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Hirnschrittmacher mildert spontane Bewegungen beim „Veitstanz“

Die unkontrollierbaren Bewegungen, die das Leben von Menschen mit Chorea Huntington erschweren, können mit einem Hirnschrittmacher reduziert werden. Dies zeigt eine Pilotstudie der Universität Düsseldorf. Sollten sich die Ergebnisse in einer europaweiten Anschlussstudie bestätigen, stünde nach Auskunft der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGNK) eine wirksame Behandlung zur Verfügung, die schwerwiegende motorische Symptome der Nerven-Erkrankung bessern könnte.

Etwa 8.000 Menschen leiden in Deutschland an Chorea Huntington. Bei der genetisch bedingten Erkrankung des Gehirns kommt es unangekündigt zu spontanen Bewegungen der Arme, Beine oder des Rumpfs. Begleitend treten krampfartige Fehlhaltungen, sogenannten Dystonien, auf. „Die Ursache der Chorea Huntington ist eine bisher nicht heilbare Störung im Gehirns, die mit dem Untergang bestimmter Nervenzellnetzwerke tödlich endet“, berichtet Professor Dr. med. Alfons Schnitzler, Präsident der DGKN vom Universitätsklinikum Düsseldorf. Betroffen sind die Basalganglien, die im Gehirn neben Bewegungen, das Denken und das Fühlen koordinieren. Die Patienten leiden daher zunehmend auch unter emotionalen Störungen und entwickeln schließlich eine Demenz.

Anfangs lassen sich die motorischen Symptome oft noch mit Medikamenten beeinflussen. „Bei schwerer Ausprägung der Symptome ist die Wirkung der Medikamente aber meist nicht ausreichend oder mit zu starken Nebenwirkungen verbunden“, so Professor Schnitzler. Sechs dieser therapieresistenten Patienten nahmen in Düsseldorf an einer Pilotstudie zur tiefen Hirnstimulation teil. Hierbei implantieren Neurochirurgen Elektroden in die betroffenen Basalganglien der Patienten, die den Globus pallidus internus (GPI) stimulieren. „Denn Impulse in dieser Region lindern nachweislich Bewegungsstörungen auch bei Patienten mit Morbus Parkinson und Dystonien,“ so der Erstautor der Studie Dr. med. Lars Wojtecki. Über die gleichen Elektroden konnten die Ärzte auch den Globus pallidus externus (GPE) stimulieren. Eine tierexperimentelle Studie hatte gezeigt, dass die Stimulation dieses Bereichs kognitive Störungen verbessert. „Möglicherweise könnten wir so auch die kognitiven Symptome bei unseren Patienten verbessern“, sagt Dr. Wojtecki.

In der Düsseldorfer Pilotstudie erwiesen sich beide Stimulationspunkte als wirksam. Wie die Gruppe um Dr. Wojtecki in Frontiers in Neurology berichtet, reduzierten sich die Überbewegungen (Chorea) um 60 Prozent. Die Auswirkungen auf die Fehlhaltungen (Dystonien) waren nicht eindeutig. „Bei drei von sechs Patienten kam es zu einem Rückgang auch dieser unkontrollierbaren Bewegungsstörung“, berichtet Dr. Wojtecki. Zudem verbesserte die Hirnstimulation die Stimmung und die Lebensqualität der Patienten deutlich. Ob die Stimulation des GPE die Symptome einer Demenz bessern kann, wissen die Forscher nach sechs Monaten Behandlung noch nicht. „Die kognitiven Fähigkeiten haben sich bisher im Alltag zwar nicht verändert“, so Dr. Wojtecki „allerdings fanden wir in einer begleitenden experimentellen EEG-Studie positive kognitive Effekte bei Stimulation des Globus pallidus externus – ähnlich den tierexperimentellen Ergebnissen aus der Literatur.

Alle sechs Patienten haben die Operation ohne Komplikation überstanden. Nebenwirkungen, die unter der Therapie auftraten, besserten sich nach dem Umstellen des Hirnschrittmachers. Eine europaweite Studie hat laut Dr. Wojtecki bereits begonnen. An ihr sollen in den nächsten zwei Jahren europaweit etwa 50 Patienten teilnehmen, darunter auch fünf bis zehn aus Düsseldorf.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung

02.09.15

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