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Was leisten komplementäre Behandlungsmethoden bei Krebs?

Die Komplementärmedizin gewinnt immer mehr an Bedeutung – auch in der Behandlung von Nebenwirkungen der Krebsstandardtherapien. Wie die Naturheilkunde dabei helfen kann, erklärt Prof. Dr. Josef Beuth, Direktor des Instituts zur wissenschaftlichen Evaluation naturheilkundlicher Verfahren an der Universität zu Köln, im Expertengespräch.

Ein ganzheitlicher Ansatz in der Krebsmedizin – den wünscht sich Prof. Beuth für alle Patienten. Denn moderne Krebstherapie reicht über die Schulmedizin hinaus und beinhaltet auch begleitende Verfahren. Dabei ist es jedoch besonders wichtig, Komplementärtherapie von Alternativmedizin zu unterscheiden, betont er: „Bei der Alternativmedizin versucht man, gute, erprobte Methoden durch andere zu ersetzen, sowohl in der Diagnostik als auch in der Therapie. Das ist ein Problem, da diese Verfahren weder auf Unbedenklichkeit noch auf Wirksamkeit getestet sind. Komplementärmedizin ist jedoch etwas ganz Anderes – dabei soll die Standardmedizin durch geeignete Maßnahmen verbessert werden. Es gibt kein Entweder-Oder, sie soll kein Ersatz sein.“ Vielmehr geht es bei der Komplementärmedizin um Vorbeugung und Reduzierung von Nebenwirkungen, um die Krebsstandardtherapien in der optimalen Dosis und Zeit verabreichen zu können.

Unterscheiden könne man dabei zwischen Basismaßnahmen und medikamentösen Ansätzen. „Bei den Basismaßnahmen ist der erste Hinweis, den wir unseren Patientinnen und Patienten mitgeben, dass sie sich hinreichend bewegen sollten. Bewegung ist das A und O“, erläutert Prof. Beuth. An der Kölner Uniklinik wird Krebspatienten bereits während Chemo- und/oder Strahlentherapien in Kooperation mit der Deutschen Sporthochschule ein Sportprogramm angeboten. Sie können sich beispielsweise auf Laufbändern oder Ergometern fit halten und an Kraftmaschinen trainieren. „Es hat sich gezeigt, dass so Nebenwirkungen drastisch reduziert werden können“, erklärt Prof. Beuth, „insbesondere Müdigkeit und Schlappheit“. Nach Beendigung der Therapie lasse sich durch regelmäßige körperliche Aktivität das Risiko für definierte Krebserkrankungen um bis zu 40 % reduzieren.

Basismaßnahmen in der Komplementärtherapie

Zu den Basismaßnahmen der Naturheilkunde gehört zudem die Ernährung, so Prof. Beuth weiter: „Man sollte darauf achten, dass man halbwegs normalgewichtig ist – dann hat man bereits vieles richtig gemacht. Bei der Ernährung selbst ist der erste Punkt: Man sollte nur essen, was schmeckt und bis man gesättigt ist. Der zweite Punkt: Obst, Gemüse und Getreide sollten dabei sein. Und schließlich – und das wird gerne vergessen: Man sollte genügend trinken, gerade während der Chemotherapie. Denn so werden die Medikamente schnell aus dem Körper gespült, ohne Wirksamkeitsverlust.“ Auch darüber hinaus sei das Trinken wichtig, um Müdigkeit und Erschöpfung zu vermeiden: „Trinkt man zu wenig, wird das Blut dicker und der Sauerstoff wird schlechter im Körper transportiert. Es kommt dann weniger Sauerstoff im Gehirn an, man bekommt Kopfschmerzen und wird müde.“

Der dritte wichtige Bereich bei den Basismaßnahmen ist die Psyche. Entspannungsübungen, Meditationen oder Kunsttherapien unterstützen bei der Krankheitsbewältigung und helfen bei den starken seelischen Belastungen, die mit der Krebserkrankung auftreten. Der Unterschied zwischen Komplementärmedizin und Naturheilkunde ist dabei nicht klar zu benennen, im Gegenteil, erläutert Prof. Beuth: „Komplementärmedizin und Naturheilkunde überschneiden sich in vielen Bereichen – alle Punkte, die ich genannt habe, Ernährung, Bewegung, seelische Balance, sind auch in der Naturheilkunde führend.“

Linderung von Nebenwirkungen der Krebstherapie

Die Mukositis, eine Entzündung der Schleimhäute, kommt ebenfalls häufig unter Chemotherapien vor, da die Schleimhautzellen als sich schnell teilende Zellen sehr anfällig für derartige Krebstherapien sind. Gerade im Mund sind solche Entzündungen sehr schmerzhaft. „Die Schleimhäute werden trockener und rissiger und bluten leichter. So können sich Erreger einnisten. Dieses Phänomen kann man sowohl unter Chemo- als auch Strahlen- und Antihormontherapie beobachten“, erklärt Prof. Beuth. Linderung kann eine frische Ananas schaffen. „Die Ananas sollte man in Stückchen schneiden – die man jedoch nicht frisch essen sollte, da sie viel Säure enthalten. Man sollte die Stückchen einfrieren. Am Tag kann man dann ein paar herausnehmen und lutschen. Durch das Eis wird der Schmerz gelindert. Wenn das Stückchen dann auftaut, kommen die Enzyme aus der Ananas mit der Schleimhaut in Berührung und die Entzündungen heilen i. d. R. relativ schnell ab.“ Eigentlich eine einfache Sache – die heutzutage auch medikamentös angewandt wird, erklärt Prof. Beuth.

