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Lymphödem nach Brustkrebs

Frauen können nach einer Krebstherapie von einem Lymphödem betroffen sein. Wer sein Ödem frühzeitig behandeln lässt und ein paar wichtige Hinweise beachtet, darf hoffen, dass sich das Ödem zurückbildet. Aber auch, wer dauerhaft mit einem Lymphödem zu kämpfen hat, kann sich Linderung verschaffen, verrät Physiotherapeutin Claudia Rauschenbach, München, im Gespräch.

Wie entstehen Lymphödeme?

Lymphödeme entstehen, wenn die Lymphflüssigkeit (Lymphe) in den Lymphbahnen des Lymphgefäßsystems nicht mehr abfließen kann. Es kommt zu einem sog. Lymphstau. Dies kann verschiedene Ursachen haben. Ein primäres Lymphödem entsteht aus einer Fehlanlage des Lymphsystems. Ein sekundäres, durch Verletzungen des Lymphgefäßsystems wie etwa nach einer Brustkrebsoperation, wenn dadurch Lymphknoten entfernt und Lymphbahnen zerstört wurden. Man spricht dann auch von einem erworbenen Lymphödem.

Welche Beschwerden gehen damit einher?

Es gibt unterschiedliche Beschwerden, die aber nur in seltenen Fällen gemeinsam auftreten können. Durch die Schwellung kann es zu Spannungsschmerzen kommen. Je nach Schweregrad des Ödems können Rötungen und Entzündungen (Erysipel) der Haut auftreten. Eine Reduzierung der Beweglichkeit kann die Feinmotorik beeinflussen. Trockene und schuppige Haut, Hautgeschwüre (Ulcera) und Wucherungen treten dagegen bei einer guten Pflege des Ödems eher selten auf.

Welche Schweregrade gibt es hier?

Die Ödeme werden in vier Stadien eingeteilt: In Stadium 0 sind die Lymphgefäße geschädigt, aber es ist (noch) kein Lymphödem sicht- und tastbar. In Stadium 1 kommt es nach einer Belastung zu einer Schwellung. Das Gewebe ist weich und eine Delle lässt sich leicht eindrücken. Durch Hochlagerung der jeweiligen Extremität verschwindet das Ödem. Es sind keine Hautveränderungen sichtbar. In Stadium 2 bleibt auch nach längerem Hochlagern das Ödem vorhanden. Durch die komplexe physikalische Entstauungstherapie (aus manueller Lymphdrainage, Kompression, Bewegungstherapie und Hautpflege) kann die Schwellung beseitigt werden. Erste Hautveränderungen können auftreten sowie Rötungen und Entzündungen. Im Stadium 3 verschwindet und reduziert sich das Ödem nicht mehr. Es kommt zu Verhärtungen und warzenförmigen Wucherungen. Hautveränderungen treten auf. Ekzeme, Erysipele und Lymphfisteln sind die häufigsten Komplikationen. Ein noch ausgeprägtere Form solcher Schwellungen wird als „Elephantiasis“ bezeichnet.

Warum sind Krebspatientinnen davon betroffen?

Da Krebspatientinnen in einer Operation Lymphknoten entfernt werden, werden Lymphgefäße im betroffenen Rumpfabschnitt durchtrennt, der Abfluss der Lymphe wird gestört und diese beginnt, sich zu stauen. Aber auch durch eine Strahlentherapie wird das Lymphgefäßsystem negativ beeinflusst.

Wie häufig kommen Lymphödeme während einer Krebstherapie vor?

Das ist schwer zu sagen. Als Physiotherapeutin und Lymphtherapeutin habe ich die Erfahrung gemacht, dass Faktoren wie Behandlungsmethode, Schweregrad der Erkrankung und Verhalten der Patientinnen gegenüber ihrem Lymphödem – etwa bei der Pflege – ganz unterschiedlich sein können – und damit auch die Häufigkeit des Auftretens von Ödemen. Manche Menschen haben ein sehr stabiles und funktionstüchtiges Lymphgefäßsystem, andere nicht. Zudem können Lymphödeme gleich entstehen, aber auch erst nach Monaten oder Jahren.

Warum erst nach Jahren?

Es ist möglich, dass nach der Behandlung der Erkrankung noch Strukturen des Lymphgefäßsystems funktionieren und ihre Leistung erst zu einem späteren Zeitpunkt schlechter wird.

Wie und von wem können sie behandelt werden?

Sollten die Patientinnen bemerken, dass sich eine Schwellung bildet, Spannungsschmerzen auftreten oder die Kleidung zu eng wird, sollten sie sich direkt an ihren behandelten Arzt wenden. Über das „Stemmer’sche Zeichen“ kann man ebenfalls ein Lymphödem erkennen – lässt sich keine Hautfalte am Handrücken abheben, ist es ein positives Zeichen.
Wichtig ist die Ursache festzustellen und Kontraindikationen auszuschließen. Ist es eine Ansiedlung von Krebszellen, eine Thrombose, ein Erysipel oder ist es bedingt durch die Operation und Bestrahlung? Wenn Thrombosen, Entzündungen, Krebszellen ausgeschlossen werden können, sollte der Arzt den Patientinnen ein Rezept für manuelle Lymphdrainage ausstellen. Diese unterstützt das Lymphsystem in seiner Arbeit und hilft dabei, neue Wege für einen verbesserten Abfluss zu finden und neu zu bilden. Die manuelle Lymphdrainage darf nur durch einen zertifizierten Lymphtherapeuten durchgeführt werden. Zusätzlich sollte immer eine komplexe physikalische Entstauungstherapie durchgeführt werden. Darunter fällt neben der Lymphdrainage eine intensive Hautpflege, Hochlagerung der betroffenen Extremität, entstauende Übungen und vor allem eine Kompressionsbandage bzw. einen Kompressionsstrumpf. Mithilfe des Strumpfes wirkt die Lymphdrainage noch bis zu acht Stunden nach.

Besteht die Chance, dass Lymphödeme wieder vollständig verschwinden?

Je früher das Ödem erkannt und behandelt wird, desto besser die Aussichten für eine Rückbildung des Lymphödems. Hat das Ödem bereits ein höheres Stadium erreicht, kann es sich durch eine konsequente Therapie um ein ganzes Stadium verbessern.

Was können die Betroffenen selbst tun, um die Beschwerden zu lindern?

Wichtig ist, dass die Betroffenen Frauen ihr Ödem pflegen, um dafür zu sorgen, dass sich der Zustand nicht verschlechtert, aber verbessert.

Tipps für Patientinnen mit Lymphödem

  • Gehen Sie regelmäßig zur manuellen Lymphdrainage.
  • Vermeiden Sie Verletzungen.
  • Vermeiden Sie übermäßige Hitze und Kälte.
  • Vermeiden die Verletzungen von Tieren (z. B. Kratzer von Katzen).
  • Überlasten Sie Ihren Arm nicht.
  • Vermeiden Sie schweres Heben und Tragen.
  • Tragen Sie Ihre Handtasche auf der nicht betroffenen Seite, um Einschnürungen zu vermeiden.
  • Achten Sie auf weite Kleidung – BHs sollten einen breiten Träger haben um ebenfalls nicht einzuschnüren.
  • Uhren, Armbänder, Ringe müssen locker sitzen.
  • Blutdruckmessen, Injektionen nicht an der betroffenen Seite.
  • Vermeiden Sie knetende Massagen und Wärmeanwendungen (z. B. Fango).
  • Verletzungen, Mückenstiche, Entzündungen, Pilze und Ekzeme müssen vom Arzt behandelt werden.

Quelle: Leben? Leben! 3/2015

12.06.17

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