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Kinderwunsch und Schwangerschaft

Von MS sind Frauen dem von der Multiple Sclerosis International Federation zusammengestellten Atlas der MS zufolge ca. zweimal so häufig wie Männer. Im größten Teil der Fälle treten die ersten MS-Symptome bei ihnen zwischen 25 und 31 Jahren, also im gebärfähigen Alter auf. Nach der Diagnose fragen sich viele Frauen deshalb: Darf und kann ich mit der MS Kinder bekommen? Hat eine Schwangerschaft Auswirkungen auf die MS? Und wie geht es nach der Geburt weiter?

Es spricht nichts dagegen, dass Frauen mit MS Kinder bekommen. Die MS beeinflusst die Fruchtbarkeit nicht. Frauen mit MS haben die gleiche altersabhängige Wahrscheinlichkeit, während eines Menstruationszyklus schwanger zu werden, wie gesunde Frauen. Das deutschsprachige Multiple Sklerose und Kinderwunsch Register (DMSKW), das in Deutschland und im deutschsprachigen Ausland Daten zu Schwangerschaften von Frauen mit MS sammelt, gibt zudem an, dass auch die immunmodulatorischen Basistherapien und die Eskalationstherapien bei MS keine negative Auswirkung auf die Fruchtbarkeit haben. Dennoch sollten Frauen mit MS bei der Planung einer Schwangerschaft einiges beachten. Das Gleiche gilt auch während der Schwangerschaft und für die Stillzeit.

Schwangerschaft planen

Eine Frau mit MS, die gerne ein Kind möchte, sollte die Schwangerschaft möglichst planen und ggf. schon vor der Empfängnis die immunmodulatorische Therapie absetzen. Denn die meisten Medikamente dürfen während einer Schwangerschaft nicht oder nur nach vorheriger genauer ärztlicher Abwägung von Nutzen und Risiken genommen werden, um die Gesundheit des Kindes nicht zu gefährden. Da viele Schwangerschaften dennoch auch bei Frauen mit MS ungeplant eintreten, sollte spätestens bei Bekanntwerden der Schwangerschaft die Medikation in Absprache mit dem Arzt ggf. unterbrochen werden. Zu den Medikamenten, die u. U. auch während der Schwangerschaft genommen werden können, gehören laut DMSKW Beta-Interferone. Den Daten des Registers zufolge ist die Fehlgeburtsrate unter der Einnahme von Interferonen nicht erhöht. Glatriameracetat, Mitoxantron sowie Fingolimod sollten wegen möglicher fruchtschädigender Wirkung nicht während der Schwangerschaft genommen werden. Unter Natalizumab wird eine Schwangerschaftsverhütung empfohlen.

Schubrisiko in der Schwangerschaft

Zahlreiche Untersuchungen und auch die Erkenntnisse des DMSKW belegen, dass sich die Schubrate in der Schwangerschaft verringert. Während sie im ersten Schwangerschaftsdrittel noch etwa so hoch ist wie vor der Schwangerschaft, sinkt sie im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel ab. Das DMSKW spricht von einer Reduzierung der Schubrate bis zu 80 % im letzten Drittel. Doch nach der Entbindung steigt sie an – in den ersten drei Monaten nach der Geburt ist sie erhöht, und etwa 30 % aller jungen Mütter erleiden in dieser Zeit einen Schub. Die Gründe dafür sind bislang noch nicht geklärt. Womöglich spielen die Hormonumstellung des Körpers, eventuell auch der Stress nach der Geburt eine Rolle. Nach diesen ersten drei Monaten nach der Entbindung pendelt sich die Schubrate i. d. R. wieder auf dem Niveau vor der Schwangerschaft ohne medikamentöse Behandlung ein.

Sollte in der Schwangerschaft ein Schub auftreten, stellt dieser i. d. R. keine Gefahr für das für das ungeborene Kind dar. Die Mutter kann bei Bedarf behandelt werden – und zwar mit Kortison, jedoch normalerweise erst nach Abschluss des ersten Schwangerschaftsdrittels, weil sonst die Gefahr einer Fehlbildung zu groß wäre. In erster Linie, so das DMSKW, sollte dabei der Wirkstoff Prednisolon zum Einsatz kommen, weil dieser nur z. T. vom Körper des Kindes aufgenommen wird. Falls ein Schub im ersten Schwangerschaftsdrittel sehr heftig ausfällt, müssen Nutzen und Risiken der Kortisongabe genau gegeneinander abgewogen werden.

