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Medikamentöse Therapie bei Darmkrebs

Teil eines fächerübergreifenden Konzepts bei Dickdarm- und Enddarmkrebs

Die medikamentöse Therapie des kolorektalen Karzinoms (Krebserkrankung des Dick- oder Enddarms) hat sich in den letzten Jahren als zusätzliche Therapiemöglichkeit etabliert. Die Ergebnisse in der Behandlung von Dickdarm- und Enddarmtumoren wurden durch die Kombination der chirurgischen Therapie mit der medikamentösen Therapie und ggf. mit einer Strahlentherapie (beim Enddarmkrebs) deutlich verbessert.

Dieser fächerübergreifende Therapieansatz kommt Patienten durch Verbesserung des Langzeitüberlebens und durch ein verringertes Wiederauftreten der Krebserkrankung (Rezidiv) zugute. So wird heute nach spezieller Diagnostik festgelegt, welche Therapieform bei dem jeweiligen Patienten durchgeführt wird. Ein wesentlicher Bestandteil der Therapieentscheidung und der Nachsorge ist die fächerübergreifende Tumorkonferenz: Hier passen die teilnehmenden Ärzte (Onkologen, Radiologen, Chirurgen, Strahlentherapeuten und Pathologen) durch eine übereinstimmende Entscheidung, abhängig vom Allgemeinzustand des Patienten und der Histologie (feingewebliche Aufarbeitung des Operationspräparates), das Therapiekonzept ganz individuell an.

Dabei stellt die chirurgische Entfernung des Tumors einen wesentlichen Teil der Therapie dar. Diese wird aber in die Gesamtbehandlung eingebettet. Sowohl beim Dick- als auch beim Enddarmkrebs ist die „radikale“ Chirurgie mit operativer Entfernung und Mitnahme der umliegenden Lymphknoten der empfohlene Standard und sollte qualitätskontrolliert durchgeführt werden. Die laparoskopische Technik, bei der mithilfe eines optischen Instruments ein Eingriff innerhalb der Bauchhöhle vorgenommen wird, kann bei der Chirurgie des Dickdarmkrebses im Vergleich zur offenen Chirurgie durch einen Bauchschnitt gleichwertige Ergebnisse erzielen. Dies ist allerdings abhängig vom Tumorstadium und der Erfahrung des Chirurgen.

Zusätzliche Chemotherapie verbessert die Prognose

Bei einem nicht metastasierten Dickdarmtumor (keine Streuung in andere Gewebe) wird entsprechend der feingeweblichen Aufarbeitung die Entscheidung zu einer additiven (zusätzlichen) Chemotherapie gefällt. Diese verbessert die Prognose (d. h., die Fünf-Jahres-Überlebensrate wird verbessert) und die Lokalrezidivrate (sie betrifft das erneute Auftreten des Tumors an der bereits vorher behandelten Stelle) gesenkt. Werden in der feingeweblichen Untersuchung nach einer erfolgten Operation befallene Lymphknoten festgestellt, ist eine additive Chemotherapie angezeigt. Wenn Lymphknoten befallen sind, bedeutet dies, dass sich von dem primären Tumorgewebe schon Krebszellen abgelöst und über das Blut oder das Lymphsystem in Lymphknoten, aber auch möglicherweise an andere Stellen im Organismus gestreut haben. Daher empfiehlt es sich bei Vorliegen eines Lymphdrüsenbefalls, eine sog. adjuvante, also ergänzende Chemotherapie durchzuführen. Diese soll die mikroskopisch kleinen Tumorzellen abtöten und verhindern, dass Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen entstehen.

Beim Krebs des Enddarms ist für die Prognose der Erkrankung zusätzlich wichtig, dass neben der Verhinderung von Metastasen an anderen Organen auch kein Krankheitsrückfall am selben Ort (Lokalrezidiv) auftritt. Durch die heutigen modernen Operationstechniken konnte das Risiko der Entstehung eines Lokalrezidivs des Enddarmtumors deutlich reduziert werden. Eine additive Radiochemotherapie, also eine zusätzliche Kombination von Strahlenbehandlung und Gabe von Chemotherapeutika, kann das Risiko zusätzlich deutlich senken. Die mit der Strahlentherapie verabreichten Chemotherapeutika verstärken die Wirkung der Bestrahlung am Entstehungsort des Tumors und zerstören zudem die im Körper möglicherweise vorhandenen mikroskopisch kleinen Tumorzellen. Dadurch wird wiederum das Risiko der Entstehung von Tumorabsiedlungen in anderen Organen verringert.

