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Experteninterview mit Prof. Dr. med. Barbara Schmalfeldt

Im Rahmen unserer Interviewreihe stellen wir Ihnen die Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats von „Leben? Leben!“ vor, die der Redaktion mit ihrem Wissen und ihrer Fachkompetenz zur Seite stehen. Prof. Dr. Barbara Schmalfeldt ist Leitende Oberärztin der gynäkologischen Onkologie an der Frauenklinik und Poliklinik der Technischen Universität München.

Frau Prof. Dr. Schmalfeldt, warum haben Sie sich für den Arztberuf entschieden und was hat Sie bewogen, sich auf die Onkologie zu spezialisieren?

Prof. Dr. Schmalfeldt: Ich arbeite gerne mit Menschen. Die Frauenheilkunde ist ein sehr vielseitiges, spannendes Fach mit der Geburtshilfe, der Endokrinologie und der Onkologie. Gerade bei den Krebserkrankungen der Frau tut sich sehr viel, wie beim Brustkrebs, aber es muss auch noch viel getan werden, z. B. bei Eierstockkrebs.

Was ist Ihnen besonders wichtig im Umgang mit Ihren Patientinnen?

Prof. Dr. Schmalfeldt: Auf die Bedürfnisse, Sorgen und Ängste der Patientinnen einzugehen.

Haben Sie neben Ihrem Beruf andere Betätigungsfelder oder Interessen, die Ihnen als „Kraftquellen“ dienen?

Prof. Dr. Schmalfeldt: Meine Kinder.

Welche Behandlungstrategien empfehlen Sie bei Krebserkrankungen, von welchen würden Sie eher abraten?

Prof. Dr. Schmalfeldt: Zu den meisten Erkrankungen gibt es Therapieleitlinien der Deutschen Fachgesellschaften. Diese werden ständig aktualisiert und stellen den evidenzbasierten optimalen Standard der Behandlung dar. Sie sind so abgefasst, dass auch Laien das Vorgehen nachvollziehen können. Ich empfehle den Patientinnen, sich an diesen Leitlinien zu orientieren, um die bestmögliche Therapie zu erhalten.

Was sind Ihrer Ansicht nach Irrtümer im Wissen um die Erkrankung Krebs und ihre Behandlung?

Prof. Dr. Schmalfeldt: Viele, vor allem Nichtbetroffene glauben, dass Krebs immer eine unheilbare Erkrankung ist, die zum Tode führt, und dass die Behandlung, wie die Chemotherapie, mit schweren Nebenwirkungen verbunden ist oder sowieso nichts nützt. Das stimmt aber nicht, die meisten früh erkannten Krebserkrankungen – dies gilt für Brust-, Gebärmutterhals- und Gebärmutter- ebenso, wie Eierstockkrebs – sind heilbar. Die meisten der heute eingesetzten Therapien sind zudem gut verträglich.

Wie schätzen Sie den Einfluss psychologischer Faktoren auf die Krebsentstehung und den Krankheitsverlauf ein?

Prof. Dr. Schmalfeldt: Psychologische Faktoren sind ganz entscheidend dafür, wie man die Diagnose Krebs aufnehmen und verarbeiten kann. Patientinnen mit positiver Lebenseinstellung und Unterstützung durch ihr soziales Umfeld fällt die Therapie leichter. Entscheidend ist, dass die Patientin hinter der Therapie steht und davon überzeugt ist, dass sie ihr hilft. Deshalb sind eine umfassende Aufklärung über die Behandlung und ein Gespräch über die Erwartungen und die Wünsche der Patientin absolut wichtig.

Welches sind Ihrer Meinung nach die erfolgversprechendsten Forschungsansätze in der Krebs-Therapie und welche Erwartungen haben Sie bezüglich zukünftiger Möglichkeiten?

Prof. Dr. Schmalfeldt: Wir wissen heute immer mehr über die einzelnen biologischen Mechanismen der Entstehung von Brust-, Eierstock- und Gebärmutterkrebs. Dies ermöglicht uns eine gezieltere Behandlung. Die Antikörpertherapie mit Trastuzumab ist ein hervorragendes Beispiel dafür, ebenso die präventive Impfung gegen Humane Papillomaviren, die vor Dyplasien und dem Karzinom des Gebärmutterhalses schützt.

Welche Rolle spielen Patientenmagazine bei der Deckung des Informationsbedarfs der Betroffenen?

Prof. Dr. Schmalfeldt: Patientenmagazine haben die sehr wichtige Aufgabe, laiengerecht über die Erkrankung zu informieren. Wichtig ist die seriöse evidenzbasierte Information. Patienten sollten klar erkennen können, welche Behandlungsstrategien wirklich etwas nützen oder welche nur kommerziell vermarktet werden.

Inwieweit trägt „Leben? Leben!“ aus Ihrer Sicht zur Aufklärung und Deckung des Informationsbedarfs bei?

Prof. Dr. Schmalfeldt: „Leben? Leben!“ und auch „Befund Krebs“ gehören zu den Magazinen, die gut verständlich und sachlich und vor allem aktuell informieren. Beide Journale stellen eine echte Bereicherung dar und unterstützen uns Ärzte bei der Aufklärung über Früherkennungsmaßnahmen, Diagnostik und Therapie der weiblichen Krebserkrankungen.

Frau Prof. Dr. Schmalfeldt, wir danken Ihnen sehr herzlich für Ihre Ausführungen.

aus Leben? Leben! 3/2007

04.01.08

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