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Krebs: Das Leben von einer anderen Seite

Christine Holler ist 59 Jahre alt. Vor über drei Jahren begann ihre unvorhergesehene Abenteuerexpedition mit eingebautem Hindernisparcours, wie sie selbst sagt. Denn im Frühjahr 2014 wurde bei ihr Bauchfellkrebs diagnostiziert.

Der Krebs hatte zunächst nur die Eierstöcke befallen, doch als Christine Holler wegen vermehrter Bauchschmerzen zum Arzt ging, hatte der Krebs längst gestreut, der Bauchraum war von Metastasen befallen. Als ihr die Internistin in ihrer Praxis unweit der Arbeitsstelle die Diagnose überbringt, ist die Medizinerin selbst kreidebleich, Christine Holler begreift sofort: Das ist eine infauste Sache, ihre Prognose ist sehr ungünstig, eine Heilung unwahrscheinlich. Sofort ist ihr bewusst: An ihre Arbeitsstelle wird sie nicht mehr zurückkehren. Nach der Diagnose fährt sie kurz ins Büro zurück, erledigt die wichtigsten Dinge, verlässt das Gebäude und fährt zu einer Freundin. „Ich habe dann an diesem Tag gleich meinen letzen Willen formuliert und eine Patientenverfügung unterschrieben“, erzählt sie. „Nachdem dies alles geregelt war, ging es mir besser“, erinnert sie sich.

Der Behandlungsbeginn

Dann beginnen die Behandlungen. Sie wird in einer Klinik stationär aufgenommen. Dort heißt es erst: Eine Operation ist nicht mehr möglich, nur eine Chemotherapie kann vielleicht noch helfen. Doch sie holt sich eine zweite Meinung ein und gerät an einen Experten auf dem Gebiet des Eierstockkrebses. Schnell ist klar: Eine Operation ist möglich. Doch Christine Holler weiß auch: Nach der Operation wird sie ein anderer Mensch sein, ihr Erscheinungsbild wird sich grundlegend verändern – und sie wird einen künstlichen Darmausgang bekommen. „Deshalb habe ich mich vor der Operation noch einmal ganz bewusst von meinem Körper verabschiedet“, sagt sie.

Während der Operation entnehmen die Mediziner insgesamt vier Kilogramm an Material aus dem Bauchraum, vor allem große Teile des Darms. Christine Holler verlässt die Klinik abgemagert, fühlt sich in der ersten Woche zuhause mehr tot als lebendig. Das Essen muss sie nun völlig neu lernen, vieles verträgt sie nicht mehr und muss sich häufig übergeben. „Nur Haferbrei, das konnte ich meist immer essen.“ Eine schwere Umstellung für sie, da sie vorher gerne gegessen hat und auch immer körperlich fit war, vor allem viel in den Bergen unterwegs war und einige Gipfel erklommen hat.

In dieser Zeit von der Diagnose bis zur Operation und in der Zeit danach fühlt Christine Holler sich wie in einem Nimbus, einer dunklen Wolke. „Ich wusste einfach nicht, wo ich wieder ankomme. Mein Bewusstsein war zwar vorhanden, aber gerade in der ersten Zeit nach meiner Operation habe ich mich einfach nicht mehr gespürt.“

Eine Kanalfahrt mit dem Segelboot ist es dann, die ihr ihre Kraft zurückgibt. Begleitet wird sie von ihrer Freundin, die sie zwischenzeitlich geheiratet hat. „Auf dem Boot ging es mir jeden Tag besser, ich konnte schlafen und ein bisschen was essen“, erzählt sie. Das Segeln hat ihr nicht nur nach der Operation, sondern auch in der Zeit danach viel Kraft gegeben. Nach der Operation folgt eine Chemotherapie. In dieser Zeit ist Christine Holler wieder voller Hoffnung, fängt mit Wandern an, fährt im Sommer 2015 Motorrad und verdrängt ihre Krankheit so gut es geht.

Der Krebs kehrt zurück

Doch der Krebs gibt keine Ruhe, das erste Rezidiv trifft sie im November 2015 mit voller Wucht. Es folgt wieder eine Chemo, doch der Krebs lässt Christine Holler nicht mehr los. Es folgt ein Auf und Ab. Sie schafft nochmal eine Bergtour zu machen, verbringt mit ihrer Frau einen Urlaub auf Lanzarote. „Doch seit Anfang dieses Jahres geht es steil bergab“, sagt sie. Im Rippenfell haben sich Tumoren gebildet. Christine Holler hat mit Wasser in der Lunge zu kämpfen, mit Darmverschlüssen, kann sich nur noch flüssig ernähren und erhält eine Magensonde. Trotzdem versucht sie, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die ihre Freude bereiten, etwa einen Nachmittag in der Sonne sitzen. Mit dem Segelboot will sie noch einmal hinausfahren. „Daran halte ich mich jetzt fest“, sagt sie. Und: „Es muss irgendwie weiter gehen.“

Durch den Krebs habe sie das Leben noch einmal von einer ganz andere Seite kennengelernt, hat vor allem vielen positive Begegnungen mit Freunden und Bekannten erlebt. „Der Gedankenaustausch war häufig sehr intensiv“, bemerkt sie. Außerdem ist es ihr in dieser ganzen Zeit immer wieder gelungen, sich an ihre Situation anzupassen. „Und darauf bin ich auch stolz“, sagt sie. „Am Ende hört doch jeder seine Uhr ticken.“

Quelle: Leben? Leben! 3/2017

03.11.17

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