Schwangerschaftsverlauf und Geburt

Der Verlauf der Schwangerschaft bei Frauen mit MS unterscheidet sich kaum von dem gesunder Frauen. Doch meist werden MS-Patientinnen engmaschiger betreut. Frauen mit MS, die eine Schwangerschaft planen oder schwanger geworden sind, können sich zudem beim DMSKW melden und ihre Schwangerschaft beobachten lassen. Die dortige Sammlung von Daten hilft, die Abläufe bei MS während der Schwangerschaft besser zu verstehen und ggf. z. B. Risikofaktoren für Schübe nach der Geburt zu ermitteln.

Genauso, wie auch gesunde Frauen wählen müssen, ob sie – neben den ohnehin vorgesehenen Ultraschalluntersuchungen – eine weitere vorgeburtliche Diagnostik wünschen, um eventuelle Fehlbildungen oder Erbkrankheiten feststellen zu können, können auch Frauen mit MS sich dafür oder dagegen entscheiden. Keine vorgeburtliche Untersuchung erkennt, ob das Kind später ebenfalls an MS erkranken wird. Allerdings kann die Veranlagung für MS vererbt werden. Ob die Krankheit dann jedoch ausbricht, liegt bisherigen Erkenntnissen zufolge auch an vielen weiteren Faktoren, die bislang noch nicht alle bekannt sind.

Ansonsten haben Frauen mit MS ebenso häufig Schwangerschaftsbeschwerden wie Schwangere ohne MS. Dazu zählen u. a. Erbrechen, Übelkeit und Müdigkeit hauptsächlich im ersten Schwangerschaftsdrittel, Sodbrennen sowie Rückenschmerzen, häufigere Toilettengänge, Schwangerschaftsstreifen (Striae) und Schlafstörungen in der fortgeschrittenen Schwangerschaft. Beim Auftreten von Zwischenblutungen, bei Ödemen (Wassereinlagerungen im Gewebe, hauptsächlich in den Beinen) und bei anderen Beschwerden, die über ein gewisses Maß hinausgehen, sollte unbedingt der Arzt aufgesucht werden. Denn es gibt Komplikationen, die einer sofortigen Behandlung bedürfen.

Bei der Geburt gibt es bei Frauen mit MS nichts Besonderes zu beachten. Bei Schwangeren mit MS ist eine natürliche Geburt möglich. Auch auf eine Periduralanästhesie, die die Geburt erleichtern kann, müssen Frauen mit MS nicht verzichten. Eine Wassergeburt ist genauso möglich wie eine Geburt auf dem Geburtshocker, sofern die Schwangere damit zurechtkommt.

Die Stillzeit

Die Frage, ob Frauen mit MS stillen dürfen, kann ohne weiteres mit Ja beantwortet werden. Die Daten des DMSKW haben sogar ergeben, dass ausschließliches Stillen (ohne jegliches Zufüttern) die Schubrate bei Frauen nach der Entbindung verringert. Doch gesichert ist diese Erkenntnis bislang nicht. Frauen mit MS können ihr Baby bisherigen Untersuchungen zufolge sechs Monate lang voll stillen und erst danach wieder mit der MS-Therapie beginnen. Falls nötig, kann im Einzelfall auch während der Stillzeit eine Therapie mit Immunglobulinen erfolgen, die intravenös verabreicht werden sollten. Ein Schub kann mit Kortison behandelt werden, allerdings sollte dann eine gewisse Zeit zwischen der Kortisongabe und dem nächsten Stillen liegen. Frauen, die nicht stillen wollen oder können, sollten nach Absprache mit ihrem Arzt möglichst rasch wieder ihre MS-Therapie aufnehmen. Ob die Dosierung geändert werden muss, zeigt sich i. d. R. bald.

Quelle: Befund MS 02/2013

30.10.13

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