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Langzeit-Sauerstofftherapie

„Sauerstoff im Alltag – aber wie?“

Wenn alle medikamentösen Behandlungsoptionen ausgeschöpft sind, werden die Betroffenen auf die Möglichkeit einer Langzeit-Sauerstofftherapie (long therm oxygen therapy – abgekürzt: LTOT) getestet. Diese Therapie soll die Lebensqualität und Überlebensdauer der Patienten mit einem chronischen und schweren Sauerstoffmangel verbessern. Bei der Testung werden mehrere Blutgasanalysen – wichtig: auch unter Belastung – gemacht. Dabei muss der Sauerstoff-Partialdruck mehrfach in einem kritischen Bereich < 55 mmHg liegen. Zudem muss der Nachweis erbracht werden, dass die Zufuhr von Sauerstoff die Werte verbessert.

Ursachen

Ein Sauerstoffmangel kann durch unterschiedliche Erkrankungen verursacht werden. Eine wichtige und große Gruppe sind die Lungenerkrankungen, vor allem COPD, Emphysem und Alpha-1-Antitrypsin-Mangel. Auch Lungenfibrose, Lungenembolien oder pulmonale Hypertonie sowie bestimmte Herzfehler oder Lähmungen der Atemmuskulatur können zu Sauerstoffmangel führen und sind somit eine Indikation für eine Langzeit-Sauerstofftherapie. Diese soll vor allem das Herz entlasten.

Sauerstoff ist ein Medikament

Nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie sollte die Langzeit-Sauerstofftherapie mindestens 16 Stunden, besser 24 Stunden am Tag durchgeführt werden, damit diese sinnvoll und effektiv ist. Für den Erfolg der Behandlung ist die gute Compliance des Patienten unerlässlich. Die geforderte Anwendungsdauer von 16 Stunden lässt sich vermeintlich scheinbar leicht erreichen: Viele Patienten „verstecken“ den größten Teil der Sauerstofftherapie in der Nacht, dann noch 8 Stunden im Haus und die geforderten 16 Mindeststunden sind erreicht. Besonders wichtig ist jedoch, dass der Körper vor allem bei körperlicher Belastung genügend mit Sauerstoff versorgt wird. Dies macht sich beispielsweise beim Einkaufen oder Spazieren gehen bemerkbar. Die Betroffenen sind mit dem Sauerstoff leistungsfähiger. Auch beim Lungensport schaffen die Betroffenen mehr, wenn sie gleichzeitig die Langzeit-Sauerstofftherapie – wie vom Arzt verordnet – durchführen. Es darf nie vergessen werden, dass der Körper den Sauerstoff nicht speichern kann – dieser also nicht auf Vorrat zugeführt werden kann! Eine Langzeit-Sauerstofftherapie ersetzt weder die Bewegungstherapie noch andere Medikamente. Sie bessert weder die Grunderkrankung noch deren Krankheitszeichen wie Husten und Auswurf. Aber sie unterstützt die Betroffenen dabei, ihre alltäglichen Belastungen zu bewältigen.

Die Säulen und Geräte der Langzeit-Sauerstofftherapie

Die drei Säulen bestehen aus Konzentrator – als stationäre oder transportable Geräte –, Gasdruckflaschen und Flüssigsauerstoff-Tank für zuhause und Mobilgeräte zum selber Befüllen.

Ein Konzentrator gewinnt Sauerstoff aus der Raumluft. Bei einem stationären Konzentrator als Basisversorgung zu Hause erhalten die Betroffenen für die „Mobilität“ außer Haus Gasdruckflaschen (Gewicht ca. 5 kg plus Zubehör) oder einen tragbaren Konzentrator – meist mit einem Sparsystem. Gesetzlich versicherte Patienten sollten auf jeden Fall die Stromkosten bei ihrer Krankenkasse zur Rückerstattung einreichen. Dabei geht es jedoch nicht nur um einen Pauschalsatz pro Monat. Besser ist es, die Laufzeit des Gerätes am Zählwerk abzulesen, die Wattzahl festzustellen, den Strompreis damit zu multiplizieren, um daraus die tatsächlichen Stromkosten zu berechnen, denn diese Berechnung ergibt sehr oft eine viel höhere Rückzahlung.

