- Anzeige -
Curado.de Logo

Sie sind hier: Startseite - Krankheiten - Neurologie - Multiple Sklerose - Therapie - MS: Komplementäre Therapieverfahren und ihr Nutzen

MS: Komplementäre Therapieverfahren und ihr Nutzen

MS kann sich mit zahlreichen Symptomen äußern. Als besonders belastend nehmen Betroffene diese Symptome i. d. R. wahr, wenn sie trotz verlaufsmodifizierender und symptomatischer Therapie (wie Physiotherapie) regelmäßig auftreten, das Alltagsleben und damit die Lebensqualität einschränken und/oder schmerzhaft sind. In solchen Fällen suchen Betroffene oft nach zusätzlichen Therapiemöglichkeiten, die die Beschwerden lindern.

Es gibt eine Vielzahl sog. komplementärer Therapieverfahren, für die zum Einsatz bei MS geworben wird. Manche davon tragen dazu bei, die Beschwerden abzumildern, andere kosten Geld, sind nicht hilfreich, aber zumindest ungefährlich. Daneben gibt es noch die dritte Sorte sog. alternative Therapiemethoden, die ein hohes gesundheitliches Risiko für MS-Patienten bergen und von denen die evidenzbasierte, d. h. die wissenschaftlich fundierte Medizin unbedingt abrät. Bevor Sie mit einer sog. komplementären Behandlung beginnen, sollten Sie sich deshalb in jedem Fall gründlich informieren, vor allem aber Ihren Arzt fragen, ob sich die gewünschte Behandlung für Sie eignet und ob sie Ihnen nützen kann.

Yoga, autogenes Training, Meditation und Co.

In die Riege der komplementären Therapien bei MS reihen sich verschiedene Entspannungsmethoden ein. Zu ihnen zählen Yoga, autogenes Training, die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Meditation, Atementspannung, Qigong, Tai Chi, Entspannung mit Klangschalen oder die Klangschalenmassage sowie einige andere mehr. All diese Methoden haben eines gemeinsam: Sie bauen Stress ab und sorgen dafür, dass Betroffene zur Ruhe kommen. Zudem können sie zur Entspannung der Muskulatur beitragen. Damit gehen sie nicht direkt gegen MS-Symptome vor, sie können aber u. a. helfen, Ängste zu mindern, tragen u. U. zu einem besseren Körpergefühl bei und steigern so die Lebensqualität. Durch gezielte Entspannung lässt sich auch die symptomatische Therapie unterstützen. Deshalb kann es für MS-Patienten sinnvoll sein, eine Entspannungstechnik zu erlernen.

Für jeden MS-Patienten gibt es ein passendes Entspannungsverfahren. Für Betroffene, die nicht oder nur gering bewegungseingeschränkt sind und die gern körperliche Übungen durchführen, eignen sich u. a. Yoga oder Tai Chi. Die progressive Muskelentspannung nach Jacobson ist etwas für Menschen mit MS, sofern ihre Muskeln nicht durch Spastiken stark angespannt sind. Diese Entspannungstechnik lässt sich jederzeit im Sitzen, Stehen oder Liegen durchführen. Autogenes Training und Meditation führen durch Selbstsuggestion bzw. durch Konzentration Entspannungszustände herbei und sind selbst mit starken Bewegungseinschränkungen ausführen. Letzteres gilt auch für die Atementspannung sowie die Klangschalenentspannung oder -massage, bei der eine andere Person die Klangschalen bedient. Sinnvoll ist es, die meisten dieser Entspannungsmethoden unter fachlicher Anleitung zu erlernen und einzuüben.

Traditionelle chinesische Medizin und Ayurveda bei MS

Die traditionelle chinesische Medizin, kurz TCM, vereint Behandlungsmethoden wie Akupunktur und Kräutermedizin nach traditionellen chinesischen Rezepten. Während Arzneien der TCM mit Vorsicht zu behandeln sind, schon weil sie in Wechselwirkung mit der verlaufsmodifizierenden Therapie und Medikamenten zur symptomatischen Behandlung treten können, ist die Akupunktur ein Verfahren, das bei bestimmten Symptomen von MS helfen kann. So ergab eine im Mai vorgestellte Untersuchung der Charité – Universitätsmedizin Berlin, dass Akupunktur bei Fatigue helfen kann. Zudem zeigte eine Studie der Universität von British Columbia eine Linderung von MS-bedingten Schmerzen durch Akupunktur. Es spricht daher i. d. R. nichts dagegen, bei den genannten Beschwerden Akupunktur auszuprobieren. Allerdings sollte sie von einem erfahrenen Akupunkteur durchgeführt werden, jedoch nicht während eines MS-Schubs. Hinzukommt: Bei manchen Menschen zeigt sie kaum oder keine Wirkung.

