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Mangelerscheinungen bei Diabetes

Bei Mangelerscheinungen denkt man in erster Linie an Untergewicht und ausgezehrte Menschen. Vor diesem Hintergrund ist kaum vorstellbar, dass es auch sehr viele Menschen mit Diabetes gibt, die unter Mangelerscheinungen leiden, ohne es zu ahnen. Damit ist nicht in erster Linie das Körpergewicht gemeint. Natürlich gibt es auch untergewichtige Menschen mit Diabetes – aber das ist außerordentlich selten und trifft auf weniger als zwei von 100 Menschen mit Diabetes zu. Mindestens 80 % der Menschen mit Diabetes sind übergewichtig.

Mangelerscheinungen treten bei Menschen mit Diabetes im Bereich bestimmter Nahrungsinhaltsstoffe auf. Einerseits kann die Zufuhr zu gering und andererseits der Bedarf erhöht sein. Folgende Nahrungsinhaltsstoffe sind bei Menschen mit Diabetes häufig betroffen:

  • Omega-3-Fettsäuren
  • Mehrfach ungesättigte Fettsäuren
  • Ballaststoffe
  • Zink
  • Chrom
  • Magnesium
  • Antioxidantien
  • Antientzündliche Mikronährstoffe

Das Kardinalsymptom von Diabetes mellitus sind erhöhte Blutzuckerwerte. Ab einem Blutzuckerspiegel von 8,3–11,1 mmol/l (150–200 mg/dl) wird die sog. Nierenschwelle für Traubenzucker (Glukose) überschritten. Damit kommt es zur Ausscheidung von Glukose über den Urin. Bei diesem Prozess gehen neben Flüssigkeit und Glukose auch wasserlösliche Mikronährstoffe wie Mineralstoffe und bestimmte Vitamine (wasserlösliche Vitamine der C- und B-Gruppe) verloren. Zudem kann der Bedarf erhöht sein, da Diabetes mellitus einen erhöhten Antioxidantienbedarf hervorruft und es im Rahmen der Erkrankung zu chronischen entzündlichen Reaktionen kommen kann.

Von besonderer Wichtigkeit ist, dass eine optimale Versorgung mit oben genannten Nahrungsinhaltsstoffen durchaus in der Lage ist, die Blutzuckereinstellung zu optimieren. Orale Antidiabetika (Tabletten zur Regulation des Blutzuckers) oder Insulin können durch eine gezielte Nährstofftherapie oder auch die Gabe von Zimt-Extrakten nicht ersetzt werden. Es kann aber zu den Maßnahmen der adjuvanten – also zusätzlichen/ergänzenden – Therapie gehören. In der orthomolekularen Medizin gehören zu den oben genannten Inhaltsstoffen u. a. auch L-Carnithin, Vitamin C und E, Coenzym Q10, Selen und Alpha-Liponsäure zu den Mitteln der Wahl bei Diabetes mellitus. Nicht nur in der Naturheilkunde nimmt der Stellenwert von bestimmten sekundären Pflanzenstoffen – beispielsweise aus Zimt-Extrakten – immer mehr an Bedeutung zu.

Therapiekonzept bei Diabetes mellitus

Neben Bewegung und medikamentöser Therapie spielen insbesondere die essenziellen (lebenswichtigen) Spurenelemente Zink und Chrom sowie Magnesium eine wichtige Rolle in der Blutzuckerregulation von Menschen mit Diabetes. Wissenschaftlich anerkannte Studien zeigen, dass beispielsweise die Gabe von Zink-Extrakten bei Menschen mit Typ-2-Diabetes den Blutzucker um bis zu 30 % senken kann, ohne Unterzuckerungen hervorzurufen. Bei der Zinkversorgungsproblematik ist zu beachten, dass organische Zinkverbindungen anorganischen überlegen sind, da ihre Bioverfügbarkeit höher ist, sie also schneller und besser vom Körper aufgenommen werden. Daher wird Zink aus tierischen Lebensmitteln wie Rindfleisch besonders gut aufgenommen. Rindfleisch enthält die Aminosäure Histidin und ist reich an Zink.