Eine zielgerichtete, individuell angepasste Diagnostik vor einer Operation entscheidet, ob wir in der fächerübergreifenden Therapie des Enddarmtumors mit einer kombinierten Strahlen-Chemotherapie vor der Operation beginnen. Es hat sich bei entsprechenden Tumorstadien bewährt, die kombinierte Radio-Chemotherapie vor der Operation durchzuführen, da die Tumoren so noch vor der Operation verkleinert werden können. Dies führt dazu, dass ein deutlich höherer Anteil einer vollständigen Tumorentfernung erzielt werden kann.

In der medikamentösen Therapie des Dickdarm- und Enddarmkrebses kommen chemotherapeutische Substanzen zum Einsatz, die auf die Zellteilung wirken. Bei der Chemotherapie werden diejenigen Zellen angegriffen, die sich oft teilen. Da sich Krebszellen weitaus öfter teilen als normales Gewebe, fügen die Chemotherapeutika den Krebszellen so schwere Schäden zu, dass die Zellen absterben. Dennoch wirken die Medikamente z. T. auch auf gesunde Zellen. Daher kann es zu Nebenwirkungen kommen, welche vor allem zu Schädigungen der sich schneller teilenden gesunden Gewebe führt (Haare, Nägel, Magenschleimhaut, Darmschleimhaut). So kann es zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Haarausfall und Verhornungsstörungen der Nägel kommen. Dies ist aber nicht zwangsläufig. Durch neue Chemotherapeutika sowie das umfangreiche Wissen um den individuell angepassten Einsatz dieser Mittel sind die Nebenwirkungen heute geringer und können zudem durch unterstützende Therapien (sog. Supportivtherapien) gelindert werden.

Zudem gibt es eine neue, moderne, zielgerichtete medikamentöse Therapie, welche sich unmittelbar gegen die Krebszellen richtet. Es handelt sich um Antikörper (sog. Rezeptorblocker), die Rezeptoren (Empfangsstellen der Zelle) blockieren, die das Tumorwachstum anregen. Ein Rezeptorblocker wirkt gegen die Neuentstehung von Blutgefäßen im und um den Tumor (sog. Angiogenese-Hemmung). Die Krebsgeschwulst wird so unterversorgt und kann nicht mehr wachsen. Ein anderer Rezeptorblocker blockiert die Wachstumsrezeptoren des Tumors direkt und führt so zu einem Wachstumsstopp. Nur wenige Nebenwirkungen dieser Therapie sind beschrieben. In Deutschland sind diese Antikörper zugelassen und können auch in einem metastasierenden Stadium die Tumorerkrankung aufhalten und zurückdrängen.

Neben der Chemo- und Antikörpertherapie gibt es weitere Verfahren, wie die Kryotherapie (Einsatz von Gefriertechniken zur Entfernung des Tumorgewebes), die Lasertherapie (Verdampfung von Gewebe durch Laserstrahlen) oder immuntherapeutische Möglichkeiten, metastasierte Krebsleiden aufzuhalten. Insbesondere ist es möglich, mit Hochfrequenzstromsonden die Metastasen durch zielgerichtetes Einstechen im Körper abzutöten (sog. Thermoablation). Die fächerübergreifende, sog. multimodale Therapie des Dickdarm- und des Enddarmtumors hat in den letzten Jahren wesentliche Fortschritte erzielt. Die Kombination von chirurgischen und medikamentösen Verfahren hat zu einer deutlichen Verbesserung des Langzeitüberlebens der Patienten geführt.

Prof. Dr. med. Matthias Pross, Berlin

Quelle: Befund Krebs 4/2010

06.11.10

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