Übelkeit, eine weitere verbreitete Nebenwirkung, kann mithilfe von Ingwer gebessert werden.„Wir raten dazu, eine frische Ingwerwurzel in Scheiben zu schneiden, heißes Wasser darüber zu gießen, zehn Minuten ziehen zu lassen – und anschließend zu trinken“, sagt Prof. Beuth. Ein Tipp dazu: „Wenn man das während der Chemo- und Strahlentherapie macht, schmeckt Ingwer oft ziemlich unangenehm, daher sollte man Honig oder Zitrone dazugeben.“ Der Erfolg von Ingwer gegen Übelkeit sei durch Studien belegt.

Bei der Darm- und Brustkrebstherapie kann es zudem zu Missempfindungen kommen, die im Verlauf der Behandlung immer stärker werden. „Hier zeigen Studien, dass schon kleine Dosen Vitamin E diese Missempfindungen gut hemmen können“, sagt Prof. Beuth. Für die Zukunft vielversprechend hält Prof. Beuth Kombipräparate aus Selen, Enzymen und lektinhaltigem Linsenextrakt. „Selen ist ein weitverbreitetes Spurenelement, das die Wirksamkeit von Strahlen- und Chemotherapie steigern kann. Enzyme aus Ananas und Papaya haben gezeigt, dass sie gut bei Nebenwirkungen helfen. Und lektinhaltiges Linsenextrakt aktiviert Haut- und Schleimhautfunktionen. Früher mussten diese Präparate einzeln gegeben werden, heute ist eine angemessene Begleitmaßnahme mit zwei Kombipräparatpillen möglich“.

Studien, die Prof. Beuth und Kollegen bei Brustkrebspatientinnen und Prostatakrebspatienten durchgeführt haben, haben ergeben, dass derartige Kombipräparate geeignet sind, um Nebenwirkungen von Krebsstandardtherapien in den Griff zu bekommen. „Es hat sich insbesondere gezeigt, dass man mit solchen Präparaten die Schleimhäute schützen und feucht halten kann. Viele Krebspatienten klagen beispielsweise über Gelenkbeschwerden, Muskel- und Knochenschmerzen. Das liegt daran, dass auch in den Gelenken die Schleimhäute trocken werden und Gelenkschmiere fehlt. Das führt dann zu sog. Anlaufschmerzen: Arthroseerscheinungen, die sehr schmerzhaft sein können.“

Vorsicht vor Alternativtherapien

Ausdrücklich warnt Prof. Beuth jedoch vor Anbietern, die mit Alternativtherapien auf sich aufmerksam machen: „Es gibt viele Wunderheiler, die das Blaue vom Himmel versprechen. Das ist sehr gefährlich.“ Aber auch beim komplementären Einsatz von natürlichen Substanzen gibt es einiges zu beachten – denn was normalerweise als gesund gilt, muss es nicht bei einer Krebsbehandlung sein: „Zum einen warnen wir davor, hochdosiert Vitamin C in die Vene zu geben, da die Chemo- und Strahlentherapie auf oxidativen Effekten beruht, also auf freien Radikalen. Vitamin C als Antioxidanz wäre da kontraproduktiv. Zweitens: Bei einer Antihormontherapie raten wir dringend von Grapefruitsaft ab. Darin sind Komponenten enthalten, die Enzyme im Magen-Darm-Trakt aktivieren, die dafür sorgen, dass eine Antihormontherapie schneller abgebaut wird. Schließlich warnen wir davor, Johanniskraut bei einer Krebstherapie einzunehmen. Durch Johanniskraut werden Enzyme in der Leber aktiviert. Wenn die Leber vermehrt Enzyme produziert, bauen sich Medikamente, z. B. diverse Chemotherapien, schneller ab, was sich negativ auf die Wirksamkeit auswirkt.“

Auch bei der Misteltherapie, eine der häufigsten komplementären Methoden, die von rund 70 % der Brustkrebspatientinnen angewandt wird, rät er zur Vorsicht – zumindest, wenn diese ohne Abklärung über längere Zeit durchgeführt wird: „Die Misteltherapie ist eigentlich eine Immuntherapie. Viele wissen aber gar nicht, wie es um ihr Immunsystem bestellt ist, und wenden über Jahre und Jahrzehnte die Misteltherapie an. Man kann sein Immunsystem aber auch falsch oder überstimulieren. Manchmal entstehen dann viele der sog. Wachstumsfaktoren, die auch auf Krebszellen hinwirken können. Das ist natürlich ein Problem. Wir raten daher dazu, lieber erstmal zu schauen: Wie sieht das Immunsystem überhaupt aus? Wenn damit alles in Ordnung ist, raten wir von allen Immuntherapien ab.“

Generell, so betont Prof. Beuth, sollte man alle komplementären Methoden, die Krebspatienten zur Linderung von Nebenwirkungen anwenden möchten, mit dem behandelnden Arzt absprechen. Einen guten Überblick bietet zudem das Webportal der Krebsgesellschaft NRW, an dessen Erstellung Prof. Beuth mitgewirkt hat.

Quelle: Befund Krebs 2/2014

01.07.14

Komplementäre Behandlungsmethoden
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