Menschen mit Diabetes verlieren reichlich Zink und Chrom über den Urin

Wissenschaftliche Untersuchungen beweisen, dass Diabetiker bis zu zehnmal mehr Zink und Chrom über den Urin verlieren als Gesunde. Daher leiden viele Menschen mit Diabetes unter einem Zink-Chrom-Mangel und das lässt das Insulin schlechter wirken. Da Zink, Zimt und Chrom insbesondere die Wirkung des Insulins verstärken, indem sie die Insulinresistenz vermindern und die Wirkung des Hormons an den Zellen verbessern, eignen sie sich zur Stoffwechseloptimierung bei Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes.

Menschen mit Diabetes haben ein hohes Risiko einen Zinkmangel zu entwickeln. Studien zufolge liegt bei Menschen mit Diabetes beispielsweise der Zinkverlust über den Urin um das zwei- bis dreifache oberhalb der Norm. Zink hat eine bedeutende Rolle in der Kontrolle des Kohlenhydratstoffwechsels, der Blutzuckerregulation und der Insulinwirkung. Die aktuellen Ernährungsempfehlungen für Menschen mit Diabetes können zu einem Zinkmangel führen, da eine ballaststoffreiche und relativ eiweißarme Ernährung eher zinkarm und die Bioverfügbarkeit des enthaltenen Zinks gering ist. Pflanzliche Lebensmittel weisen eine schlechtere Bioverfügbarkeit für Zink auf als tierische. Bestimmte Eiweißbausteine (= Aminosäuren) wie Histidin verbessern die Zinkverfügbarkeit entscheidend.

Zink – Ein lebenswichtiges Spurenelement

Zink ist neben Eisen mengenmäßig das zweithäufigste Spurenelement im menschlichen Organismus. Der Körper eines Erwachsenen enthält etwa zwei bis drei Gramm Zink, das vor allem in Haaren, Hoden, Knochen, Muskeln, Eierstöcken (Ovarien), Prostata und den insulinproduzierenden Inselzellen der Bauchspeicheldrüse in hoher Konzentration vorkommt. Menschen mit Diabetes leiden stärker unter oxidativem Stress als Gesunde. Daher ist ihr Antioxidanzienbedarf erhöht. Die antioxidativen Effekte von Zink bei Menschen mit Diabetes konnten in verschiedenen Studien gezeigt werden¹.

Zink verbessert die Insulinspeicherung bei Menschen mit Typ-2-Diabetes. Zinkmangel hemmt die Insulinaktivität und die Insulinrezeptorbildung. Der Zinkbedarf beträgt laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) im Erwachsenenalter 7 mg für Frauen und 10 mg für Männer täglich. Die tägliche durchschnittliche Zinkaufnahme über Nahrungsmittel liegt unter dieser Empfehlung.

Menschen mit Diabetes gehören zu den Risikogruppen der Zinkversorgung. Die Urin-Zink-Verluste sind bei Menschen mit Diabetes deutlich gesteigert. Dies trifft insbesondere auf Menschen mit Diabetes zu, die unter diabetischer Nephropathie leiden. In einer Studie findet sich eine Urin-Zink-Ausscheidung, die bei Menschen mit Diabetes im Vergleich zu Gesunden um 50–150 % gesteigert ist. Die zur Behandlung von Bluthochdruck bei Menschen mit Diabetes relativ häufig eingesetzten ACE-Hemmer können einen Zinkmangel hervorrufen. Bei der Behandlung müssen Therapeuten daher i. d. R. den Zinkmangel ausgleichen, um Mangelerscheinungen vorzubeugen. Bei Glukosurie (Harnzuckerausscheidung bei Überschreiten der Nierenschwelle) ist der Zinkverlust noch stärker gesteigert und kann das zwei- bis dreifache der Norm überschreiten. Auch in der Schwangerschaft verlieren Diabetikerinnen vermehrt Zink. Ein Zinkdefizit in der Schwangerschaft kann zu einem zu niedrigen Geburtsgewicht führen.

