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Inkontinenz bei urologischen Krebserkrankungen

Ungewollter Harnverlust ist eine nicht seltene Folge der Therapie von urologischen Krebserkrankungen wie Prostatakrebs oder Blasenkrebs – aber dennoch häufig ein großes Tabuthema. Vor allem Männer mit Prostatakrebs können vorübergehend oder auch dauerhaft von einer Harninkontinenz betroffen sein. Bei Blasenkrebspatienten und -patientinnen kann es beispielsweise für einige Tage zu einer Harninkontinenz kommen, wenn sie sich einer sog. transurethralen Elektroresektion unterzogen haben. Ein Sonderfall bei Blasenkrebs tritt ein, wenn die Blase ganz entfernt werden muss.

Urologen unterscheiden zwischen zwei Formen der Harninkontinenz: der Belastungs- und der Dranginkontinenz. Wie die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) berichtet, tritt die Belastungsinkontinenz beispielsweise beim Lachen oder Niesen, in leichteren Fällen bei schwerer körperlicher Arbeit auf, in sehr schweren Fällen aber auch im Liegen bzw. Ruhen. Hierbei kommt es oft zu einem tröpfchenweisen Urinabgang, der dennoch für viele Betroffene sehr unangenehm ist. Besonders oft leiden Frauen darunter, die beispielsweise mehrere Kinder geboren haben und dadurch eine Beckenbodenschwäche aufweisen, aber auch nach Operationen oder einer Strahlentherapie kann eine solche Belastungsinkontinenz auftreten. Daher sind auch Männer betroffen, beispielsweise nach einer radikalen Prostatakrebsoperation.

Bei der sog. Dranginkontinenz leben die Betroffenen mit dem Gefühl einer übervollen Blase und schnellem Harndrang und müssen sehr häufig die Toilette aufsuchen – was nicht immer rechtzeitig gelingt, sodass sich der Urin schwallartig entleert, so die DGU. Ursachen hierfür sind beispielsweise Blaseninfektionen, die laut Krebsinformationsdienst beispielsweise mit einigen der bei Blasenkrebs angewandten Therapien einhergehen können. Zudem gibt es Mischformen aus Drang- und Belastungsinkontinenz.

Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten und auch Hilfsmittel für Krebspatienten, die unter Harninkontinenz leiden. Bei Belastungsinkontinenz kann vor allem Beckenbodentraining hilfreich sein, sowohl für Frauen als auch für Männer. Operative Verfahren sind beispielsweise das Einbringen eines sog. Harnröhrenbandes bzw. -schlingen oder, bei sehr ausgeprägten Formen der Inkontinenz, die Implantation eines künstlichen Blasenschließmuskels, so die DGU. Letztere wird in spezialisierten Zentren angeboten und hat eine hohe Erfolgsrate, heißt es weiter, allerdings müssen die Patienten diesen bei jedem Toilettenbesuch manuell bedienen. Zudem können Infektionen durch Bakterien auftreten.

Bei der Dranginkontinenz können Medikamente eingesetzt werden. Dazu zählen beispielsweise sog. Anticholinergika, die die Aktivität des Blasenmuskels reduzieren können, informiert die DGU. Es gibt verschiedene Präparate auf dem Markt, die zwar ein ähnliches Wirkprinzip haben, aber dennoch vom behandelnden Urologen ausgewählt werden müssen, je nach möglichen Begleiterkrankungen und Alter des Patienten. Zudem ist es möglich, das Zellgift Botulinumtoxin in den Blasenmuskel spritzen zu lassen.

Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft weist darauf hin, dass bei Männern nach einer Prostatakrebsoperation die Inkontinenz zum einen aufgrund einer Verletzung des Schließmuskels auftreten kann. Hier gibt es vorwiegend physikalische Behandlungsmethoden: Dazu zählen das bereits angesprochene Einsetzen eines Harnröhrenbandes oder eines künstlichen Schließmuskels. Zudem kann man sog. „bulking agents“ in den Schließmuskelbereich einspritzen lassen. Zum anderen kann die Inkontinenz durch eine Überaktivität der Blase ausgelöst sein, hier können, so die Deutsche Kontinenz Gesellschaft, beispielsweise Medikamente hilfreich sein. Wichtig sei es, mit dem Urologen zu klären, was die Ursache der Inkontinenz ist.

Wenn die Blase ganz entfernt werden muss, was zum einen als Therapie bei fortgeschrittenem Blasenkrebs aber laut DGU auch bei sehr schweren Fällen von Harninkontinenz angewendet wird, erfolgt die Harnableitung über eine Ersatzblase (sog. Neoblase), über die Haut (sog. Pouch), der z. B. aus dem Blinddarm hergestellt wird und wobei die Harnröhre im Bauchnabelbereich endet, oder einem Conduit, eine Art „nasses Stoma“, bei dem der Urin kontinuierlich aus der Bauchöffnung sickert, so der Krebsinformationsdienst.

Wichtig ist jedoch zu wissen: In vielen Fällen verschwindet die Harninkontinenz nach der Krebstherapie bzw. durch Beckenbodentraining auch wieder, z. B. nach einigen Wochen oder Monaten bzw. Ablauf eines Jahres. Ggf. reicht es dann aus, bestimmte Hilfsmittel in der Zwischenzeit zu verwenden. Dazu zählen saugstarke Ein- bzw. Vorlagen für den Slip, die heutzutage meist recht diskret ausfallen und auch der Geruchsbildung entgegenwirken sollen und meist in speziellen Größen und Saugstärken angeboten werden. Diese können mit Netzhosen fixiert werden. Es gibt auch spezielle Pants sowie Windelhosen. Erstere sitzen um den gesamten Intimbereich, sodass nichts auslaufen kann. Windelhosen sind ähnlich, sitzen jedoch nicht ganz so passgenau wie Pants. Sie können aber mit Netzhosen fixiert werden. Für Männer sind zudem sog. Kondom-Urinale verfügbar, die über den Penis gestreift und mit Haftkleber fixiert werden. Der Urin wird dabei in einen Urinauffangbeutel geleitet, ähnlich wie bei einem Katheter.

Quelle: Befund Krebs 3/2014

20.04.17

Nebenwirkungen und Folgen der Therapie
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