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Jung, Mutter – Brustkrebs

Sprecherin des „NetzwerkStatt Krebs – Macht Mut, mach mit!“ berichtet von ihrer Erkrankung und der Motivation für die Netzwerkgründung

Als Sonja Heller einen Knoten in ihrer Brust entdeckt, ist sie gerade einmal 33. Brustkrebs ist in ihrer Familie bis dato niemals vorgekommen. Das war im Januar 2013. „Es war an einem Samstagabend, ich habe am PC gelesen und den Tumor zufällig entdeckt“, erzählt sie.

Noch heute kann sie sich an diesen Abend ganz genau erinnern. Und auch an die damit verbundenen Gefühle und Ängste. „Ich hatte eine große Angst. Eigentlich denkt man weniger an sich, sondern eher daran, was man für einen Scherbenhaufen hinterlässt, wenn etwas schief geht“, betont sie mit Blick auf ihre beiden Kinder. Damals eineinhalb und drei Jahre alt.

Gleich am Montagmorgen stellt sie sich beim Frauenarzt vor, berichtet von ihrer Entdeckung. „Als junge Frau wird man allerdings erst einmal nicht so ganz ernst genommen“, berichtet sie. Doch dann geht alles relativ schnell: Mammografie und Biopsie bringen die Gewissheit: Es ist Krebs. „Es ist einfach schrecklich. Man hat das Gefühl, man hat ein Monster in der Brust sitzen“, erzählt Sonja Heller. Zweimal wurde sie operiert, erhielt anschließend sechs Chemotherapien und 36 Bestrahlungen. Ihre Aussicht war dabei zunächst nicht besonders gut. „Ich hatte einen triple-negativen Brusttumor. Das ist der Tumor mit der schlechtesten Prognose“, berichtet sie.

Abgesehen von Chemo und Bestrahlung gebe es hier keine weitere Behandlungsmöglichkeit. Auch deshalb sitzt die Angst bei Sonja Heller tief. Sie hofft, dass die Behandlung anschlägt – und sie hat angeschlagen. „Ich bin gesund“, sagt sie heute. Drei Jahre nach Ende der Behandlung sinke die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs bei Frauen mit einem triple-negativen Tumor enorm. „Ich habe drei Jahre lang versucht, positiv zu denken. Man denkt sich in die Zukunft rein, denkt sich: Ich bleibe gesund.“

Diese Zukunft darf Sonja Heller nun erleben, gemeinsam mit ihren Kindern, heute vier und sechs Jahre alt. Die Erinnerungen an die Krankheit bei den beiden sind so gut wie verschwunden. Trotzdem geht die 36-Jährige auch im Rückblick offen mit ihrem Nachwuchs um. So wie sie dies auch während der Erkrankung getan hat. „Wir haben den Kindern erklärt, dass in der Brust etwas gewachsen ist, was raus muss und das die Behandlung notwendig ist, mir auch z. B. die Haare ausfallen“, berichtet sie. „Wir haben erklärt, dass dies alles notwendig ist, damit ich wieder gesund werde.“ Zudem hat Sonja Heller versucht, den Alltag so gut wie möglich weiter zu leben. „Ich habe die Kinder möglichst immer selbst in den Kindergarten gebracht“, sagt sie. Diese Zeit habe sie dann genutzt, um sich auszuruhen oder, wenn möglich, etwas spazieren zu gehen. „Im Großen und Ganzen habe ich die Chemotherapie gut verkraftet, aber ich habe viel geschlafen, mir war schwindelig und ich stand schon ab und zu neben mir“, erinnert sie sich.

Neben ihrem Mann hat sie in dieser Zeit vor allem ihre Mutter unterstützt. Nach der Behandlung ist Sonja Heller mit der ganzen Familie zur Anschlussrehabilitation gefahren „Ich habe die Kinder mitgenommen. Das war mir wichtig. Auch mein Mann hat Urlaub genommen und wir waren alle vier zusammen“, bemerkt sie. Die Klinik habe sie gezielt mit Blick auf Platz und Programm für die Kinder ausgesucht. „Sie konnten dort ihren normalen Alltag leben. Es gab einen Kindergarten, aber auch Programm wie basteln oder einen Schwimmkurs.“ – Themen, die junge Frauen mit Brustkrebs bewegen. Und Themen, nach denen sich Sonja Heller auch im Internet „müde gesucht“ hat, wie sie sagt. „Ich habe im Laufe der Erkrankung festgestellt, dass es viele junge Frauen mit Brustkrebs gibt. Es wird immer gesagt, dies sei eine Krankheit der alten Frauen. Dies ist aber eigentlich gar nicht so.“

Gründung des Netzwerks

Um den jungen betroffenen Frauen für sie wichtige Informationen zur Verfügung zu stellen, hat Sonja Heller im das Netzwerk „NetzwerkStatt Krebs – Macht Mut, mach mit!“ mit begründet, fungiert dort als Sprecherin. „Junge Frauen mit Brustkrebs beschäftigen einfach ganz andere Themen“, erklärt sie die Motivation für ihr Engagement. „Kinderwunsch, wie sage ich es der Familie, wie geht mein Partner damit um, wenn die Brust abgenommen werden muss – dies sind nur einige davon“, erzählt sie. Im Fokus stehe meist das Thema Kinder. Sich mit gleichaltrigen Frauen darüber auszutauschen habe sie selbst als sehr hilfreich empfunden. „Man wird direkt verstanden, muss nichts erklären“, sagt sie. Diesen Austausch soll nun auch das neue Netzwerk ermöglichen, das vom Bundesgesundheitsministerium gefördert wird und ein Projekt der Frauenselbsthilfe nach Krebs ist. „Unser größtes Ziel ist es, Informationen für junge, an Brustkrebs erkrankte Frauen gesammelt bereitzustellen“, erklärt Sonja Heller.

Deshalb seien große Teile der Homepage bereits entworfen. Zudem wolle das Netzwerk dazu anregen, lokale Gruppen vor Ort zum Austausch zu gründen. Später ist dann für etwa zwei Mal im Jahr ein größeres Treffen unter Betroffenen geplant. Dort können dann wichtige Themen im größeren Rahmen besprochen werden, beispielsweise auch, wie es nach einer Erkrankung finanziell weitergeht. Ein Thema, das auch Sonja Heller bewegt hat. Denn auch sie war zum Zeitpunkt der Diagnose noch in Elternzeit, hatte einen 400-Euro-Job, den sie aufgeben musste. „Anspruch auf Krankengeld hatte ich nicht, da ich ja noch im Erziehungsurlaub war“, erklärt sie. Später habe dann die Berufsunfähigkeitsversicherung rückwirkend gezahlt. Doch wer diese nicht hat, bewegt sich erst einmal in einer Grauzone, die auch finanziell ein großes Loch reißen kann.

Quelle: Leben? Leben! 1/2016

24.05.16

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