Menschen mit Diabetes leiden oftmals unter Wundheilungsstörungen und sind infektanfällig. Durch seine entzündungshemmenden und abwehrkräftesteigernden Effekte ist Zink für Menschen mit Diabetes ein besonders wichtiges Spurenelement. Zink ist entscheidend an der Blutzuckerregulation, der Insulinbildung sowie -wirkung an den Zellen beteiligt. Im Tierversuch führt ein Zinkmangel sogar zu diabetesähnlichen Symptomen. Zinkmangel erschwert die Kontrolle der Blutzuckerregulation. Ernährungsmedizinisch empfohlen ist die tägliche Einnahme von etwas 15 mg Zink in Form von Zink-Histidin-Präparaten. Nach einer Einnahmedauer von sechs bis acht Wochen normalisieren sich Zinkspiegel und Immunstatus, außerdem verbessert sich die Wundheilung, was auch beim diabetischen Fuß (Gangrän) wichtig ist.

Chrom ist ein Bestandteil des Glukosetoleranzfaktors

Es ist wissenschaftlich anerkannt, dass das Spurenelement Chrom und möglicherweise eine chromhaltige, in der Nahrung vorkommende – auch als Glukosetoleranzfaktor bezeichnete – Substanz (enthält Aminosäuren und Nikotinsäure) eine signifikante Beziehung zum Glukosestoffwechsel haben. Den täglichen Chrombedarf für gesunde Erwachsene gibt die DGE im Rahmen der Referenzwerte für Deutschland, Österreich und die Schweiz mit 30 bis 100 µg an.

Die Experten der DGE schließen in ihren Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr darauf, dass bei gestörter Glukosetoleranz eine deutliche Verbesserung der Blutzuckerregulation durch Chromzulage erzielt werden kann. Der Bedarf an Insulin (körpereigenem und von außen zugeführt) kann durch eine optimale Chromversorgung bei Patienten bei denen zuvor ein Mangel vorlag, verringert werden. Die Insulin-Rezeptor-Bindung und der Einstrom von Blutzucker in die Zellen ist unter Chromgabe und optimaler Chromversorgung deutlich verbessert.

Effekte einer Mikronährstofftherapie wie beispielsweise einer zusätzlichen Zink-/Chromgabe treten i. d. R. erst nach vier bis acht Wochen regelmäßiger Einnahme ein. Wichtig ist es auch, über eine zusätzliche Einnahme von Vitamin C nachzudenken. In einer Doppelblindstudie (randomisiert) mit Menschen mit Typ-2-Diabetes führte die Gabe von täglich zweimal 500 mg Vitamin C über einen Zeitraum von vier Monaten gegenüber Placebo zu einer signifikanten Reduktion der Insulinresistenz, des HbA1c-Wertes sowie der Blutfettwerte².

Mikronährstoffe nach ärztlicher Empfehlung einnehmen

In der Diabetestherapie sollte im Sinne der Menschen mit Diabetes verstärkt über eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten zur Deckung von bestimmten essenziellen Nahrungsinhaltsstoffen wie Zink, Chrom oder Magnesium nachgedacht werden. In bestimmten Situationen kann auch die Substitution von Makro- und Mikronähstoffen erwogen werden. Diese sollte grundsätzlich nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Diabetologen sowie Diätassistenten und Ernährungswissenschaftler erfolgen. Zudem ist die Beratung in der Apotheke wichtig.

Sven-David Müller, MSc.
Staatlich anerkannter Diätassistent
Diabetesberater Deutsche Diabetes Gesellschaft

Quellen:
¹ Aydin A, Orhan H, Sayal A, Ozata M, Sahin G, Isimer A: Oxidative stress an nitric oxide related parameters in type II diabetes mellitus: effects of glycemic control, Clin Biochem 2001, 34(1), 65-70.
² Paolisso, G., et al.: Metabolic benefits deriving from chronic vitamin C supplementation in aged non-insulin dependent diabetics. J. Am. Coll. Nutr. 14 (4), 387 – 392, 1995

Quelle: Befund Diabetes 2/2016

27.09.16

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