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Methoden der Brustrekonstruktion

Eigengewebe – Implantat – Rekonstruktion der Brustwarze

Im Interview erklärt Prof. Dr. Thomas Schoeller, Stuttgart, welche Methoden der Brustrekonstruktion für Brustkrebspatientinnen infrage kommen.

Welche Methoden der Brustrekonstruktion gibt es?

Eine beliebte Methode ist die Rekonstruktion mit Eigengewebe (autologe Rekonstruktion). Dabei handelt es sich um eine aufwendige Operation, weil das Gewebestück, beispielsweise aus dem Unterbauch aus dem Blutkreislauf herausschnitten wird. Aus diesem Hautüberschuss wird anschließend eine neue Brust geformt. Die Gefäße müssen unter dem Mikroskop wieder vernäht werden, was sehr aufwendig ist. Viele Patientinnen empfinden diese Methode als sehr angenehm, weil die rekonstruierte Brust der echten Brust am ähnlichsten ist.

Wie kann eine Brust noch rekonstruiert werden?

Wenn es nicht möglich ist, eine Brustrekonstruktion mithilfe der Mikrochirurgie durchzuführen, kann der Operateur auch Haut aus dem Rücken verwenden. Dieser Gewebeblock wird dann nach vorne geschwenkt. Der große Vorteil bei dieser Methode ist, dass die Gefäße nicht neu vernäht werden müssen. Eine weitere Möglichkeit ist die Rekonstruktion der Brust mithilfe von Implantaten. Dafür gibt es Kochsalzimplantate oder Implantate mit Silikongel gefüllt. Patientinnen, die sich die Brust auf diese Weise rekonstruieren lassen, berichten häufig von einem Fremdkörpergefühl oder einem Kältegefühl in der Brust. In einigen Fällen fehlt aber einfach ausreichend Haut, um das Implantat einzusetzen. Wenn die Patientin anschließend auch noch bestrahlt werden muss, kann sich das kosmetische Ergebnis verschlechtern, weil das Risiko einer Kapselfibrose besteht.

Falls eine Rekonstruktion mit Implantaten durchgeführt wird: In welchen Abständen müssen Brustimplantate ausgetauscht werden?

Implantate müssen ausgetauscht werden zwischen ca. zehn und 20 Jahren. Dies sollte auch erfolgen, bevor es zu Rupturen im Implantat kommt. Dabei handelt es sich um einen kleinen Eingriff. Ein geplatztes Implantat lässt sich weitaus schwerer entfernen, weil es klebrig im ganzen Gewebe hängt.

Zu welchem Zeitpunkt kann eine Rekonstruktion mit Eigengewebe durchgeführt werden?

Die Frage lässt sich nur individuell von Patientin zu Patientin entscheiden. Der früheste Zeitpunkt ist gleichzeitig mit der Mastektomie in einer Operation. Das nennt sich Sofortrekonstruktion. Und der späteste Zeitpunkt ist nicht definiert, d. h., man kann die Brust immer rekonstruieren. Das hängt von der Therapie ab, die ein Tumor erfordert.

In welchen Situationen kann gar keine Rekonstruktion mit Eigengewebe erfolgen?

Wenn eine Patientin eine Gerinnungsstörung hat, ist eine Rekonstruktion mit Eigengewebe nicht sinnvoll, weil diese Patientinnen auf jede Gefäßverletzung reagieren.

Wie wird die Brustwarze rekonstruiert?

Das hängt von der Art der Brustrekonstruktion ab. Wenn die Brust mit Eigengewebe rekonstruiert worden ist, dann bestehen mehrere Möglichkeiten. Man kann beispielsweise einen kleinen lokalen Hautlappen umschwingen und aus diesem flachen Hautstück einen dreidimensionalen Zylinder formen. Wenn die Brust mit einer Prothese rekonstruiert wird, kann ggf. die Brustwarze der Gegenseite halbiert werden und auf die andere Seite verpflanzt werden. Oder man kann eine Brustwarze tätowieren. Diese ist dann allerdings nicht dreidimensional.

Warum ist es so wichtig, dass die Patientin den Eingriff in einem Zentrum für rekonstruktive Brustchirurgie durchführen lässt?

Um diesen Eingriff durchführen zu können, braucht man ein interdisziplinäres Team an Ärzten: einen Gynäkologen oder Onkologen, der den Sachverstand hat für den Tumor und das nötige Wissen mitbringt, ob die Brust entfernt werden muss oder z. T. erhalten bleiben kann. Zusätzlich ist im Team ein Pathologe erforderlich, der den Tumor auf seine Eigenschaften untersuchen kann. Zusätzlich braucht man einen Strahlentherapeuten, einen plastischen Chirurgen und einen Psychoonkologen. In einem Zentrum für rekonstruktive Brustchirurgie kann gewährleistet werden, dass die Patientin von solch einem interdisziplinären Team betreut wird. Auf diese Weise kann die professionelle Qualität der Behandlung garantiert werden.

Quelle: Leben? Leben! 3/2014

06.06.17

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