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Interview mit Bergsteiger Geri Winkler

Herr Winkler, wann haben Sie von Ihrer Krankheit erfahren?

Im September 1984 wurde Diabetes Typ 1 bei mir diagnostiziert. Ich war damals 28 Jahre alt. Es zeigten sich bei mir die gängigen Symptome inklusive extremer Sehstörungen, die ich aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht einordnen konnte. Ich war gerade von einer 7-monatigen Rucksackreise zurückgekehrt und befürchtete irgendeine seltene, möglicherweise bedrohliche Tropenerkrankung als Ursache. So war die Diagnose Diabetes fast eine Erleichterung für mich.

Wie sind Sie mit der Diagnose umgegangen, vor allem vor dem Hintergrund, dass sie schon immer sehr sport- und reisebegeistert waren?

Ich wollte natürlich die Freiheit meines Lebens vor der Diagnose aufrechterhalten. Da dies nach damaligem medizinischem Wissensstand so gut wie unmöglich erschien, reagierte ich mit Trotz und Verdrängung. Die Folge waren über zwei Jahre lang katastrophale Blutzuckerwerte. Zum Glück habe ich noch rechtzeitig die Kurve bekommen und nach etwa zweieinhalb Jahren ein sehr bewusstes Leben MIT meinem Diabetes begonnen. Sehr motivierend war für mich, dass sich mir trotz konsequenter Diabetes-Therapie schon bald wieder die Freiheiten meines alten Lebens eröffneten.

Wie hat sich ihr Leben durch die Krankheit verändert?

Die Diagnose Diabetes war anfangs ein psychischer und physischer Tiefschlag für mich. Bekannterweise führen aber gerade solche Tiefschläge oft zu ungeahnten Höhenflügen. Warum ist das so? Jeder Mensch hat die Möglichkeit, seine Lebensziele zu definieren, zu korrigieren und mit Energie und Motivation darauf zuzusteuern. Die meisten verzichten jedoch auf diese Möglichkeit. Solange keine Probleme auftreten, verharren viele Menschen lieber in ihrem Trott. Eine Diagnose wie Diabetes, zu Zeiten der konventionellen Therapie war das wirklich eine Einschränkung, reißt den Menschen aus diesem Trott heraus und erleichtert es, sein Leben neu zu bestimmen.

Sie sind der erste Diabetiker, der es bis auf den Mount Everest geschafft hat. Hatten Sie Sorgen, dass Ihre Erkrankung Sie an Ihrem Ziel hindert?

Nein, der Diabetes hat mir keine Sorgen bereitet. Ich war schon zuvor an sehr vielen, auch an sehr hohen Bergen unterwegs. Da habe ich eine Routine entwickelt, die nicht weniger sicher ist, als wenn ich die Diabetes-Therapie im gewohnten Alltag durchführen würde. Meine Chancen, den Gipfel zu erreichen, lagen zu Beginn wohl kaum über 10 %, und das ganz unabhängig vom Diabetes. Nur 22 % der Bergsteiger, die versuchen, den Mount Everest zu besteigen, erreichen auch den Gipfel. Sie alle sind mit dem Flugzeug bis nahe an den Berg angereist. Ich habe die mehr als 8.000 km lange Anreise in vier Monaten mit dem Fahrrad bewältigt, was natürlich weitere Möglichkeiten des vorzeitigen Abbruchs zur Folge hat – Verkehrsunfall, Verletzung, Erkrankung, Überfall. Zudem überleben knapp 6 % der Alpinisten eine/n Besteigung/Besteigungsversuch am Mount Everest nicht. Achttausender können nicht “sicher” bestiegen werden, dafür sind die objektiven, vom Bergsteiger nicht steuerbaren Gefahren zu groß. Diese Fakten und Bedenken sind jedem Höhenbergsteiger bewusst. Viele Menschen lassen ihr Leben von “was wäre wenn”-Ängsten bestimmen. Mit solchen Ängsten kann man ein derartiges Bergabenteuer gar nicht erst beginnen.

Haben Sie Tipps für andere Betroffene, die ebenfalls gerne verreisen?

In einem Satz gesagt: Es gibt kein Reiseabenteuer und keine sportliche Herausforderung, die man aufgrund des Diabetes auslassen müsste. Einzelne, konkrete Tipps hier zu nennen, würde den Rahmen dieses Interviews sprengen. Auf meiner Homepage habe ich einen Anhang nur für Diabetiker verfasst, den jeder einsehen und herunterladen kann. Darin beschreibe ich sehr ausführlich, wie ich mit meinem Diabetes bei meinen Reise- und Bergabenteuern umgegangen bin. Keine Lehrschrift, einfach ein Erfahrungsbericht.

Quelle: Befund Diabetes 02/2013

04.11.13

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