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Bei MS besonders wichtig: Therapietreue

In regelmäßigen Abständen Medikamente zu nehmen oder sie sich selbst zu injizieren erfordert Selbstdisziplin. Vor allem, wenn die positiven Wirkungen eines Arzneimittels nicht sofort spürbar sind und das Medikament womöglich unerwünschte Nebenwirkungen hervorruft, kommen Patienten leicht in Versuchung, ihr Medikament hin und wieder zu „vergessen“ oder die Therapie auf eigene Faust abzubrechen.

Vor allem bei chronischen Erkrankungen, zu denen auch die MS gehört, liegt die sog. Therapietreue in den Industriestaaten nach Angaben der Weltgesundheitsorganistion (WHO) oft bei etwa 50 %. Der Ärztliche Beirat der Deutschen Multiplen Sklerose Gesellschaft (DMSG) gibt an, dass zwischen 10 und 20 % der MS-Patienten eine Behandlung mit immunmodulatorischen Medikamenten nach spätestens sechs Monaten abbrechen, u. a., weil die Therapie (insbesondere die Injektion) als kompliziert oder unangenehm empfunden wird. Dabei stellen sich erkennbare Wirkungen erst etwa ein Jahr nach kontinuierlicher Verwendung der Mittel ein.

Möglicherweise verbessert sich jedoch die Therapietreue, die von Ärzten meistens als Adhärenz (früher: Compliance) bezeichnet wird, durch die mittlerweile für die Basistherapie der MS zugelassenen, oral einzunehmenden Medikamente. Da diese Medikamente jedoch erst seit kurzer Zeit für die Therapie bei milden und moderaten Verlaufsformen der MS zur Verfügung stehen, gibt es dazu noch keine Erfahrungswerte.

Medikamente verringern Schubrate

Weshalb die Therapietreue oder Adhärenz so wichtig ist, zeigt eine Anfang 2013 veröffentlichte Studie, die u. a. von dem US-amerikanischen Gesundheitsökonomen Dr. Joseph Menzin und der MS-Nurse Christina durchgeführt wurde. Sie untersuchten 24 Studien zur MS, bei denen die Adhärenz für die immunmodulatorische Therapie bei Werten zwischen 41 % und 88 % lag. Dabei stellten sie fest, dass die Patienten eine niedrigere Schubrate aufwiesen, die ihrer Therapie die Treue hielten. Zudem schritt die MS bei ihnen langsamer voran als bei denen, die die Therapie abbrachen oder es mit der Behandlung nicht so genau nahmen. Das wiederum hat zur Folge hat, dass auch das Risiko für Behinderungen sinkt bzw. sich das Auftreten von Behinderungen zumindest hinauszögert.

Auch die DMSG betont immer wieder, wie wichtig es ist, die MS-Therapie weiterzuführen, selbst wenn der Nutzen der Behandlung nicht sofort nach der Anwendung der Medikamente spürbar wird. Auf lange Sicht aber zahle sich Therapietreue aus.

Wann ist die Adhärenz am größten?

Die Adhärenz zu einer Therapie ist i. d. R. bei chronischen Krankheiten dann am größten, wenn die Behandlung Beschwerden merklich erleichtert. Der Ärztliche Beirat der DMSG beispielsweise merkt an, dass bei Krankheiten wie der Rheumatoiden Polyarthritis, die mit Schmerzen einhergeht, die Therapie wesentlich seltener abgebrochen wird als bei anderen chronischen Erkrankungen. Der Grund: Die verordneten Medikamente lindern die Schmerzen und erleichtern den Patienten das Leben. Die verlaufsmodifizierende Therapie bei der MS hingegen hat keine sofortigen Auswirkungen. Daher ist es sehr wichtig, vertrauensvoll mit dem Arzt über die eigenen Probleme mit der Therapie zu sprechen. Denn nur, wenn der Arzt Bescheid weiß und den Patienten ernst nimmt, können Arzt und Patient gemeinschaftlich eine Lösung für die Behandlung finden, die eine gesteigerte Adhärenz zur Folge hat.

Die Adhärenz bessern

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Adhärenz zu einer einmal begonnenen, verlaufsmodifizierenden MS-Therapie zu steigern. Der Ärztliche Beirat der DMSG empfiehlt zuallererst, dass der Arzt den Patienten über Auswirkungen und Nutzen der MS-Behandlung ausführlich aufklärt. Umgekehrt bedeutet das auch, dass der Patient nachfragt sollte etwas unklar sein wie z. B. Fachbegriffe oder mögliche Nebenwirkungen der Therapie. Auch der Besuch einer Selbsthilfegruppe kann weiterhelfen. Dort sind verständnisvolle und gut informierte Ansprechpartner zu finden, die bei Fragen weiterhelfen, die beim Arzt z. B. aus Zeitmangel nicht mehr gestellt werden konnten.

Ganz wichtig ist auch die engmaschige Betreuung nach Beginn der Therapie. Besonders hoch, so die DMSG, ist die Adhärenz erfahrungsgemäß, wenn den Patienten eine speziell ausgebildete Krankenschwester, eine MS-Schwester (auch MS-Nurse genannt), zur Seite steht. Diese zeigt den von MS Betroffenen, wie sie die Medikamente injizieren und erläutert den Umgang mit Injektionshilfen. Nicht zuletzt sind MS-Schwestern auch wichtige Ansprechpartnerinnen bei weiteren Problemen, die im Rahmen einer Therapie auftreten, und bei generellen Fragen zur MS. Daher sollten Patienten zu Beginn der medikamentösen Behandlung von einer MS-Schwester betreut werden. Auch der Hausarzt sollte in die Betreuung des Patienten eingebunden werden. Ganz wichtig ist auch, dass der betreuende Arzt den Verlauf der Krankheit vor und nach Beginn der Therapie genau dokumentiert, um z. B. später ermitteln zu können, welche Auswirkungen die Behandlung auf die Schubrate hat. Darauf sollte auch der Patient pochen. Eventuell gibt es auch die Möglichkeit gibt, auf ein anderes Medikament umzusteigen. Hier sollten Betroffene ihren Arzt befragen.

Quelle: Befund MS 2/2014

21.10.14

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