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Mein Leben mit Diabetes

Kabarettist und Entertainer Andy Woerz

Andy Woerz ist Kabarettist, Schauspieler, Sänger, Sprecher sowie Entertainer und lebt seit 2011 mit Diabetes Typ 2. Im Gespräch mit „Befund Diabetes Österreich“ verrät er, wie die Krankheit sein Leben verändert hat und wie er damit im Berufsalltag umgeht.

Im Herbst 2011 wurde bei Ihnen Diabetes Typ 2 diagnostiziert. Erinnern Sie sich noch an Ihre Reaktion?

Ich hab mich schon sterben gesehen, weil ich befürchtet habe, ich müsste jetzt vor jedem Essen Insulineinheiten ausrechnen. (Und ich war in Mathe noch nie gut!) Außerdem hatte ich immer ein Bild vor mir, wie ich als alter Mann auf einem Balkon mit Meeresblick sitze, frisches Baguette, Käse und einen guten Schluck schweren Rotweins genießen würde – und nun hatte ich plötzlich die traurige Gewissheit, dass es das wohl nie geben würde. Allein: Ich trinke ohnehin überhaupt keinen Alkohol.

Warum haben Sie damals einen Arzt konsultiert? Wie hat sich der Diabetes bemerkbar gemacht?

Ich musste nachts verstärkt auf die Toilette. Das fiel mir eine Zeit lang nicht so sehr auf, da ich immer schon gerne und viel Wasser getrunken habe. Aber es war öfter als gewohnt, und ich vermutete ein Blasenproblem.

Wie gingen Sie mit der Diagnose um? Wie hat sich Ihr Leben danach verändert?

Ich habe mich zuerst beim Arzt und dann weiter im Internet schlau gemacht. Ich habe auch Freunde mit Diabetes gefragt und versucht herauszufinden, was ich mir da eigentlich eingehandelt habe. Seitdem versuche ich, viel bewusster zu essen und mehr Sport zu treiben. Ich habe zwar immer schon gesund gegessen, aber auch die ungesunden Sachen mit viel Zucker. Jetzt lass ich Letzteres weitestgehend weg.

Welche Reaktionen gab es aus Ihrer Familie und Ihrem Freundeskreis?

Es gab eine ganze Reihe von Ratschlägen, die ich erst sortieren und darüber entscheiden musste, ob sie für mich überhaupt umsetzbar sind. „Du solltest regelmäßiger leben“ ist zwar lieb gemeint, aber in meinem Beruf nicht so leicht umzusetzen.

Sie sind Kabarettist, Schauspieler, Sänger und Entertainer und führen ein stressiges Leben. Wie meistern Sie Ihren Alltag mit Diabetes?

Genauso wie ohne Diabetes, nur wesentlich aufmerksamer und bewusster, was die Ernährung betrifft. Ich arbeite zudem als Sänger für diverse Musikproduktionen und auch als Sprecher für Werbungen, Dokumentationen und Synchronisationen. Fakt ist: In den Tonstudios sind verlockende Süßigkeiten und Botendienst-Pizza im Allgemeinen schneller zur Hand als Vollkornprodukte und zuckerarme Nahrung.

Sie waren als Kind zweifacher Tiroler Landesmeister im Brustschwimmen und Delfinstil. Ist sportliche Aktivität für Sie ein wichtiges Kriterium zur Therapie von Diabetes? Treiben Sie selbst Sport?

Ja, ich fahre öfter mit dem Rad, gehe mehr zu Fuß und trainiere jetzt wieder. Ich schwimme Wettkämpfe und versuche langsam, aber sicher, meine Kondition und Kraft wieder auf Vordermann zu bringen. Das Schwimmen hängt aber nicht mit dem Diabetes zusammen, das wollte ich ohnehin schon länger wieder machen.

Sie haben Diabetes auch in Ihren Kabarett-Programmen thematisiert. War das für Sie ein Weg, um mit der Erkrankung besser umgehen zu können? Oder wollten Sie auf diesem Weg mehr Menschen für Diabetes sensibilisieren?

Nein. Da gibt es keinen missionierenden Ansatz. Das Thema Diabetes wird im Programm im ersten Teil kurz angeschnitten, der Schwerpunkt des Erzählens liegt auf meinen Erlebnissen bei einer dreiwöchigen Krankenkassenkur. Um 6 Uhr aufzustehen und um 22 Uhr auf dem Zimmer sein zu müssen, ist für eine „Eule“ wie mich ein echtes Thema. Da bekomme ich Jetlag. 6 Uhr in der Früh ist für mich eine rein theoretische Zeit, die ich in erster Linie vom Hörensagen kenne. Dafür geht 22 Uhr bei mir locker als „späterer Nachmittag“ durch. Oder auch mein Erlebnis bei der Alte-Leute-Aquagymnastik mit der Hauptübung „Arme vorwärts und rückwärts kreisen“ sowie „Bein heben und senken“. Das ist für einen (ehemaligen) Leistungsschwimmer irgendwie recht peinlich. Als ich dann in einer kurzen Pause (warum überhaupt Pause?!?) eine Länge Delfin geschwommen bin, um mich zur Abwechslung auch ein bisschen auf meinem sportlichen Niveau zu bewegen (es ist derzeit ohnehin noch tief genug), folgte die Empörung, dass ich zu viele Wellen machen würde und nun die Haare der mitturnenden Dame nass und Wasserspritzer auf deren Brillen seien. Das kann man auf der Bühne pointiert darstellen.

Wie würden Sie den Wissensstand um die Erkrankung in Österreich generell beschreiben? Gibt es Ihrer Meinung nach Nachholbedarf?

Den allgemeinen Wissensstand wage ich nicht zu beurteilen. Ich wusste, dass es das gibt. Mehr nicht. Nur, die Menschen schießen sich seit ein paar Jahren extrem auf das Rauchen ein, weil „man“ weiß, dass das schädlich ist. Würde man sich mit der gleichen Vehemenz gegen die überzuckerten und gesundheitlich bedenklichen Nahrungsmittel wehren, fände ich das wichtiger. Überspitzt formuliert: Rauchen kann man sich abgewöhnen. Essen nicht.

Welchen Rat würden Sie neu diagnostizierten Diabetikern geben? Was empfehlen Sie Betroffenen?

Ich würde sagen: Nun gut, jetzt sitzen Sie also in der Scheiße. Tief durchatmen! Cool bleiben! Sehen Sie es als „Schuss vor den Bug“. JETZT ist ein ausgezeichneter Zeitpunkt, um alles das zu machen, was Sie in den vergangenen Jahren an gesundheitsfördernden Maßnahmen offensichtlich verabsäumt haben. Nehmen Sie Ihr Leben in die Hand!

Quelle: Befund Diabetes Österreich 1/2017

14.07.17

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