Die traditionelle indische Heilkunst heißt Ayurveda und arbeitet, ähnlich wie die TCM, u. a. mit Kräutermedizin, von der MS-Patienten jedoch besser Abstand nehmen sollten, da nicht klar ist, welche Wechselwirkungen mit MS-Medikamenten auftreten können. Ayurvedische Ölmassagen hingegen können Stress abbauen. Wenn sie als angenehm empfunden werden, spricht nichts dagegen, sie bei MS durchführen zu lassen.

Ist Homöopathie sinnvoll?

Homöopathische Mittel kommen bei zahlreichen MS-Symptomen zum Einsatz. Bislang gibt es jedoch keinen Nachweis, dass Homöopathie Wirkung zeigt als sog. Placebos, Scheinmedikamente. Zu diesem Schluss kommt die britische Universität Exeter. Sie hatte 2010 verschiedene Metastudien zu Homöopathie der Cochrane Collaboration durchsucht (die Cochrane Collaboration ist ein Netzwerk von Wissenschaftlern, das Studien zum gleichen Thema zusammenträgt und diese dann unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten in einer Übersichtsarbeit, einer Metastudie, auswertet). Dabei kam heraus, dass Homöopathie zu keinen besseren Resultaten in der Behandlung verschiedener Krankheiten und Symptome kommt als Placebos.

Vitamin D und Co. als komplementäre Therapieverfahren

Wissenschaftliche Studien bringen einen Mangel an Vitamin D in Zusammenhang mit der Entstehung von MS. Dies legt die Vermutung nahe, dass eine Zufuhr von Vitamin D u. U. auch bei aktiver MS helfen kann. Verschiedene Untersuchungen zu Vitamin D und MS laufen zwar, doch sind die Ergebnisse bislang nicht eindeutig. Daher raten Mediziner derzeit davon ab, Vitamin D einzunehmen – zumindest wenn nicht gesichert ist, dass ein Mangel an Vitamin D vorliegt. Sie empfehlen MS-Patienten daher, sich häufiger im Freien aufzuhalten, denn Vitamin D produziert der Körper unter dem Einfluss der ultravioletten Sonnenstrahlen selbst.

Auch andere Nahrungsergänzungsmittel (z. B. mit Mineralstoffen, anderen Vitaminen oder Omega-3-Fettsäuren) oder Substanzen aus der Kräutermedizin haben bei der Behandlung der MS und ihrer Symptome bislang zumindest in wissenschaftlichen Studien keine Erfolge gezeigt. Aus diesem Grund sollten MS-Patienten auf ihre Einnahme verzichten oder zumindest ihren behandelnden Arzt fragen, ob etwas dagegen spricht, sie zu nehmen.

Alternative Behandlungen bei MS, von denen abzuraten ist

Eine Krankheit wie MS, die bislang nicht geheilt werden kann, ruft zwangsläufig Menschen auf den Plan, die versuchen, mit vermeintlich Erfolg versprechenden Therapien Geld zu verdienen. Doch solange die evidenzbasierte Medizin keinen wissenschaftlichen Beweis für den Erfolg dieser Behandlungen hat, so lange sollten MS-Patienten ihnen gegenüber vorsichtig sein – selbst wenn die Anbieter der Therapien Patienten anführen, denen ihre Behandlung geholfen haben soll. Zu den Behandlungsmethoden, die vor allem Geld in die Kassen derjenigen spülen, die sie anbieten, gehören

  • die Entfernung von Amalgam aus den Zähnen
  • die Sauerstoff-Überdrucktherapie, bei der Patienten Sauerstoff unter Überdruck einatmen
  • eine Kombination verschiedener Enzyme zum Einnehmen

Daneben gibt es jedoch auch sog. Therapien, die bei MS gefährlich sein können. Zu ihnen zählen u. a. die Gabe von Bienen- oder Schlangengift, die sog. intrathekale Stammzellentherapie, bei denen den Patienten körpereigene Stammzellen ins Rückenmark injiziert werden oder Eingriffe an Blutgefäßen, die diese erweitern und Stauungen des Bluts beseitigen sollen. Das Gleiche gilt für Behandlungen, die in das Immunsystem eingreifen und wie bei der sog. Immunaugmentation die Immunreaktion stärken sollen. Diese können MS-Symptome verstärken und greifen in die verlaufsmodifizerende MS-Therapie ein. Ganz allgemein gilt für MS-Patienten: Informieren Sie sich bei Ihrem Arzt oder den Ansprechpartnern der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, ob sich eine Therapie bei MS eignet, bevor Sie sie beginnen.

Quelle: Befund MS 2/2017

02.11.17

Newsletter An-/Abmeldung

Code: PSHR