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Komplementärtherapien bei Krebs: Was ist zu beachten?

Viele Krebspatienten wünschen sich, neben der schulmedizinischen Behandlung „selbst etwas tun zu können“. Doch sollten Patienten aufpassen: Nicht alles, was angeboten wird, ist sinnvoll, und so manches Mittel ist auch nicht ganz ungefährlich – erst recht, wenn es heimlich eingenommen wird.

Eine Tatsache ist unumstritten: Alle Arten von Naturheilmitteln oder andere Verfahren sollten ggf. komplementär – d. h. ergänzend – und nicht etwa alternativ zur Schulmedizin angewandt werden. Der Begriff Komplementärmedizin werde hingegen mehr und mehr auch in schulmedizinischen Kreisen akzeptiert, sagte kürzlich Werner Hohenberger, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Doch dabei stellt sich zunächst einmal die Frage, was überhaupt unter diesen Begriff fällt. Denn das ist nicht klar definiert, erklärt Dr. Jutta Hübner, Leiterin der komplementären Onkologie am Universitären Centrum für Tumorerkrankungen in Frankfurt und Vorsitzende des Arbeitskreises Prävention und integrative Onkologie der DKG: „Es gibt keine einheitliche Definition – man rechnet dazu aber z. B. die Naturheilkunde, in der pflanzliche Substanzen verwendet werden, ebenso wie anthroposophische Ansätze, die traditionelle chinesische Medizin, Homöopathie oder auch bestimmte Methoden wie die Hyperthermie.“ Wichtig sei ihres Erachtens, dass die Methoden eine Rationale, eine wissenschaftliche Basis haben – doch mit welchen Methoden und Instrumenten man zu dieser kommt, darüber werde nach wie vor diskutiert.

Als „Verbündete im Krieg gegen Krebs“ sehen die beiden Ärzte Prof. Dr. Gustav Dobos und Priv.-Doz. Dr. Sherko Kümmel die Naturheilkunde und die Schulmedizin. In ihrem kürzlich erschienenem Buch „Gemeinsam gegen Krebs“ stellen sie verschiedene komplementäre Verfahren vor. Sie betonen die Wirksamkeit mancher Verfahren bei der Linderung von Nebenwirkungen sowie positive Effekte, die diese auf die Psyche der Patienten haben können. Jutta Hübner betont jedoch: „Man sollte immer vorsichtig bei ungeprüften Verfahren sein, die der Patient u. U. selbst anwendet.“ Eine psychologische Wirkung sehe sie dabei allerdings auch: „Ich denke, darin, dass der Patient selbst etwas tun kann, selbst aktiv wird, liegt der größte Vorteil. Das ist meiner Meinung nach sogar wesentlicher als die Wirkung einzelner Mittel“, erläutert sie.

Darauf sollten Patienten achten

Die Selbstanwendung birgt jedoch auch Gefahren. Jutta Hübner warnt daher – wie Kümmel und Dobos in ihrem Buch auch – vor den Wechselwirkungen mit der Standardtherapie, die manches Naturheilmittel mit sich bringen kann. So sollte z. B. niemals Johanniskraut während der Chemotherapie eingenommen werden, da dieses die Wirkung der Behandlung vermindere. Für Krebspatienten lautet daher die eindeutige Devise: Vor der Einnahme von pflanzlichen Produkten immer erst mit dem behandelnden Arzt sprechen.

Jutta Hübner formuliert vier Punkte, über die sich jeder Patient zunächst klarwerden sollte:

  • Welche Wirkungen sind belegt?
  • Welche Nebenwirkungen hat das Mittel?
  • Welche Wechselwirkungen gibt es? Hierfür sollte man mit einem Arzt oder Apotheker sprechen.
  • Der einfache Merksatz: je teurer, desto verdächtiger.

Für unseriöse Angebote gibt es neben der Frage nach den Kosten weitere Merkmale: „Eindeutige Hinweise sind z. B., wenn gesagt wird, dass Krebs aus Stress entsteht, denn das ist wissenschaftlich nicht haltbar. Oder wenn es heißt, dass nicht der Krebs, sondern bestimmte Parasiten im Körper bekämpft werden müssen. Und schließlich ist es immer unseriös, wenn den Patienten gesagt wird, dass sie nicht mit ihrem Onkologen über die Behandlung sprechen dürfen“, sagt Hübner.

Doch was wirkt nun und was nicht? Die Forschung hierzu ist in Deutschland im Vergleich zu den USA noch nicht sehr weit, meint Jutta Hübner. Das liege vor allem an der schwierigen Finanzierung entsprechender Studien. Sie hofft dennoch darauf, dass in den kommenden Jahren Forschungsprojekte umgesetzt werden können: „Für mich gehören die komplementären Verfahren in die Schulmedizin hinein. Aber es muss wissenschaftlich bewiesen sein, was wirkt und was nicht – und das, was unwirksam ist, muss aussortiert werden.“ Wirksame Mittel oder Verfahren könnten dann im Sinne einer im wahrsten Sinne des Wortes integrativen Onkologie mit der Schulmedizin verschmelzen. „Ich werde mich jedenfalls für deren wissenschaftliche Erforschung einsetzen“, sagt Hübner. „Die Hauptsache ist, dass wir für unsere Patienten etwas bewegen.“

Quelle: Befund Krebs 3/2011

19.10.11

Komplementäre Behandlungsmethoden
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