- Anzeige -
Curado.de Logo

Sie sind hier: Startseite - Krankheiten - Stoffwechselerkrankungen - Diabetes mellitus - Kinder mit Diabetes - Linzerin will mit Kinderbuch über Diabetes aufklären

Linzerin will mit Kinderbuch über Diabetes aufklären

„Mama, warum muss Jana spritzen?“

Die Linzerin Sabine Nicole Riegler hat ein Kinderbuch herausgebracht, das Kindern im Umgang mit Diabetes helfen soll. Im Interview verrät die Autorin, die selbst Betroffene ist, wie es zur Idee und Umsetzung kam.

Sie haben dieses Jahr ein Buch veröffentlicht, das Kindern mit Diabetes und deren Angehörigen eine Stütze sein soll. Wie ist die Idee zum Buch entstanden?

Die Idee ist schon vor etwa vier oder fünf Jahren dadurch entstanden, dass mich immer wieder Kinder gefragt haben, was ich denn mit den ganzen Sachen (Diabetikerutensilien) mache. Hier habe ich oft die Beobachtung gemacht, dass Erwachsene verstohlen weggesehen haben oder ihre Kinder ermahnt hatten, nicht neugierig zu sein. Kinder gehen damit viel unbefangener um, wenn sie Bescheid wissen, während sich bei den Erwachsenen Vorurteile aufgrund falscher Informationen verhärten. Ich habe auch erkannt, dass Erwachsene nicht davor zurückschrecken, ihr Fehlwissen an Kinder weiterzugeben und Betroffene mit ihrer vorgefertigten Meinung zu konfrontieren. Immer wieder habe ich von Eltern gelesen, dass ihre Kinder in Kindergarten oder Schule ausgeschlossen wurden. Ich habe also bald erkannt, dass es eine Aufklärungslektüre für Kinder geben sollte.

Wie haben Sie die Herausforderung gelöst, das komplexe Thema für Kinder verständlich zu erklären?

Ich habe alle Fragen zusammengetragen, die mir von Kindern gestellt wurden. Aufbauend auf diesen Fragen habe ich das Thema als Aufklärungsgespräch eines unbeteiligten Kindes mit seiner Mutter verarbeitet. Im Buch geht es darum, dass Tom, ein siebenjähriger Bub, erfährt, dass seine Schulfreundin Jana Diabetes hat. Er möchte mehr über diese Krankheit wissen und löchert seine Mama mit Fragen. Diese erklärt ihm, was es mit Diabetes auf sich hat. Ich wollte kein Aufklärungsgespräch zwischen einem Diabetikerkind und seinen Eltern, um das Thema Diabetes der Allgemeinheit näherzubringen und nicht nur Kindern allein.

Was möchten Sie mit Ihrem Buch bewirken?

Durch die Veröffentlichung dieses Buches erhoffe ich mir ein besseres Verständnis für Diabetes Typ 1 und, dass Kinder erfahren, dass sie nicht allein mit ihrer Krankheit sind. Andererseits hoffe ich auch, dass Kinder im Familien- und Freundeskreis verstehen, dass Jana ein normales Mädchen ist, bis auf die Einschränkung, dass sie sich Insulin spritzen muss. Ich habe hier bewusst nur die wichtigsten Fakten auf einfache Art und Weise beschrieben. Dieses Buch soll ein Grundverständnis für Diabetes bieten, ohne Kinder mit Details zu überfordern.

Denken Sie, dass es in Österreich ausreichend Information über Diabetes gibt?

Ich glaube, dass das nicht der Fall ist, sonst würden sich gewisse Meinungen nicht so hartnäckig durchsetzen. Zwar werden Diabetiker heute gut geschult, aber es gibt keinerlei Schulungen für Angehörige. Als bei mir mit zwölf Jahren Diabetes diagnostiziert wurde, wurden meine Eltern noch am Rande über die Krankheit informiert. Als ich dann mit knapp 16 Jahren auf Insulin eingestellt wurde, erhielten meine Eltern überhaupt keine Informationen mehr. Daher weiß ich, dass selbst die nächsten Angehörigen zu wenig informiert werden. Auf Anfragen bezüglich einer Schulung für Angehörige, gab es nur die Information, dass es so etwas nicht gebe.

Welche Ratschläge würden Sie betroffenen Eltern und Kindern geben?

Betroffenen Eltern würde ich empfehlen, mit ihren Kindern darüber zu sprechen, wie es ihnen mit dem Diabetes geht oder z. B. wie sich ein Hypo anfühlt, weil sich das ein Nicht-Diabetiker nicht vorstellen kann. In diesem Zusammenhang kann ich auch Eltern-Kind-Treffen sehr empfehlen. Kindern und Jugendlichen kann ich raten, Kontakt zu anderen Diabetikern aufzunehmen. Dieser Austausch ermöglicht es zu lernen, dass sie mit ihrer Krankheit nicht allein sind. Und ich kann jedem nur raten, offen mit Diabetes umzugehen und sich nicht zu verstecken. Weiters empfehle ich auch, Freunde und näheres Umfeld in den Diabetes einzuweihen und über mögliche Notfälle aufzuklären.

Zur Person

Sabine Nicole Riegler ist 33 Jahre alt und wohnt in Linz. Sie hat Wirtschaftswissenschaften und -pädagogik an der Johannes Kepler Universität studiert und ist derzeit im Rechnungswesen tätig. Bei ihr wurde im Alter von zwölf Jahren Diabetes diagnostiziert.

Quelle: Befund Diabetes Österreich 1/2017

28.07.17

Newsletter An-/Abmeldung

Code: EGWT