoffliga i. d. R. zu den Hilfsmitteln.

Peak-Flow-Meter und Co.

Ein Hilfsmittel in der COPD-Therapie ist das sog. Peak-Flow-Meter. Mit diesem können COPD-Patienten ihre Lungenfunktion selbstständig messen und überwachen. Zum Selbsttest pustet der Patient kräftig in das Mundstück hinein. Das Gerät ermittelt den höchsten Wert der Atemstromstärke, den Peak-Flow. Bei COPD-Betroffenen schwankt dieser nicht so stark wie bei von Asthma Betroffenen. Bei regelmäßiger Anwendung kann die Bestimmung des Peak-Flows den COPD-Betroffenen helfen, den Krankheitsverlauf langfristig zu beobachten und ggf. die Medikation anzupassen. Damit das Peak-Flow-Meter bei COPD von der Krankenkasse erstattet wird, muss der Arzt dieses verschreiben. Ebenso kann die Krankenkasse digitale Lungenfunktionstests zur täglichen Kontrolle erstatten. Hiermit können verschiedene Werte wie beispielsweise der FEV1-Wert (Forciertes Einsekunden-Volumen oder Einsekunden-Kapazität) oder der Peak-Flow gemessen werden.

Mithilfe eines Pulsoximeters können COPD-Betroffene in den eigenen vier Wänden messen, wie gut ihr Blut mit Sauerstoff gesättigt ist. Unter dem Begriff „Sauerstoffsättigung“ versteht man, wie stark das Hämoglobin, ein Eiweiß-Bestandteil roter Blutkörperchen, mit Sauerstoff beladen ist. Werte zwischen 93 % und 96 % sind die Regel bei Gesunden. Die Messung ist einfach und schmerzfrei. Pulsoximeter können vom Arzt verordnet werden.

Inhalationstherapie

Viele Betroffene profitieren von einer Inhalationstherapie. Je nach verordnetem Wirkstoff können durch das Einatmen des Medikamentes über ein Inhaliergerät die Bronchien erweitert werden und/oder Entzündungen gehemmt werden. Das Sortiment an Inhaliergeräten ist in Deutschland groß, was einerseits eine bestmögliche Therapie gewährleistet, andererseits aber auch gute Kenntnisse in der Auswahl erfordert. Unterschieden werden können vier Inhalationssysteme: Dosieraerosole, Trockenpulverinhalatoren, Druckluft- bzw. Ultraschallvernebler und die neue Gruppe der Doppelstrahlimpaktionsinhalatoren. Grundsätzlich muss das Gerät gewährleisten, dass eine ausreichende Menge Wirkstoff in die Bronchien gelangt und gleichzeitig möglichst wenig Wirkstoff im Mund-Rachenraum verbleibt, was, insbesondere bei Kortison, Heiserkeit und Pilzbefall auslösen kann.

Das neueste System sind die Doppelstrahlimpaktionsinhalatoren, die den Wirkstoff über eine Feder in ein Zwei-Düsen-System gelangen lassen und so eine Aerosolwolke entstehen lässt. Die treibgasbetriebenen Dosierareosole geben den Wirkstoff unabhängig von der Stärke der Einatmung in passender Größe zum Erreichen der Bronchien ab, aber die genaue Koordination von Auslösung des Hubs und Einatmung ist entscheidend. Dabei hilft ein Spacer, eine Verlängerung des Mundstücks, die die passende Wirkstoffmenge vom Zeitpunkt der Einatmung unabhängig macht. Wichtig ist, dass nur ein Hub auf einmal in den Spacer gedrückt wird. Bei Trockenpulverinhalatoren ist die Stärke der Einatmung entscheidend, da der Wirkstoff dadurch in kleine, inhalierbare Partikel zerteilt wird, um bis in die Bronchien zu gelangen. Für jeden Trockenpulverinhalator gibt es besondere Hinweise, jedoch gilt für alle, dass das Mundstück zwischen den Zähnen gehalten werden muss, damit der Wirkstoff nicht an den Zähnen hängen bleibt. Ultraschall- oder Druckluftvernebler kommen i. d. R. zum Einsatz, wenn andere Systeme nicht wirksam waren. Über eine Trägersubstanz, meist Kochsalzlösung, wird der Wirkstoff in einem feinen Flüssigkeitsnebel in ca. 15 Minuten in die Bronchien eingebracht. Der Verneblerkopf sollte nach einem Jahr ausgetauscht werden und kann ebenso wie die vorgenannten Inhalierhilfen und -geräte vom Arzt verordnet werden.

Atemtherapie

Atemtraining trainiert die Atemmuskeln und kann so die Atemleistung verbessern. Grundsätzlich können Einatem- und Ausatemmuskeln trainiert werden. Letzteres ist besonders für COPD-Betroffene sinnvoll, da dadurch die Lunge besser belüftet und die Sauerstoffaufnahme erhöht wird. Sog. PEP-Geräte (engl.: Positive Expiratory Pressure; dt.: positiver exspiratorischer Druck) sind Geräte, bei denen Betroffene gegen einen positiven Druck ausatmen. Oszillierende PEP-Systeme lösen durch Vibrationen den zähen Schleim von den Bronchialwänden. Dieser kann daraufhin von den Betroffenen leicht abgehustet werden. Dies verhindert, dass Bakterien sich einnisten und Infektionen entstehen. Aufgrund eines drohenden Rückfalls sollten allerdings Patienten mit einem Pneumothorax das Atemtraining nicht durchführen. Im Zweifelsfall sollte auf jeden Fall der behandelnde Arzt um Rat gefragt werden. Denn bei unsachgemäßer Anwendung oder wenn Gegenanzeigen vorhanden sind, kann Lungentraining lebensgefährlich werden.

Weitere Hilfsmittel bei COPD

Je nachdem, wie der körperliche Zustand des Betroffenen ist, können auch Hilfsmittel wie Rollatoren, Rollstühle, Duschhocker oder Greifarme vom Arzt verordnet werden. Die Kosten werden ganz oder teilweise von der Krankenkasse übernommen. Für Sauerstoff-Patienten können Verlängerungen, die uneingeschränkte Bewegungsfreiheit daheim ermöglichen, oder Sauerstoffnasenbrillen sinnvoll sein. In der Grundausstattung sind meistens Brillen aus PVC enthalten. Menschen mit einer PVC-Allergie werden die Kosten einer Silikon-Nasenbrille erstattet. Weitere Hilfsmittel sind mobile Sauerstoffsysteme, die die Mobilität erhöhen, und spezielle Rucksäcke und Rollatoren, die den Transport der Sauerstoffsysteme erleichtern.

Quelle: COPD und Asthma 4/2016

01.02.17

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