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COPD und Lunge e. V.: Lungensport bei Lungenerkrankungen

Die Behandlung bei einer Lungenerkrankung, ist gekennzeichnet über eine medikamentöse Gabe, um Atemnot zu lindern. Wenn nötig, bekommt der Patient zusätzlichen Sauerstoff. Auch ist es wichtig, das Wohnumfeld entsprechend zu verbessern. Aber eine wichtige Säule in der Therapie ist die Bewegung. Der Patient muss in Bewegung bleiben, um nicht zusätzlich weiter abzubauen. Hier kommt der Lungensport ins Spiel. Michaela Frisch ist seit Dezember 1991 Sport- und Gymnastiklehrerin und arbeitet seit September 2000 als Leiterin einer physikalischen Therapieabteilung in Bad Dürrheim. Im folgenden Interview beantwortet sie Wolfgang Ramsteiner von der Selbsthilfegruppe COPD und Lunge e. V. wichtige Fragen.

Frau Frisch, der Lungenfacharzt hat Lungensport verordnet. Was muss ich denn darunter verstehen? Ich bin lungenkrank und soll Sport treiben. Ich bekomme ja keine Luft und kann mir nicht vorstellen, dass ich das kann. Ist das jetzt Joggen oder Schwimmen? Was ist Lungensport?

Lungensport ist kein Hochleistungssport, sondern ein spezielles Trainingsprogramm in der Gruppe für Menschen mit einer Lungenerkrankung. Dabei werden neben den Schulungen gezielte und auf die Atemwegserkrankung hin dosierte Einheiten zum Muskelaufbau und Ausdauertraining durchgeführt. Wer noch so fit ist, dass er Joggen und Schwimmen kann, darf dies gerne für sich machen. Es würde aber als Gruppeninhalt zu viele Lungenpatienten ausschließen. Und zwar genau die Gruppe, für die körperliches Training und Bewegung wichtiger denn je zum Erhalt der Lebensqualität ist.

Wer alles darf am Lungensport teilnehmen? Muss man da eine gewisse Fitness haben?

Am Lungensport dürfen alle Lungenerkrankten teilnehmen, deren Arzt es verordnet. Wichtig ist: ein Sauerstoffpatient sollte auch seinen Sauerstoff anlegen und nach ärztlicher Vorgabe aufdrehen. Fitness? Man muss Spaß daran haben, sich in der Gruppe – und damit mit Gleichgesinnten – zu bewegen und Interesse sowie die Bereitschaft haben, für seine Lebensqualität selbst etwas zu tun.

Die Teilnehmer haben ja unterschiedliche Konditionen. Wenn nun ein Teilnehmer mit den anderen nicht mithalten kann, ist da Einzeltherapie möglich?

Lungensport ist grundsätzlich ein Gruppenangebot. Aber jeder soll auch lernen, seine Grenzen selbstständig und eigenverantwortlich zu erkennen und zu setzen. Und es gilt immer: die Tagesform ist bei jedem und damit auch jedes Mal unterschiedlich, jeder hat andere Begleiterkrankungen und jede Übung ist anders. Bedeutet also, Pause machen und den Gegenüber freundlich und aufmunternd anlächeln. Und schon bei der nächsten Übung kann alles umgekehrt sein!

Warum sollte es denn überhaupt Lungensport sein, reicht es nicht, wenn der Betroffene ab und an spazieren geht?

Erstens geht man meistens beim Spazierengehen nicht an seine Belastungsgrenzen, zweitens nimmt man beim Spazierengehen zu oft Rücksicht auf das Tier (den inneren Schweinehund) in einem drin, drittens gibt es noch ganz viele andere Muskelgruppen, die trainiert werden müssen. Spazierengehen ist nicht falsch, aber ich würde es eher zusätzlich zum Lungensport empfehlen. Zumal beim Spazierengehen nicht zwangsläufig der Austausch mit Gleichgesinnten stattfindet, den ich für die Krankheitsbewältigung auch sehr wichtig finde.

Der Patient hat schon wegen seiner schweren Atemnot eine zusätzliche Sauerstoffversorgung und ist nur wenig belastbar. Ist es da nicht besser, wenn er sich schont und seinen Körper möglichst wenig belastet?