Bei den Mobilgeräten für Flüssigsauerstoff werden Dauerflow- und Demand-Geräte unterschieden. Beim Dauerflow wird der Sauerstoff kontinuierlich – egal ob ein- oder ausgeatmet wird – abgegeben. Die Betroffenen werden also sowohl beim Atmen durch den Mund, als auch durch die Nase mit Sauerstoff versorgt. Bei den atemzuggesteuerten Geräten – auch Demand- oder getriggerte Geräte genannt – wird nur in einer kurzen Phase der Einatmung der Sauerstoff frei gegeben.

Generell gilt sowohl für die Demand-Geräte beim Flüssigsauerstoff als auch bei den tragbaren Konzentratoren und dem Sparsystem bei den Gasdruckflaschen: Die Einstellung sollte mindestens einmal jährlich – besser vierteljährlich – vom Lungenfacharzt getestet werden, um eine Unterversorgung zu vermeiden. Denn erstens geben alle Geräte eine unterschiedliche Sauerstoffflussmenge pro Atemzug frei – damit sind die Geräte nicht willkürlich untereinander austauschbar. Und zweitens kann es sein, dass man im Rahmen des Krankheitsverlaufes das Ventil bei der Einatmung nicht mehr auslösen kann bzw. eine andere Einstellung benötigt. Bei der Einstellung der atemzugesteuerten Flussrate spricht man von Stufen und nicht von Litern. Auch gilt zu beachten, dass die Einstellung von z. B. zwei Liter Dauerflow nicht gleich der Stufe 2 ist. Eine effektive Nasenatmung muss für eine funktionierende Sauerstofftherapie erhalten sein und bleiben, auch unter Belastung und schlechteren Krankheitsphasen.

Sauerstoffpass

Der Sauerstoffpass enthält Informationen darüber, welches Gerät der Betroffene benutzt bzw. auf welches System er getestet worden ist und wie hoch der vom Arzt ermittelte Sauerstoffbedarf in Ruhe, unter Belastung und im Schlaf ist.

Nasenbrillen und Zubehör

Die Zufuhr von Sauerstoff erfolgt über Nasenbrillen aus PVC, Kraton oder Silikon. Es gibt unterschiedliche Modelle und Ausformungen. Betroffene sollte mehrere Varianten ausprobieren, um das am besten passende System zu finden. Nasenbrillen aus PVC sollen spätestens alle 14 Tage gewechselt werden, bei z. B. einem Infekt auch früher. Silikon-Modelle sind bedeutend weicher und im Winter elastischer. Die Schläuche aus diesem Material können ausgekocht oder mit einem speziellen Reinigungsgel für Silikon-Nasenbrillen gereinigt werden.

Tragehilfe

Die schweren mobilen Sauerstoffgeräte können auf unterschiedliche Weise transportiert werden. Für kleinere Systeme gibt es Gürteltaschen oder auch spezielle Rucksäcke. Mit einem Caddy lassen sich größere Geräte transportieren. Auch bei Rollatoren gibt es große Unterschiede zwischen den Modellen. Das Gewicht einer solchen Gehhilfe kann zwischen 7 und 15 kg liegen. Sehr nützlich ist eine Ankipphilfe, die das Überwinden von Hindernissen wie beispielsweise Bordsteinkanten erleichtert. Empfehlenswert ist, sich in der richtigen Handhabung des Rollators schulen zu lassen, damit er mehr Mobilität bietet und nicht einschränkt.

Zur Information

Die Deutsche SauerstoffLiga LOT ist eine Selbsthilfeorganisation für Menschen mit einer Langzeit-Sauerstoff-Therapie. 1997 gegründet, gibt es inzwischen bundesweit über 40 Regionalgruppen. Angeboten werden neben Beratungen auch Patientenschulungen und beratende Unterstützung für die Reise.

Krütt-Bockemühl, Ehrenvorsitzende Dt. SauerstoffLiga LOT e. V.
Gruppenleiterin LOT Augsburg/Landsberg und Gruppenleiterin LOT Lindau

Quelle: COPD und Asthma 4/2016

05.01.17

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