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Mastektomie bei Brustkrebs

Weiblich fühlen trotz Mastektomie – Tipps einer Expertin

Mit modernen Hilfsmitteln wie Epithesen und speziellen BHs fällt das Fehlen der Brust nicht auf. Entspannungsübungen können helfen, das Selbstwertgefühl wieder zu erlangen. Auch die Hilfe des Partners ist wichtig, weiß die Vorsitzende der Allianz gegen Brustkrebs Annette Kruse-Keirath.

Wann entscheiden sich Ärzte bei einer Brustkrebserkrankung für eine Amputation der Brust?

Eine Amputation der Brust ist in Deutschland heute die Ausnahme. 73 % der an Brustkrebs erkrankten Frauen werden brusterhaltend operiert, Tendenz steigend. Allerdings lässt sich die Entfernung der Brust nicht immer vermeiden. Dann, wenn sich in der Brust mehrere Krebsherde befinden (multizentrische Tumore), das Größenverhältnis von Tumor zu Brust ungünstig ist oder der Tumor bei brusterhaltender Operation nicht im Gesamten entfernt werden kann, empfehlen die aktuellen S3 Leitlinien eine Amputation. Gleiches gilt auch bei entzündlichem Brustkrebs (inflammatorisches Mammakarzinom) und ausgedehnten Brustkrebsvorstufen (DCIS=duktales Carcinom in situ). Eine weitere Indikation für eine Brustamputation ist dann gegeben, wenn eine anschließende Bestrahlung technisch nicht möglich ist oder von der Patientin abgelehnt wird.

Wer entscheidet am Ende, ob eine Mastektomie notwendig ist?

Die Entscheidung, ob die Brust tatsächlich abgenommen werden soll, muss immer gemeinsam von Patientin und Arzt getroffen werden. Der Arzt muss die Patientin über die Vor- und Nachteile des Eingriffs informieren, kann eine medizinische Empfehlung aussprechen, die letztendliche Entscheidung trifft aber die Frau selbst. Hier gibt es sicherlich noch Nachbesserungsbedarf. Denn noch immer berichten Patientinnen nach der Operation, dass sie sich nicht optimal informiert gefühlt hätten.

Welche körperlichen Folgen hat eine Amputation?

Die Entfernung der Brust wird von jeder Frau anders erlebt und auch bewältigt. Die meisten Patientinnen sind einerseits froh, wenn der Tumor entfernt ist. Anderseits verändert sich das Körperbild durch den Eingriff massiv. Die Operation wird häufig als „Verstümmelung“ und Angriff auf die Weiblichkeit erlebt – denn die Brust ist seit jeher der Inbegriff des Frauseins. Hinzu kommen auch körperliche Beschwerden, wie Schmerzen oder Wundheilungsstörungen, die nach der Operation auftreten können. Meist sind diese aber gut beherrschbar. Insbesondere bei großem Brustvolumen kann es nach der Entfernung einer Brust zu Asymmetrien und Fehlhaltungen kommen.

Wie sehen psychische Folgen aus?

Die psychischen „Nebenwirkungen“ der Amputation können ebenfalls schwerwiegend und lang andauernd sein. Frauen, die in einer Partnerschaft leben, befürchten oft, dass sich ihr Mann von ihnen abwendet, weil sie nicht mehr attraktiv sind. Junge Frauen ohne Partner scheuen sich nach Abschluss der Behandlung oftmals, überhaupt eine Beziehung einzugehen meist aus Furcht davor, sich dem Partner in ihrer veränderten Körperlichkeit zeigen zu müssen. Die körperlichen wie die seelischen Folgen einer Amputation können sehr belastend sein und die Lebensqualität der Patientin einschränken.

Was raten Sie Frauen, deren Brust abgenommen wurde?

Wir raten den Frauen zunächst, die Entscheidung für oder gegen eine Rekonstruktion nicht unter Zeitdruck zu treffen. Zumal mit dem Brustaufbau erneute Operationen verbunden sind und auch Nebenwirkungen wie Lappenabstoßung oder Kapselfibrosen auftreten können. Die plastische Chirurgie hat die Komplikationsraten mittels neuer Techniken zwar verringern, aber nicht verhindern können. Dies müssen die Patientinnen vor der Entscheidung für einen Brustaufbau wissen.

Wie können Frauen lernen, sich auch ohne Brust wieder wohl und weiblich zu fühlen?

Viele Patientinnen, die anfangs befürchtet haben, mit dem veränderten Körperbild nicht leben zu können, merken insbesondere dann, wenn ihr Partner ihnen unterstützend zur Seite steht, dass sich Attraktivität und Weiblichkeit nicht an der Brust allein festmachen. Wichtig ist nach unserer Erfahrung, dass die Frauen sich nicht abschotten, sondern aktiv sind und im Alltag merken, dass sie trotz der Brustkrebserkrankung ein erfülltes Leben leben können. Dank der modernen Hilfsmittel wie Epithesen und Spezial-BHs ist der Verlust der Brust heute nicht sichtbar und ermöglicht auch sportliche Aktivitäten wie Schwimmen, Joggen und Krafttraining.

