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Insektengiftallergie: Vorbeugung und Erste Hilfe

Eine Insektengiftallergie kann sich in jedem Alter entwickeln – einzige Voraussetzung: Zuvor muss bereits ein Erstkontakt mit dem Gift stattgefunden und der Körper dieses als potenziell gefährlich ausgemacht haben, sodass er beim nächsten Kontakt überschießend auf das in geringen Dosen harmlose Gift reagiert. Der Entstehung einer Insektengiftallergie lässt sich bislang nicht vorbeugen, durch eine sog. spezifische Immuntherapie (SIT), auch Hyposensibilisierung genannt, ist es jedoch möglich, die allergische Reaktion abzuschwächen und damit lebensgefährlichen Komplikationen, der sog. Anaphylaxie, vorzubeugen.

Am häufigsten treten allergische Reaktionen nach dem Stich von Bienen oder Wespen auf, in einer geringeren Anzahl von Fällen gibt es auch allergische Reaktionen auf das Gift von Hummeln und Hornissen. Bei bis zu 25 % der Bevölkerung treten nach dem Stich schwere lokale Reaktionen auf, d. h. starke, gerötete Schwellungen mit einem Durchmesser von mehr als zehn Zentimetern, die länger als 24 Stunden anhalten, so die Leitlinie zur Diagnose und Therapie der Bienen- und Wespengiftallergie. Bei 3,5 % der Bevölkerung kommt es sogar zu einer anaphylaktischen Reaktion.

Die anaphylaktische Reaktion

Von einer anaphylaktischen Reaktion sprechen Mediziner, wenn der Körper auf ein Allergen nicht nur lokal begrenzt, etwa auf ein Hautareal, reagiert, sondern die Symptome den ganzen Körper betreffen. Bei der Insektengiftallergie kann die anaphylaktische Reaktion einerseits ausschließlich die Haut betreffen – allerdings ist sie dann i. d. R. nicht nur auf einen umschriebenen Bezirk begrenzt, sondern es treten neben einer starken Schwellung an der Einstichstelle meistens auch starker Juckreiz, Rötungen oder Nesselsucht bzw. alle Symptome gemeinsam auf. Neben Hautreaktionen sind bei einer Anaphylaxie zudem Übelkeit, Durchfall, Erbrechen und Kreislaufbeschwerden (Blutdruckabfall, Beschleunigung des Herzschlags) häufig. In noch schwereren Fällen kommen Atemwegsbeschwerden mit Atemnot, Schock und Bewusstseinstrübung hinzu. Diese können unbehandelt zum Kreislauf- oder Atemstillstand und damit zum Tod führen. Eine solche anaphylaktische Reaktion tritt bei Insektengiftallergien im Vergleich zu anderen Allergien häufiger auf.

Bei Verdacht auf eine Allergie zum Arzt

Machen sich nach einem Insektenstich erstmals stärkere Symptome als üblich bemerkbar, d. h. ist die Schwellung besonders ausgeprägt und hält lange an, sollten Betroffene möglichst bald den Arzt aufsuchen. Der Arzt wird zunächst die Krankengeschichte aufnehmen und anhand der Symptome überprüfen, ob ein erhöhtes Risiko für eine Insektengiftallergie sowie für eine anaphylaktische Reaktion besteht. Dies ist vor allem bei Berufsgruppen der Fall, die häufig mit Bienen oder Wespen in Kontakt kommen, z. B. bei Menschen, die im Freien arbeiten, bei Verkäufern von Backwaren oder Obst und natürlich bei Imkern. Der Arzt wird zudem fragen, ob neben der starken Schwellung weitere Beschwerden nach dem Insektenstich aufgetreten sind. Auch wird er sich vermutlich nach Vorerkrankungen wie Asthma oder Herz-Kreislauferkrankungen erkundigen, denn diese erhöhen die Gefahr für eine Anaphylaxie. Daneben wird er Blut abnehmen und überprüfen, ob die für eine Allergie typischen IgE-Antikörper im Blut zu finden sind. Die Leitlinie empfiehlt zudem Hauttests mit dem vermutlich auslösenden Gift und die Wiederholung der Überprüfung des Bluts auf Antikörper nach vier bis sechs Wochen. Ein solcher Hauttest wird unter engmaschiger Beobachtung (u. U. sogar im Krankenhaus) durchgeführt, um bei einer anaphylaktischen Reaktion sofort eingreifen zu können.

