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Metastasierter Brustkrebs

Im Interview erklärt Prof. Dr. Siegfried Seeber alles Wichtige rund um das Thema Metastasen bei Brustkrebs.

Was ist metastasierter Brustkrebs?

Es kann sich dabei um einen lokalen Lymphknotenbefall der Frau handeln. Meist versteht man darunter aber die Fernmetastasierung in andere Organe, u. a. Lunge, Leber, Skelettsystem. Diese Metastasen sind letztendlich lebensgefährlich für die Frau. Dennoch gibt es heute zahlreiche Möglichkeiten und Behandlungsmethoden, damit die Betroffenen auch mit metastasiertem Brustkrebs lange und mit guter Lebensqualität leben können.

Wie wird er festgestellt?

Bereits bei der Erstdiagnose wird geprüft, ob schon Metastasen vorhanden sind. Dabei werden verschiedene Röntgenuntersuchungen, Computertomografie, Skelettszintigramm und Laboruntersuchungen durchgeführt. Es gilt zunächst, das primäre Tumorstadium zu erfassen und den Grad der regionalen Metastasierung zu definieren. Dann müssen Fernmetastasen ausgeschlossen werden. Auf einer exakten Erstdiagnose unter Einschluss aller pathologisch histologischen Untersuchungen – inzwischen auch mittels zusätzlicher molekularbiologischer Untersuchungen – sowie unter Berücksichtigung verschiedener bildgebender Verfahren sowie der relevanten Laborwerte baut anschließend der Behandlungsplan auf.

Wie viele Frauen sind von metastasiertem Brustkrebs betroffen?

Von Brustkrebs sind im Jahr deutschlandweit ca. 70.000 Frauen betroffen, die neu erkranken. Davon können 60-70 % endgültig geheilt werden und ungefähr 30 % entwickeln im Laufe der Zeit Metastasen. Diese Metastasen können später auch auftreten, wenn der Brustkrebs in einem früheren Stadium bereits entfernt worden ist. Wir gehen heute davon aus, dass bei diesen Patientinnen bereits im Anfangsstadium Mikrometastasen vorlagen, die unentdeckt geblieben waren.

Wie sehen die Behandlungsmöglichkeiten aus?

Die Behandlungsmöglichkeiten sind heute weltweit sehr gut standardisiert. Es gibt sehr vielfältige Methoden, die Frauen zu behandeln. Diese hängen von den Eigenschaften des Primärtumors und der Metastasen sowie vom Stadium der Metastasierung ab. Wenn der Brustkrebs nur lokal in die Lymphknoten metastasiert ist, werden antihormonelle Therapien, Antikörper- oder Chemotherapie als adjuvante postoperative Behandlung zur Rückfall- und Metastasenverhütung eingesetzt. Bei vorhandener Fernmetastasierung werden je nach Situation unterschiedlichste medikamentöse Therapien durchgeführt. Dabei sind die Möglichkeiten heutzutage recht vielfältig und die Therapie wird auf die individuellen Lebensumstände der Frau angepasst.

Wie kann die Erkrankung wirksam stabilisiert werden?

Bei Risikostadien, in denen sich noch keine Metastasen gebildet haben, werden prä- und postoperative Chemo- und Hormontherapien durchgeführt, teilweise auch mit zusätzlichen Antikörpern. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit der Metastasierung verringert. Die präoperative Chemotherapie wird hauptsächlich deshalb eingesetzt, damit brusterhaltend operiert werden kann, aber diese Therapie hat auch bereits Auswirkungen auf eventuelle Metastasierungen. Wenn allerdings eine Metastasierung vorliegt, z. B. in der Lunge oder in der Leber, dann hängt die Behandlung von verschiedenen Faktoren ab, zunächst von den zellulären Eigenschaften des Tumors wie Hormonrezeptorstatus, HER2-Rezeptorstatus, Tumorteilungsrate KI-67, Tumor-Grading. Aber auch der Allgemeinzustand der Patientinnen und das Ausmaß sowie die Dynamik der Metastasierung bestimmen Intensität und Zeitdauer einzelner medikamentöser Maßnahmen. Die Überlebenschancen von Frauen mit metastasiertem Brustkrebs haben sich heute durch die Vielfalt der Behandlungsmöglichkeiten einschließlich verschiedener neuer Wirksubstanzen deutlich verbessert.

Welche Aussichten hat die Behandlung?

Zunächst gilt die metastasierte Erkrankung zwar als unheilbar, wobei es wichtig ist, zu differenzieren. Es gibt Patientinnen, die nur wenige Metastasen haben, die sich auch wieder rasch zurückbilden können. Solche Patientinnen haben eine längere Überlebenschance und im Einzelfall auch Heilungschancen. Bei größerer Ausdehnung der Metastasierung kann Brustkrebs heute oft gut stabilisiert werden, sodass im Einzelfall Frauen trotz der Diagnose durchaus noch weitere fünf bis zehn Jahre leben können. Mittlerweile können wir auch sagen, dass sich die Lebensbedingungen für die Patientinnen von Jahr zu Jahr langsam verbessern.

Wo finden die Frauen mit metastasiertem Brustkrebs die Behandlung und Betreuung, die sie benötigen?

Damit die Erkrankung wirksam stabilisiert werden kann, ist die Betreuung durch einen Fachmann sehr wichtig, der über ausreichend große Erfahrung in der Behandlung von metastasiertem Brustkrebs verfügt. Das kann ein Internistischer Onkologe oder auch ein gynäkologischer Onkologe sein. Entscheidend ist, dass er sich mit den zahlreichen Therapiemöglichkeiten sehr gut auskennt, um der Patientin die bestmögliche Behandlung zu ermöglichen. Zusammen mit der Patientin muss der Experte seine Behandlung in kürzeren Abständen infrage stellen, wenn die Frau nicht oder nur unzureichend auf die Therapie anspricht. Das erfordert sehr genaues Fachwissen.

Wo finden die Betroffenen solch einen Experten?

Es gibt mittlerweile immer mehr Experten, die sich dieser Thematik widmen, weil es einfach immer mehr betroffene Frauen gibt. Frauen mit Frühstadium Brustkrebs und mit metastasiertem Brustkrebs sollten sich auf jeden Fall an ein etabliertes Brustzentrum wenden. Bei Metastasierung ist es oft auch sinnvoll, sich eine Zweitmeinung einzuholen.

Was kann die Frau für ihr Wohlbefinden tun?

Die Patientin kann viel für ihr eigenes Wohlbefinden tun. Sie soll sich weiterhin fit halten, indem sie sich ausreichend bewegt und Sport treibt, sofern sie sich dazu in der Lage fühlt. Gesunde Ernährung sowie ausreichend Schlaf und Entspannung – bei nur wenig Alkohol und Nikotin – spielen ebenfalls eine wichtige Rolle für das Wohlbefinden. Unbedingt zu empfehlen sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen in Abhängigkeit vom Krankheitsverlauf. Auch zusätzliche psychotherapeutische Maßnahmen sind vielfach angezeigt und hilfreich.

Quelle: Leben? Leben! 3/2013

12.06.17

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