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Mobil sein und mobil bleiben bei Multipler Sklerose

Mobil zu sein und zu bleiben bedeutet, sich Eigenständigkeit und Flexibilität zu bewahren und nicht oder in geringem Maße auf andere Menschen angewiesen zu sein. Kurz: Mobilität bedeutet Lebensqualität.

Die Diagnose MS heißt nicht zwangsläufig, im Verlauf der Krankheit Mobilitätsverluste zu erleiden; Einschränkungen der Mobilität sind jedoch häufig. Denn bei MS kommt es im Zentralnervensystem zur Zerstörung der Myelinschicht, die die Nerven umhüllt. Als Folge nimmt die Leitfähigkeit der Nervenzellen ab, Nervenimpulse werden mangelhaft oder überhaupt nicht mehr weitergeleitet. Koordinationsstörungen wie Gangunsicherheiten oder Schwindelgefühle bzw. Bewegungseinschränkungen durch Spastik, Lähmungen oder Kraftverlust in den Gliedmaßen können auftreten und die Fähigkeit beeinträchtigen, eigenständig von einem Ort zum anderen zu gelangen. Auch Fatigue, ein bei einem Großteil der MS-Patienten auftretendes, anhaltendes Erschöpfungsgefühl, kann die Mobilität u. U. beeinträchtigen.

In gewissem Maße können Betroffene dem Mobilitätsverlust durch regelmäßiges, körperliches Training entgegenwirken. Aus diesem Grund spielt die Bewegungstherapie bei MS eine bedeutende Rolle. Doch nicht immer lassen sich Bewegungseinschränkungen dauerhaft aufhalten. Für diese Fälle stehen zahlreiche Hilfsmittel zur Verfügung, die den Betroffenen ermöglichen, sich weiterhin eigenständig fortzubewegen, berufstätig zu bleiben und/oder einen eigenen Haushalt zu führen. Dazu zählen Gehhilfen und Orthesen, die z. B. den Fuß beim Gehen anheben, wenn dies allein nur unzureichend gelingt, außerdem Rollstühle, aber auch Hilfsmittel wie Treppenlifte oder Pkw-Umbauten, die dafür sorgen, dass Menschen mit Gehbehinderung allein mit dem Auto fahren können.

Bewegung, Bewegung, Bewegung

Jeder Mensch, der schon einmal wegen einer Erkrankung für einige Tage bettlägerig war, weiß, wie schwer es ist, den Körper im Anschluss wieder zu mobilisieren, denn in dieser Zeit verliert der Körper einen Teil seiner Muskelmasse. So zeigte eine Studie der Universität von Kopenhagen, dass junge, gesunde Männer nach der Ruhigstellung eines Beins über einen Zeitraum von 14 Tagen bis zu 485 Gramm Muskelmasse und rund ein Drittel ihrer Muskelkraft verloren haben. Selbst nach sechs Wochen Training war die Muskelkraft noch nicht wieder hergestellt. Man kann sich daher leicht vorstellen, wie wichtig Bewegung für den Erhalt der Mobilität auch bei MS ist.

Wer sich wegen neu auftretender Bewegungseinschränkungen, aufgrund von Fatigue, Schmerzen oder Koordinationsstörungen weniger bewegt oder Schonhaltungen einnimmt, dessen Risiko für weitere Mobilitätsverluste erhöht sich. Deshalb heißt es, schnellstmöglich gegenzusteuern, sollten Bewegungseinschränkungen auftreten. MS-Betroffene sollten rasch den Arzt aufsuchen, um eine gezielte Bewegungstherapie einzuleiten. Mit individuell zugeschnittenen körperlichen Übungen können Bewegungseinschränkungen häufig verringert oder zumindest ausgeglichen werden, sodass die Mobilität weitgehend erhalten bleibt.