Das ist der bequeme Weg, aber entspricht nicht mehr der wissenschaftlichen Datenlage. Körperliches Training hat bei einigen Atemwegserkrankungen den gleichen Evidenzgrad wie auch Medikamente. (Evidenzgrad = Evidenzbasierte Medizin (EbM, von englisch evidence-based medicine „auf Beweismaterial gestützte Heilkunde“) ist eine jüngere Entwicklungsrichtung in der Medizin, die ausdrücklich die Forderung erhebt, dass bei einer medizinischen Behandlung patientenorientierte Entscheidungen nach Möglichkeit auf der Grundlage von empirisch nachgewiesener Wirksamkeit getroffen werden sollen.)

Wenn es in der Region eines Patienten keine Lungensportgruppe gibt, kann er sich dann einer Herzsportgruppe anschließen?

Als Alternative ist Herzsport zwar vielleicht manchmal besser als sich gar nicht zu bewegen. Aber die Herzsportgruppen sind in andere Belastungsstufen eingeteilt, legen den Schwerpunkt wenig bis kaum auf die Atmung (abhängig vom Übungsleiter) und es fehlen die gezielten Atemgrundlagen, Atemübungen und Atem-Bewegungs-Kombinationen und Schulungen.

Wer zahlt die Therapie? Die Krankenkasse oder der Patient selbst? Und wie lange geht die Therapie?

Die Therapie wird bei den gesetzlich Versicherten von den Krankenkassen – aufgrund der ärztlichen Verordnung – bezahlt. Privatversicherte können die Kurskosten einreichen. Hier gilt als kleiner Tipp: den kopierten Ausweis des Übungsleiters beilegen, dann ist die Chance der Kostenübernahme sehr viel größer. Patienten, die über den Rentenversicherungsträger eine pneumologische Rehabilitation machen, können sich von der Rehabilitationsfachklinik Lungensport für sechs Monate mit dem Kostenträger – in dem Fall – Rentenversicherung verordnen lassen. Ansonsten beläuft sich eine Lungensportverordnung im Regelfall auf 50 Einheiten in 18 Monaten oder 120 Einheiten in 36 Monaten. Der Hausarzt oder Lungenfacharzt füllt das Formular 56 aus, dieses ist bei der Krankenkasse zur Genehmigung einzureichen. Zuzahlungen, Rezeptgebühren oder auch Vereinsbeträge sind ausgeschlossen.

Wie können die Teilnehmer in der Lungensportgruppe trainiert werden?

Hoffentlich mit Spaß.

Welche Ziele sollen durch den Lungensport erreicht werden?

Ziele des Lungensports sollten aus meiner Sicht sein:

  • Bewusstmachung und Wahrnehmung der Atmung
  • Vermeidung/ Reduzierung schädigender Atemformen bei ADL (ADL = activities of daily living = Alltagsbelastungen bzw. Alltagsaktivitäten)
  • Alltagsorientiertes Training
  • Richtiges, effektives Treppensteigen
  • Treppentraining
  • Erhalt/Training der Ausdauerleistung
  • Allgemeine Kräftigung
  • Steigerung der physischen Belastbarkeit
  • Wahrnehmung und Verschiebbarkeit der Leistungsgrenzen
  • Steigerung der Thoraxbeweglichkeit
  • Verbesserung der Atemmuskelkraft
  • Ökonomisierung der Atemarbeit
  • Abnahme der Belastungsdyspnoe
  • Sekretmobilisation
  • Hustentechniken
  • Hustendisziplin
  • Nasenhygiene
  • Reduzierung der Exazerbationshäufigkeit
  • Vermeidung von Gelenkversteifungen bzw. Schonverhalten
  • Notfallverhalten (auch vom Partner)
  • Hygieneschulung (Langzeit-Sauerstofftherapie)
  • Wissensvermittlung
  • Entspannungstechniken
  • Vermittlung von Selbsthilfetechniken
  • Erfahrungsaustausch mit Betroffenen
  • Erarbeitung von umsetzbaren Heimprogrammen
  • Osteoporoseprophylaxe
  • Koordinationstraining
  • Unfall- und Sturzprophylaxe
  • Stärkung des Immunsystems

Frau Frisch, ich danke Ihnen für dieses informative Gespräch.

Quelle: COPD und Asthma 01/2013

06.06.13

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