Wie kann gezielt das eigene positive Körpergefühl wieder erlangt und geschult werden?

Hier ist es zunächst einmal wichtig, den eigenen Körper wieder lieben zu lernen, ihn als anders, aber nicht minderwertig wahrzunehmen. Ein liebevoller Partner kann hier eine große Hilfe sein. Viele Patientinnen berichten, das Yoga und andere Entspannungstechniken ihnen geholfen haben, sich wieder ganz als Frau zu fühlen. Und natürlich sind auch Kleidung, Frisur und Make-up für das positive Körpergefühl wichtig. Wie fasste eine Freundin dies so treffend zusammen: Nur weil ich eine Brust verloren habe, muss ich mich doch nicht hässlich machen.

Welche Möglichkeiten gibt es, auch ohne rekonstruierte Brust weiblich auszusehen auch in enger Kleidung und etwa im Schwimmbad?

Die modernen Hilfsmittel sind aus gut verträglichen Materialien gefertigt, tragen kaum auf, lassen sich gut befestigen und empfinden die natürliche Brust meist gut nach. Auch im Badeanzug und im Abendkleid kann eine Frau nach einer Brustamputation heute gut aussehen. Epithesen – diese sind manchmal auch nach brusterhaltender OP notwendig, um einen Defekt abzudecken – gibt es in unterschiedlichen Größen und Formen, die den individuellen Wünschen und Bedürfnissen der Frauen angepasst werden können. Wichtig ist hier eine produktunabhängige Beratung durch das Sanitätshaus, denn das teuerste Produkt muss nicht das Beste sein. Frauen mit kleiner Brust tragen oftmals gar keine oder nur selten eine Epithese. Das ist eine Frage des Geschmacks und des eigenen Selbstbewusstseins.

Wie viele Frauen haben zunächst Interesse an einer Rekonstruktion und wie viele entscheiden sich dafür Ihrer Erfahrung nach?

Prof. Rezai aus Düsseldorf berichtete auf dem Senologiekongress 2015, dass sich nur 18 % der brustamputierten Patientinnen letztendlich für einen Wiederaufbau entscheiden. Hier stehen bei den meisten zunächst Heilung und Gesundwerden im Vordergrund, die Ästhetik ist für viele zweitrangig. Die aktuellen Behandlungsempfehlungen sehen vor, dass bereits das Brustzentrum die Patientinnen über die unterschiedlichen Möglichkeiten des Wiederaufbaus der Brust informiert. Diese Beratung ist wichtig, weil besonders dann, wenn ein sofortiger Wiederaufbau der Brust gewünscht ist, ein anderes operatives Vorgehen notwendig ist. Viele Patientinnen möchten allerdings erst in Ruhe gesund werden und sich dann erst der Frage nach dem Wiederaufbau der Brust stellen, der ja auch später immer noch möglich ist. Oftmals merken die Frauen dann, dass sie im Alltag auch gut ohne Brust zurechtkommen. Sie verzichten dann auf eine erneute Operation und die Rekonstruktion. Es kommt aber auch vor, dass sich Brustkrebspatientinnen nach vielen Jahren doch noch für einen Wiederaufbau entscheiden.

Wo finden sie Ansprechpartner, die ihnen in dieser Zeit helfen?

Die Patientinnen können sich im Brustzentrum an die behandelnden Ärzte, die BreastCare Nurses und die Psychoonkologen wenden. Später ist die Betreuung durch einen guten und einfühlsamen Frauenarzt in der Nachsorge wichtig. Auch erfahrene und speziell ausgebildete Physiotherapeuten können wichtig sein. Manche Frauen benötigen nach der eigentlichen Therapiephase noch psychologische Unterstützung. Zudem kann die Selbsthilfe wichtige Impulse geben. Hier werden durch den Erfahrungsaustausch von Frau zu Frau oft wichtige und ganz praxisnahe Tipps weitergegeben.

Wen sollten Betroffene vor ihrer Entscheidung für oder gegen eine Rekonstruktion unbedingt zu rate ziehen?

In jedem Fall sollte sich eine Brustkrebspatientin vor einer Rekonstruktion von einem spezialisierten Facharzt für plastische Chirurgie beraten lassen und sich u. U. auch eine Zweitmeinung einholen. In zertifizierten Brustzentren arbeiten solche Chirurgen, die diese Beratung durchführen. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ästhetische und Plastische Chirurgie (DGÄPC) informiert über die unterschiedlichen Möglichkeiten der Brustrekonstruktion.

Quelle: Leben? Leben! 3/2015

07.10.15

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