Selbstverständlich ist auch Sport geeignet, um Fitness und damit Mobilität bei MS zu bewahren. Wer klettern möchte, stärkt damit nicht nur seine Muskulatur, sondern auch seine Koordination. Das Gleiche gilt für viele Kampfsportarten. Krafttraining sorgt dafür, dass die Muskeln stark bleiben. Gezieltes Krafttraining lässt sich daher bei MS zur Muskelstärkung einsetzen. Viele Sportarten lassen sich auch ausüben, sollten bereits Bewegungseinschränkungen vorliegen. Fahrrad fahren etwa kann man dank moderner E-Bikes bei eingeschränkter Beinkraft, beim Schwimmen kann man sich zwischendurch vom Wasser tragen lassen. Rollstuhlfahrer können zahlreiche Sportarten wie Basketball und Rugby oder tauchen ausüben. Auch durch passives Training lassen sich Muskeln mittels Physiotherapie stärken. Bewegung hat zudem den positiven Nebeneffekt, dass sie sich günstig auf die Psyche auswirkt. Denn beim Sport schüttet der Organismus körpereigene Glückshormone, die Endorphine, aus. Menschen mit MS, die sich regelmäßig bewegen, tragen also nicht nur dazu bei, ihre Mobilität zu erhalten, sie tun auch etwas für ihr seelisches Wohlbefinden.

Hilfsmittel – wichtige Helfer

Hilfsmittel umfassen u. a. alle Gegenstände, die dazu beitragen, gesundheitliche Nachteile auszugleichen oder den Erfolg einer medizinischen Behandlung zu gewährleisten. Wichtige Hilfsmittel zum Erhalt von Mobilität sind Gehhilfen wie Stöcke oder Rollatoren, Orthesen oder Rollstühle. Die Kosten für einen Großteil dieser Hilfsmittel übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung, vorausgesetzt, das Hilfsmittel ist im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenversicherung aufgeführt und ein Arzt hat ein Rezept über das jeweilige Hilfsmittel ausgestellt und damit dessen medizinische Notwendigkeit bestätigt. Einen Eigenanteil von 10 % der Kosten bis zu einer maximalen Höhe von jeweils zehn Euro pro Hilfsmittel müssen gesetzlich Versicherte jedoch selbst tragen.

Gehhilfen wie Stöcke können z. B. bei Koordinationsschwierigkeiten oder auch bei einer Verringerung der Kraft in den Gliedmaßen eine Hilfe sein. Es gibt verschiedene Gehstöcke, von denen manche eher wie Walking- oder Wanderstöcke und nicht wie medizinische Hilfsmittel aussehen und die trotzdem ihren Zweck erfüllen. Es gibt auch Gehstöcke, die sich ausklappen und bei Bedarf wieder zusammenfalten und in der Tasche verschwinden lassen.

Orthesen, die einerseits das Bein stabilisieren, andererseits auch beim Heben der Füße behilflich sein oder bei Lähmungen der kniestreckenden Muskulatur oder sogar als Ganzbeinorthese bei einer Beinlähmung eingesetzt werden können, sind bei Problemen mit der Beinmuskulatur eine Alternative. Eine solche Orthese wird immer individuell an den Benutzer und seine Einschränkungen angepasst.

Rollatoren und Rollstühle

Auch Rollatoren und Rollstühle zählen zu den medizinischen Hilfsmitteln. Sie werden von den Krankenkassen oft über ein Sanitätshaus als Leihgabe zur Verfügung gestellt, gehen also nicht zwingend in den Besitz des Benutzers über. Rollatoren haben den Vorteil, dass sich die Benutzer während des Gehens fortwährend auf sie abstützen können. Sie bieten damit mehr Sicherheit als etwa ein Stock. Hinzukommt: Rollatoren verfügen i. d. R. über ein Sitzbrett, auf dem sich die Betroffenen zwischendurch ausruhen können. Sie können in der Wohnung wie auch im Freien genutzt werden: Vollgummireifen etwa sind sowohl für die Benutzung auf Teppichen und anderen Bodenbelägen als auch auf Asphalt geeignet. Es gibt verschiedene Rollatoren, die sich u. a. im Gewicht und in ihrer Ausstattung (Einkaufskorb, Rückenlehne) unterscheiden. Manche lassen sich falten und sind damit leichter im Auto zu transportieren.