Stellt sich heraus, dass die Gefahr für eine sog. systemische Soforttypreaktion, d. h. für eine Anaphylaxie, besteht, wird der Arzt u. U. eine spezifische Immuntherapie (SIT) empfehlen, bei der der Patient über einen längeren Zeitraum (i. d. R. drei bis fünf Jahre) allmählich an eine bestimmte Menge des Gifts gewöhnt wird, auf das er allergisch reagiert. Dies soll die allergische Reaktion abmildern und die Gefahr für eine anaphylaktische Reaktion reduzieren. Daneben sollten Betroffene bestimmte Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz vor Insektenstichen beachten und jederzeit Medikamente zur Behandlung der Allergie bei sich führen, die sie im Notfall sofort einsetzen können (sog. Notfallset).

Schutzmaßnahmen zur Vorbeugung von Stichen

Alle von einer Insektengiftallergie Betroffenen können selbst dazu beitragen, Insektenstichen vorzubeugen. Das bedeutet u. a., bei Tätigkeiten im Freien möglichst Kleidung mit langen Ärmeln und lange Hosen sowie geschlossenes Schuhwerk zu tragen, kein Parfum zu benutzen, sich von Mülleimern, blühenden Pflanzen sowie von Obstbäumen und Fallobst fernzuhalten. Außerdem sollten Betroffene im Freien auf den Verzehr von Speisen verzichten, Getränke abdecken, beim Trinken aus Flaschen einen Strohhalm verwenden und stets darauf achten, ob sich in der Flasche oder im Glas eine Biene oder Wespe befindet. Trotz der Allergie sollten Betroffene hektische Bewegungen vermeiden, wenn sie eine Biene oder Wespe sehen. Am besten ist es, vorsichtig den Rückzug anzutreten. An die Fenster der eigenen Wohnung sollten Menschen mit Insektengiftallergie Insektengitter anbringen, die verhindern, dass Bienen oder Wespen, aber auch andere Insekten wie Mücken in die Wohnung gelangen. Türen oder Fenster, die nicht damit geschützt werden können, sollten zum Lüften nur abends geöffnet werden. Von Bienenstöcken oder Wespennestern sollten sich Betroffene ebenfalls fernhalten. Sollten Wespen (oder Hornissen) am Haus ein Nest gebaut haben, ist es sinnvoll, sich mit Experten in Verbindung zu setzen, die das Nest sachgerecht entfernen und umsiedeln.

SIT und Notfallset

Empfiehlt der Arzt eine SIT, ist es für Betroffene sinnvoll, in die Therapie einzuwilligen, da diese die Gefahr für eine Anaphylaxie verringert. Es handelt sich dabei um eine Behandlung, die über einen Zeitraum von mehreren Jahren durchgeführt wird – Therapietreue und die Bereitschaft zu regelmäßigen Arztbesuchen ist daher unbedingt notwendig. Bei der SIT werden den Betroffenen ansteigende Dosen des Insektengifts unter die Haut injiziert, bis eine bestimmte Dosis, die sog. Erhaltungsdosis, erreicht wird. Auf diese Weise soll sich der Körper an das Gift gewöhnen und nicht länger mit starken systemischen Symptomen auf einen Insektenstich reagieren. Die Injektionen des Gifts erfolgen stets in der Arztpraxis oder in einer Klinik, um sofortige Gegenmaßnahmen bei der Gefahr einer anaphylaktischen Reaktion ergreifen zu können. Beginnt die SIT im Winter, erhalten die Betroffenen i. d. R. in der sog. Aufdosierungsphase einmal in der Woche eine ansteigende Dosis des Insektengifts in einer Arztpraxis. Während der „Insektenflugzeit“ hingegen wird u. U. die Aufdosierungsphase in eine Klinik verlegt, um möglichst schnell die individuelle Erhaltungsdosis zu erreichen und den Schutz vor einer anaphylaktischen Reaktion bei einem Stich rasch zu gewährleisten. Die Erhaltungsdosis muss dann nur noch etwa einmal im Monat injiziert werden – allerdings über einen Zeitraum von mindestens drei bis fünf Jahren.

Für den Notfall sollten Menschen mit Insektengiftallergie immer ein Medikamentenset mitführen, das folgende Medikamente enthält:

  • ein Antihistaminikum, das sofort nach dem Stich eingenommen wird,
  • ein Glukokortikoid (Kortison), das rasch auf die betroffene Hautstelle aufgetragen wird,
  • ein Adrenalin-Injektor, mit dem sich die Betroffenen im Falle von Schwellungen im Mund-Hals-Bereich, bei Atemnot oder Herzrasen Adrenalin selbst injizieren können.

Außerdem sollten die Betroffenen danach sofort einen Arzt aufsuchen, u. U. auch den Notarzt rufen. Den Umgang mit den Medikamenten, insbesondere dem Autoinjektor müssen die Betroffenen zuvor lernen. Bei einer erfolgreichen SIT ist die Einnahme der Medikamente und ein Arztbesuch i. d. R. nicht mehr notwendig – es sei denn, es treten Beschwerden auf.

Quelle: allergikus 1/2017

14.06.17

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