Wer ein spezielles Rollatormodell im Auge hat, muss sich jedoch darauf einstellen, ggf. eine größere Zuzahlung zu leisten, denn die Krankenkassen übernehmen oft nur die Kosten für ein einfaches Modell – es sei denn, die gewünschte zusätzliche Ausstattung ist medizinisch notwendig. Wer erstmals einen Rollator verwendet, sollte sich die Benutzung genau erklären lassen und üben, z. B. mit dem Rollator Bordsteine zu überwinden. Auch das Ein- und Aussteigen mit dem Rollator in öffentliche Verkehrsmittel will gelernt sein. Im Bus oder in der Bahn sollte man sich nicht auf den Rollator, sondern auf einen normalen Sitzplatz setzen, denn der Rollator kann bei einer Vollbremsung wegrutschen oder kippen.

Es gibt zahlreiche verschiedene Rollstuhlmodelle für die verschiedensten Zwecke. Sinnvoll ist als Einsteigermodell für Menschen mit ausreichender Armkraft und Koordination i. d. R. die Anschaffung eines sog. Aktivrollstuhls, dessen Reifen sich leicht greifen und der sich relativ leicht fortbewegen lässt. Auch hier gilt: Der Arzt muss die medizinische Notwendigkeit eines speziellen Rollstuhls in seinem Rezept bestätigen, damit die Krankenkasse die Kosten trägt. Das Gleiche gilt für einen Elektro- oder einen Stehrollstuhl, die für MS-Patienten sinnvoll sind, die einen anderen Rollstuhl nicht selbst antreiben können oder die zwischendurch aus medizinischen Gründen darauf angewiesen sind, die Position zu wechseln, und dazu allein nicht in der Lage sind.

Mobil mit Pkw, Bus und Bahn

Auf längeren Strecken mobil zu bleiben, ist für MS-Betroffene genauso wichtig wie für Gesunde. Schließlich müssen auch MS-Patienten den Weg zur Arbeitsstätte zurücklegen, wollen Freunde besuchen, Städtereisen machen oder in den Urlaub fahren. Ist der Umbau eines Pkw nötig, um diesen für die Fahrt zur Arbeit zu benutzen (z. B. als Rollstuhlfahrer), können dafür Zuschüsse vom jeweils zuständigen Kostenträger (z. B. Rentenversicherung, Agentur für Arbeit) beantragt werden. Voraussetzung: Das Auto ist nötig, um den Arbeits- oder Ausbildungsplatz zu erreichen. Als Umbauten kommen z. B. Einstieghilfen oder ein Umbau von Sitzen und Steuerung infrage.

Wer mit Bewegungseinschränkungen Bus oder Bahn fahren oder andere Verkehrsmittel (z. B. ein Flugzeug, eine Fähre) nutzen möchte, sollte sich zuvor erkundigen, ob das gewünschte Verkehrsmittel an die jeweilige Behinderung angepasst ist. So verfügen nicht alle Busse über Einstiegsrampen für Rollstuhlfahrer oder Fahrstühle an Bahngleisen können außer Betrieb sein. Wer mit der Bahn fahren möchte, kann den Mobilitätsservice buchen, sollte Hilfe beim Ein-, Aus- und Umsteigen nötig sein. Bei Reisen mit dem Flugzeug sollte die Mitnahme eines Rollstuhls frühzeitig angekündigt werden. Dieser wird i. d. R. im Gepäckraum transportiert. Für die Reise stellen die Fluggesellschaften einen Rollstuhl zur Verfügung.

Quelle: Befund MS 2/2016

26.09.16

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